SWR - Südwestrundfunk

Film über dunkles Kapitel der österreichischen Tourismusbranche am 15. Februar im Südwestfernsehen

Baden-Baden (ots) - Schicksalsfamilie aus Mannheim fordert Gerechtigkeit für "Galtür" SWR berichtet, wie die Lawine das Leben des Ehepaars Vogt und anderer Betroffener verändert hat Im vergangenen Jahr erschütterte eine Naturkatastrophe die Welt: das Lawinenunglück von Galtür. Der Südwestrundfunk (SWR) erinnert an dieses Ereignis mit einer Dokumentation in der Reihe "Zeichen der Zeit" am Dienstag, 15. Februar 2000, um 20.15 Uhr im Südwestfernsehen. In dem Film "Galtür: Leben nach der Lawine" von Annette Schmidt kommt insbesondere das Ehepaar Vogt aus Mannheim zu Wort: Die Anwältin und der Lehrer verloren bei der Lawinenkatastrophe vor fast einem Jahr, am 23. Februar 1999, ihre beiden Kinder. Die verwaisten Eltern haben gegen die Verantwortlichen in Innsbruck - an erster Stelle Landeshauptmann Wendelin Weingartner - und Galtür Anzeigen wegen fahrlässiger Tötung erstattet. Damit sind sie die einzigen Angehörigen von Opfern dieses Unglücks, die gerichtliche Konsequenzen fordern. Sie werfen den Verantwortlichen fatale Fehlentscheidungen und schwerste Versäumnisse in der Aufklärung der Touristen vor. Die tödlichen Folgen der Lawine seien vermeidbar gewesen: "Wir sind nicht auf die Gefahren hingewiesen worden. Wenn man uns gesagt hätte, wie gefährlich die Lage ist, wären wir nie mit den Kindern ins Freie zu diesem Rennen gegangen, das die Galtürer veranstaltet haben." Dass die Akte über den "Fall Galtür" noch nicht geschlossen werden kann, machen auch andere Stimmen in der Südwest-Reportage deutlich. Es äußern sich darin Menschen, die entweder ebenfalls direkt von dem Unglück betroffen waren oder seitdem maßgeblich mit seiner Aufarbeitung beschäftigt sind. Die Lawine von Galtür hatte 31 Menschen getötet - darunter elf Kinder, 21 Deutsche. Am folgenden Tag forderte eine Lawine im Nachbardorf Valzur sieben Todesopfer. Insgesamt hatten Lawinenabgänge im letzten Katastrophenwinter in den Alpen 70 Menschen das Leben gekostet. In Kürze jährt sich der Todestag ihrer beiden Kinder zum ersten Mal: "Es ging alles ganz schnell. Wir hatten keine Angst, als die Lawine kam, weil man uns gesagt hatte, dass dieser Fußweg sicher sei. Dann wurde der Schlitten mit den Kindern weggerissen." Das Ehepaar Vogt aus Mannheim hat bei der Lawinenkatastrophe von Galtür am 23. Februar 1999 die achtjährige Tochter Julia und den vierjährigen Sohn Fabian verloren. Die schwer verletzte Mutter und der Vater waren ebenfalls verschüttet worden, konnten aber gerettet werden. Mit einem Filmteam des SWR sind die verwaisten Eltern noch einmal nach Galtür gefahren. In der Dokumentation berichten sie, wie der Vater in dramatischen Stunden nach der Lawine zwischen zwei Häusern hin- und herlief, in denen Ärzte erfolglos versuchten, seine beiden Kinder wiederzubeleben. Die Autorin geht der Frage nach, wie die Lawine von Galtür die Leben der Betroffenen verändert hat - sowohl der Menschen im Dorf, als auch der verwaisten Eltern in Mannheim. Die Vorwürfe des Ehepaars Vogt gegen die Verantwortlichen werden untermauert duch Augenzeugenberichte von Helfern und Touristen. Wissenschaftler vom Schweizer Lawinenforschungsinstitut in Davos - dem renommiertesten der Welt - geben Auskunft über den Stand ihres Gerichtsgutachtens. Auch für Galtür ist seit der Lawine nichts mehr wie es war. Die neue Skisaison eröffnete das Tiroler Bergdorf mit einem Konzert des österreichischen Sängers Rainhard Fendrich und einem besonders günstigen Pauschalangebot. Der Ort wurde auf Hochglanz gebracht. Durch das Dorf ziehen sich mittlerweile zwei festungsgleiche Lawinenschutzdämme, zerstörte Häuser wurden mit dicken Betonwänden wieder erstellt und der Berg mit Lawinenschutzgittern verbaut. In der Weihnachtszeit geriet Galtür wieder in die weltweiten Schlagzeilen: Eine Lawine ging unweit entfernt im Jamtal ab und tötete neun deutsche Alpinisten. Inzwischen gibt sich der Tourismusverband zuversichtlich - die Buchungslage ist gut. Sendung am Dienstag, 15. Februar 2000, um 20.15 Uhr im Südwestfernsehen: "Zeichen der Zeit" "Galtür: Leben nach der Lawine" Ein Film von Annette Schmidt ots Originaltext: SWR Im Internet recherchierbar: http://www.newsaktuell.de Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Stephan Reich, Tel.: 07221/929-4233 oder Martin Ryan, Tel.: 07221/929-2285. Original-Content von: SWR - Südwestrundfunk, übermittelt durch news aktuell

Themen in dieser Meldung


Weitere Meldungen: SWR - Südwestrundfunk

Das könnte Sie auch interessieren: