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Mitbegründer des Südwestfunks Baden-Baden: Jazz-Mentor und Schriftsteller Joachim-Ernst Berendt tot

Baden-Baden (ots) - Der Jazz-Mentor, Schriftsteller, Plattenproduzent und Mitbegründer des ehemaligen Südwestfunks(SWF) Joachim-Ernst Berendt ist tot. Berendt starb am 4. Februar im Alter von 77 Jahren in Hamburg an den Folgen eines Verkehrsunfalls. Nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft 1945 gehörte Berendt zu den Mitbegründern des SWF in Baden-Baden. Aus der Arbeit mit Unterhaltungsmusik entwickelte sich sein Engagement für den Jazz, schon 1950 gab es in Baden-Baden eine Jazz-Redaktion - die erste in Deutschland - und Berendt war ihr Kopf. Bis zu seiner Pensionierung 1987 wurden daraus mehr als 10.000 Jazz-Sendungen im Hörfunk. Ab 1954 gestaltete er auch Sendungen für das Fernsehen unter dem Titel "Jazz - Gehört und gesehen". Auf seine Initiative hin wurden 1964 die Berliner Jazztage gegründet. Der am 22. Juli 1922 geborene Berliner ihr Künstlerischer Leiter bis 1972. Über viele Jahre galt dieses Festival als das alljährliche Jazzereignis in Europa. Berendt hat als Mentor für den Jazz aus Deutschland im Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut auf zahlreichen Reisen deutsche Jazzmusiker im Ausland vorgestellt. Von diesen Reisen brachte er Impressionen aus fernen Kulturwelten mit, die dann Eingang fanden in die von ihm in mannigfacher Form präsentierte World Music. Besonders wichtig war ihm auch die Fusion von Jazzmusik und Lyrik. Eine geplante Neu-Auflage dieses Projekts hat er nicht mehr verwirklichen können. Neben seiner Tätigkeit als Rundfunkmacher war Joachim-Ernst Berendt ein vielbeschäftigter Plattenproduzent. Von seinen rund 250 Produktionen sind zahlreiche Werke ausgezeichnet worden. Als Mitarbeiter vieler Zeitschriften im In- und Ausland und auf Vortragstourneen, unter anderem auch durch die USA und Japan, setzte er sich für den Jazz außerhalb der Insidergemeinde ein. In den achtziger Jahren wandte er sich der Spiritualität zu. "Das Thema meines Lebens ist das Hören", hat er einmal gesagt und "Nada Brahma" - "Die Welt ist Klang" war 1983 auch der Titel des ersten von mehreren Büchern, die Berendt diesem Themenkreis gewidmet hat. Mit dem gleichen Engagement, mit dem er sich bis dahin um die Jazzmusik gekümmert hatte, betrieb er nun Philosophie. Erneut ging er - inzwischen jenseits der sogenannten Pensionsgrenze - auf Tournee, um einer neuen Gemeinde seine spirituellen Erkenntnisse zu vermitteln. 1996 veröffentlichte er seine Erinnerungen, ihr Titel: "Das Leben - ein Klang. Wege zwischen Jazz und Nada Brahma." Die fünfziger Jahre erscheinen aus der Distanz betrachtet als eine für Berendt besonders glückliche und fruchtbare Zeit: 1952 erschien zum ersten Mal sein "Jazzbuch", das im Lauf der Zeit zum meistverkauften der Welt wurde, in zahlreichen Auflagen erschienen und in 16 Sprachen übersetzt. Seine Zusammenarbeit mit dem Orchester von Kurt Edelhagen in den fünfziger Jahren, häufig auch bei öffentlichen Veranstaltungen, ist vielen Jazzfreunden noch heute in guter Erinnerung. Gegen Ende des Jahrzehnts führte er mit einem Jazz-Konzert eine völlig neue Facette in die Donaueschinger Musiktage ein. Bis auf den heutigen Tag ist Jazz ein Element dieses weltweit renommierten Festivals der Neuen Musik. Joachim-Ernst Berendt war Träger des Bundesverdienstkreuzes, des Bundesfilmpreises, eines polnischen Kulturpreises und des Kritikerpreises des Deutschen Fernsehens. 1979 verlieh ihm der Ministerpräsident von Baden-Württemberg den Titel eines Ehrenprofessors. ots Originaltext: SWR Im Internet recherchierbar: http://www.newsaktuell.de Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Stephan Reich, Tel.: 07221/929-4233 oder Martin Ryan, Tel.: 07221/929-2285. Fax 07221 929-2013 Internet: pressestelle@swr-online.de Original-Content von: SWR - Südwestrundfunk, übermittelt durch news aktuell

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