SWR - Südwestrundfunk

Aufstand im Stuttgarter Pressehaus

    Stuttgart (ots) - Mehr als 200 Mitarbeiter der Redaktionen von Stuttgarter Zeitung, Stuttgarter Nachrichten und Sonntag Aktuell haben ihrer Geschäftsleitung das Misstrauen ausgesprochen. In einem dem Südwestrundfunk (SWR) vorliegenden Schreiben äußern sie ihre tiefe Besorgnis über die Ereignisse im Pressehaus. Mitarbeiter würden monatelang im Ungewissen gelassen und mit Kündigung bedroht. Einzelne würden handstreichartig des Hauses verwiesen. Geradezu bestürzt reagierten die Angestellten im Pressehaus als am 31. Oktober sowohl der Verlagsleiter Robert Harig als auch Anzeigenleiter Armin Groß binnen Minuten gefeuert wurden und sofort das Haus verlassen mussten. Es war auch nicht erwünscht, dass sie sich noch von ihren Mitarbeitern verabschiedeten.

    Die Südwestdeutsche Medienholding umfasst zahlreiche Zeitungen im Deutschen Süden, von der renommierten Süddeutschen Zeitung in München über die Neue Presse in Coburg bis zu den Stuttgarter Zeitungen und dem Schwarzwälder Boten. Unbestätigten Berichten zufolge erzielt der Konzern eine Umsatz Rendite von über 15 Prozent.

    Hintergrund der Aktion sind der Sparkurs der Geschäftsführung der Südwestdeutschen Medienholding (SWMH) am Standort München sowie Pläne zur Neustrukturierung in Stuttgart. Im Mittelpunkt der Kritik steht dabei der seit Anfang des Jahres amtierende SWMH Geschäftsführer Dr. Richard Rebmann. Rebmann will offenbar, dass die zur Verlagsgruppe gehörenden Zeitungen, wie die Süddeutsche Zeitung München, die Stuttgarter Zeitungen sowie der Schwarzwälder Bote, enger kooperieren, um die avisierten Sparziele zu erreichen. So soll der Süddeutsche Zeitungsverlag in München 15 Millionen einsparen, davon allein 5 Millionen in der Redaktion. Zahlreichen Redakteuren wurden Abfindungsangebote gemacht.

    Auch in Stuttgart hat man Angst vor drohenden Einsparungen. Dazu gibt es Ungewissheit über die Zukunft der Zeitung Sonntag Aktuell. Die seriöse Stuttgarter Zeitung soll im Sommer mit einem neuen Erscheinungsbild neue Abonnenten gewinnen. Vor allem die Vorgänge in Stuttgart haben die Redaktionen aufgebracht. So wurde ohne Wissen der Mitarbeiter der Stuttgarter Zeitung das Berliner Grafikbüro Kirchner und Burkhardt mit dem Relaunch des Blattes beauftragt.

    Auch über die Zukunft von Sonntag Aktuell soll sich eine Projektgruppe Gedanken machen, in der kein Mitarbeiter von Sonntag Aktuell vertreten ist. Die größte Angst im Stuttgarter Pressehaus verursachen allerdings Befürchtungen, dass der politische Teil der Stuttgarter Zeitung künftig weitgehend aus München von der Süddeutschen Zeitung bezogen werden soll.

    Bei Fragen wenden Sie sich an Erwin Georg Kohla, Redaktion Reporter und Recherche, Baden-Baden, Tel.: 07221/929-4920, E-Mail: erwin.kohla@swr.de

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