SWR - Südwestrundfunk

DAS ERSTE
REPORT Mainz: Exklusivinterview mit Bundespräsident Johannes Rau

Berlin/Mainz (ots) - "Ich bin nicht unfehlbar, und wenn ich es aus heutiger Sicht sehe, dann war vieles nicht klug und dann würde ich es heute anders machen. Und ich stehe auch nicht an zu sagen, dafür entschuldige ich mich." Bundespräsident Johannes Rau, SPD, hat sich heute zum ersten Mal seit Wochen in einem Fernsehinterview zu den aktuellen Affären in der Bundesrepublik geäußert. In einem Interview mit dem ARD-Politmagazin REPORT Mainz (SWR) äußerte sich der Bundespräsident ausführlich auch zu seiner eigenen Rolle im Zusammenhang mit der sogenannten "Flugaffäre". Teile des REPORT-Interviews wurden gestern (3.2.2000) in den ARD-Sendungen Tagesschau und Tagesthemen gesendet. Bundespräsident Rau gegenüber REPORT zu seiner Verstrickung in die sogenannte Flugaffäre: "Nach meinem Eindruck habe ich mir rechtlich nichts vorwerfen zu lassen, ich habe nicht Privates und Dienstliches miteinander vermengt. Aber ich sage, ich bin nicht unfehlbar, und wenn ich es aus heutiger Sicht sehe, dann war Vieles nicht klug und dann würde ich es heute anders machen. Und ich stehe auch nicht an zu sagen, dafür entschuldige ich mich. Aber ich habe keinen Anlass jetzt ins Büßergewand zu gehen und zu sagen ich habe alles falsch gemacht. Ich habe immer eine Politik zu treiben versucht, die nah bei den Menschen war und habe dabei vielleicht Fehler gemacht, gewiss Fehler gemacht, wer täte das nicht? Aber ich habe nicht gegen Gesetze verstoßen und ich habe nicht etwas getan, was moralisch anrüchig ist." Bundespräsident Rau zu der politischen Stimmung im Land angesichts der diversen Affären, besonders der CDU-Parteispendenaffäre: "Ich glaube, dass es seit Monaten eine zunehmende Politik- und Politikerverdrossenheit gibt. Es gibt auch bei Politikern eine gewisse Medienverdrossenheit, für die es auch Gründe gibt. Ich glaube nicht dass wir eine Staatskrise oder eine Demokratiekrise haben, aber wir müssen darauf achten, dass nicht Stimmenthaltung zum politischen Ausdruck wird und wir müssen darauf achten, dass es Nachbarländer gibt, in denen sind dann Verführer gekommen, die hatten für nichts eine Lösung und für alles eine Antwort und da ist Sensibilität ganz dringend geboten. Da ist auch Selbstkritik dringend geboten." Bundespräsident Rau zur Frage Staatskrise ja oder nein: "Im Augenblick haben wir es mit einer Parteikrise zu tun, in einer der beiden großen Volksparteien. Ich habe Respekt vor denen, die sich um Aufklärung bemühen. Das ist außerordentlich mühselig und schwierig - darum der Respekt. Nötig ist das ohnehin und auf jeden Fall. Ich glaube wir brauchen wegen der Integrationskraft zwei große, intakte und stabile Volksparteien, jenseits auch der anderen Parteien, die mitwirken." Bundespräsident Rau zur Frage, ob er sein Amt trotz der sogenannten Flugaffäre unbelastet wahrnehmen könne: "Ja, jedenfalls will ich mein Amt, in das ich gewählt worden bin, gern wahrnehmen, und ich will es wahrnehmen - frei von Verdächtigungen. Und darum ist es gut, wenn geklärt und aufgedeckt wird und wenn man auch sagt ich habe mich da und da falsch verhalten. Man darf daraus nur nicht machen, eine Stimmung in der man den Eindruck erweckt, als sei man für die Aufgaben, die einem jetzt anvertraut sind, innerlich nicht frei. Ich bin innerlich frei für diese Aufgaben und nehme das Amt gern war und glaube, dass ich ihnen nützlich sein kann." Report Mainz wieder am Montag, 7. Februar 2000, 21.00 Uhr im Ersten ots Originaltext: SWR Im Internet recherchierbar: http://www.newsaktuell.de Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Redaktion Report, Tel.: 06131/929-3351 oder -3352. Fax 07221 929-2013 Internet: pressestelle@swr-online.de Original-Content von: SWR - Südwestrundfunk, übermittelt durch news aktuell

Themen in dieser Meldung


Weitere Meldungen: SWR - Südwestrundfunk

Das könnte Sie auch interessieren: