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Wirtschaftsweise fordert intelligente Regulierungssysteme Beatrice Weder di Mauro hält Krisen für vermeidbar
Wortwechsel am 14. Juni, 23.25 Uhr im SWR Fernsehen

    Mainz (ots) - Solche Krisen könnten vermieden werden, sagt die Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro mit Blick auf die aktuelle finanzpolitische Lage. Im "Wortwechsel" mit Moderatorin Anja Höfer (am 14. Juni, 23.25 Uhr im SWR Fernsehen) fordert die Ökonomin "intelligente Regulierungssysteme" gegen die Verschuldung. Dazu sieht sie den Staat nicht als Unternehmer oder Banker, sondern in der Frage einer "Restrukturierung" des Finanzsektors in der Pflicht.

    Auch wenn die Banker eine gewisse Verantwortung zu tragen hätten, sei es zu einfach, diese alleine "mit Wut" zu versehen, sagte Beatrice Weder di Mauro bei der Aufzeichnung der SWR-Fernsehsendung "Wortwechsel". Man übersehe dabei das Zusammenspiel verschiedener Faktoren, die zu den Fehlinvestitionen geführt hätten. Unter anderem habe es ein "Regulierungsversagen" und ein "Aufsichtsversagen" gegeben - sowohl in den Vereinigten Staaten, aber durchaus auch in Europa und Deutschland -, "die dazu beigetragen haben, dass das Verhalten in den Banken letztlich unverantwortlich war". Die "außerbilanziellen Risiken", seien schon in den Geschäftsberichten vorhanden gewesen. "Sie können das nachlesen bei vielen der Banken - und angefangen bei der IKB. Das war nichts, was im Geheimen und im Verborgenen abgelaufen war." Es sei nicht ernst genug genommen worden von jenen, "die es hätten unterbinden sollen oder können". Auch wenn daher die Expertin den Staat nicht als Unternehmer oder Banker sieht, so wäre ein starker Staat notwendig, um die Restrukturierung dieses Sektors voranzutreiben.

    Auf die Frage nach Strategien gegen künftige Krisen antwortete Beatrice Weder di Mauro: "Das kann meines Erachtens durchaus vermieden werden." Es gelte die Dynamiken zu durchbrechen, wie sie zu der derzeitigen Verschuldung im Finanzsektor geführt hätten. "Die Deutschen haben da ganz schön mitgemischt, wie wir wissen. Und diese Dynamik (...) kann man unterbinden -  regulativ." Man müsse, so di Mauro weiter, "intelligente Regulierungssysteme finden, die (...) die Kosten für diese Finanzmarktakteure im Boom so derart erhöhen, dass sie keinen Anreiz haben, zu hohe Risiken einzugehen, und dann nachher in der Rezession ihnen eher etwas mehr Luft geben." Anders als im Finanzsektor stellt sich für die Wirtschaftsweise die Situation im unternehmerischen Sektor dar. Es gebe hier keine "systemrelevanten Unternehmen". So könne das Untergehen des einen sogar "positive Konsequenzen" haben: "Wenn ein Unternehmen untergeht, dann werden sich die Wettbewerber freuen. Umgekehrt gesagt: Wenn man das Unternehmen rettet, dann ärgern sich die Wettbewerber", so die Analyse von Beatrice Weder di Mauro. "Bei Banken kann es so sein, dass, wenn die eine Bank untergeht, die andere mit untergeht." (Das komplette Gespräch strahlt das SWR Fernsehen am kommenden Sonntag, 23.25 Uhr aus.)

    Pressekontakt: Wolf-Günther Gerlach, Tel.: 06131/929-3293

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