SWR - Südwestrundfunk

500. Sendung "Tele-Akademie" am 7. Mai mit ARD-Vorsitzendem Prof. Peter Voß: Universität im Wohnzimmer
Einzigartig im deutschen Fernsehen

Baden-Baden (ots) - Seit 13 Jahren bietet das Südwestfernsehen anspruchsvolles Fernsehen der besonderen Art. Die Teleakademie lässt jeden Sonntag um 9.00 Uhr einen Vortagsredner zu Wort kommen. Hochschullehrer, Privatdozenten, Referenten oder Publizisten reden über wissenschaftliche, gesellschaftspolitische oder kulturelle Themen. Die 45-minütigen Vorträge sind ein Studium generale im Fernsehen. Am 7. Mai startet eine vierteilige Reihe über die Zukunft der Bildung mit einem Vortrag des ARD-Vorsitzenden und SWR-Intendanten Prof. Peter Voß. An diesem Tag bringt das Fernsehen zum 500. Mal die Universität ins Wohnzimmer. "Du kannst über alles reden, nur nicht über 40 Minuten", riet Kurt Tucholsky den Rhetorikern. Monika Presting schmunzelt bei diesem Ratschlag und scheint ihn sich doch zu Herzen genommen zu haben: In der "Tele-Akademie", die die 41-jährige Redakteurin und Moderatorin seit 1997 verantwortet, kommen die Dozenten nach wenig mehr als 40 Minuten auf den Punkt. Das Themenspektrum ist dabei vielseitig; es umfasst alle Bereiche der Geistes-, Natur-, und Sozialwissenschaften, Kunst, Technik, Wirtschaft und Politik. Die "Tele-Akademie" greift den alten Gedanken des Studium Generale auf, versucht, durchdachte Einblicke zu geben und die Zuschauer mit den drängenden Fragen unserer Zeit zu konfrontieren. "Qualität und Allgemeinverständlichkeit stehen im Vordergrund bei der Auswahl der Vorträge. Außerdem sollen Themen beleuchtet werden, die einen Bezug zu unserer Zeit haben", sagt Monika Presting. Eine Reihe über politische Philosophie beispielsweise stellt das Staatsmodell des griechischen Philosophen Plato vor und steht doch im Zusammenhang mit der Krisendiskussion im Umfeld der jüngsten Parteispendenaffäre. Oder "Goethe und das göttliche Geld": Hier wird die spürbare Vergötzung des Geldes in Zeiten der Aktien-Euphorien bei aktuellen Börsengängen von Unternehmen aufgegriffen. Auch Themen wie Kinderarmut, Bioethik, oder die Chaostheorie standen bereits im Mittelpunkt der sonntäglichen Erörterungen. 1984 fing alles im Ludwigshafener Kabelpilotprojekt an. Der damalige Südwestfunk startete unter dem Namen "Der Schlaue Kanal" ein Vortragsprogramm. Zwei Jahre später sah man zwar schwarz für diesen Kanal, doch die ehemalige Redaktionsleiterin Doris Rümmele war schlauer. Das Ende der Kabel-Akademie war der Beginn der Teleakademie im Südwestfernsehen. Am 5. April 1987 hielt Viktor E. Frankl den Eröffnungsvortrag über "Die Sinnfrage in der technologischen Gesellschaft". Seitdem hat die Sendung einen treuen Kreis von Zuschauern gefunden und erfährt Zustimmung sowohl von renommierten Wissenschaftlern als auch von interessierten Laien. Monika Presting: "Es vergeht keine Sendung ohne Briefe und Anrufe, Manuskriptanfragen und Danksagungen. Für Viele gehört die "Tele-Akademie" zum festen Bestandteil des Sonntags, sie ist eine "Oase in der Wüste unserer Zeit", wie ein Zuschauer geschrieben hat. Für Menschen, die abseits der Bildungs- und Kulturzentren leben, bietet die Tele-Akademie eine Möglichkeit, an geistesgeschichtlichen Debatten und am aktuellen Kulturleben teilzunehmen. "Die Vorträge müssen nicht durch Einspielungen oder Effekte aufgepeppt werden. Die Zuschauer wollen ein Thema von allen Seiten durchdacht sehen, verständlich und seriös erklärt." Über die große Resonanz auf dieses eher konservative, klassische Programm hat sich Monika Presting zunächst gewundert, als sie 1997 die Leitung der Sendung übernahm. Doch die Rückmeldungen der Zuschauer überzeugten sie, bei dem bewusst puristischen Konzept zu bleiben, das sich für 45 Minuten strikt auf Inhalt und Redner konzentriert. Ein Wunsch bleibt Monika Presting jedoch im Bezug auf ihre Sendung: Mehr Frauen im Programm. Die "Tele-Akademie" ist in diesem Fall ein Abbild der universitären Realität und der Tatsache, dass lediglich fünf Prozent der Hochschullehrer Frauen sind. Früher gab es dieses Studium generale im Wohnzimmer gewissermaßen nach dem Kirchgang um 11.15 Uhr und heute auf dem früheren Sendeplatz um 9.00 Uhr. Für Spätaufsteher wird die Sonntagsrede sogar montags auf dem Kulturkanal 3sat um 11.00 Uhr wiederholt. Menschen auf dem Lande oder abseits der Bildungs- und Kulturzentren ist die Tele-Akademie so eine Möglichkeit, an geistesgeschichtlichen Debatten und aktuellen Kulturdebatten teilhaben zu können. So einfach die Idee klingt, eine Kamera auf einen Redner zu richten und diesen reden zu lassen, die "Tele-Akademie" ist im deutschen Fernsehen einmalig. Wissen wird zwar auch in anderen Programmen vermittelt, doch an diese bewusst schlichte Gestaltung mit hohem Anspruch an Inhalt und Qualität haben sich andere Sender bislang nicht herangewagt. Der SWR hat aus diesem Experiment eine Institution gemacht. 500 Sendungen kamen so zusammen. Im Umfeld dieses Jubiläums macht dieses Bildungsfernsehen die Bildung selbst zum Thema. In der Jubiläumssendung am 7. Mai fragt SWR-Intendant Prof. Peter Voß, was aus der Bildung wird und erörtert die Risiken und Chancen für Humboldts Idee im Multimediazeitalter. Am Sonntag darauf am 14. Mai zeigt die baden-württembergische Kultusministerin Annette Schavan Wege zu Wissen, Urteilskraft und Selbstständigkeit auf. Ihr folgt am 21. Mai der Hamburger Anglist Dietrich Schwanitz mit dem Thema "Die Bildung ist tot. Es lebe die Bildung". Am 28. Mai schließt Jürgen Mittelmaß das Bildungsthema mit "Leonardo und die Leonardowelt. Der universale Mensch als Weltbaumeister." Erörtert wird in dieser Bildungsreihe außerdem die Frage, was Bildung bedeuten kann in einer Zeit, in der das Spezialwissen rasant expandiert und die Gefahr besteht, dass die großen Zusammenhänge in einer Fülle von Informationen verloren gehen. Das Halbjahresprogramm der "Tele-Akademie" kann bei der Redaktion "Tele-Akademie", 76522 Baden-Baden angefordert werden. Auch Manuskripte und Mittschnitte der Sendungen auf Videokassette können hier bestellt werden. ots Originaltext: SWR Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Stephan Reich, Tel.: 07221/929-4233 oder Martin Ryan, Tel.: 07221/929-2285. Original-Content von: SWR - Südwestrundfunk, übermittelt durch news aktuell

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