SWR - Südwestrundfunk

SWR
Freitag, 4. Februar 2000 (Woche 5)/02.02.2000 - Montag, 7. Februar 2000 (Woche 6)/02.02.2000

    Mainz (ots) -
    Nachgelieferte Gäste beachten!
    
    21.45 Nachtcafé
    "Ticken wir noch richtig? Vom schwierigen Umgang mit der
      Zeit"
    
    Die Gäste:
    
    Nicolas Hayek jr. ist Präsident der Swatch AG und lebt nicht in
Stunden, Minuten und Sekunden sondern in Beats. Er ist berüchtigt
dafür, Terminpläne nicht ernstzunehmen und sie auch mal kurzfristig
umzuschmeissen. Keine Zeit mehr zu haben ist für den "Zeitjongleur"
eine Modeerscheinung. Sein Motto lautet: "Kreative Ideen haben
Vorrang".
    
    Eleonore Weisgerber ist als Schauspielerin aus zahlreichen
Fernsehauftritten wie in Derrick, Traumschiff und Praxis Bülowbogen
bekannt. Handy und Fax sind für sie "Zeitdiebe", weshalb ihr Tage mit
mehr als 24 Stunden am liebsten wären. Alles zu planen findet sie
entsetzlich langweilig: "Planen ist der beste Weg, um unglücklich und
enttäuscht zu werden."
    
    Friedemann Konzelmann plant alles - vom geschäftlichen Meeting
über den Kaffeeklatsch bei der Tante bis hin zum Einkaufsbummel. Der
Anbieter von Zeitmanagement-Seminaren ist überzeugt, dass man durch
genaue Planung bis zu 35 Prozent effektiver werden kann.
    
    Karlheinz Geißler erforscht seit Jahren das Phänomen "Zeit". Der
Gegner der These "Zeit ist Geld" fordert neue Zeitformen. "Während
wir ausschließlich damit beschäftigt sind immer schneller zu werden,
sind die Langsamen vielleicht schon am Ziel. Zeitmanagement macht uns
dabei selbst zum Terminkalender."
    
    Constantin Seibt ist Journalist, Schriftsteller und notorischer
Zuspätkommer. "Das einzige Mal, dass ich zu früh kam, war bei meiner
Geburt." Er macht seither aus seiner Unpünktlichkeit eine
Lebensphilosophie. Lediglich drei Freundschaften und ein paar
langweilige Arbeitsverhältnisse seien seiner Unzuverlässigkeit zum
Opfer gefallen.
    
    Heidi Schlembach arbeitet als selbstständige Unternehmerin in
Frankfurt. Für sie steht fest: Schnelligkeit siegt! Die
alleinerziehende Mutter eines Sohnes kennt keine Langeweile und
16-Stunden-Tage sind die Regel. Ihre Doppelrolle empfindet sie
keineswegs als Belastung. "Alles eine Frage des Willens und der
Organisation."
    
    An der Bar:
    Jürgen Adam ist Oberstudienrat und Mitglied im Verein zur
Verzögerung der Zeit. Der überzeugte Slobbie (slower but better
working) machte bereits durch spektakuläre Aktionen in seiner
Heimatstadt auf sich aufmerksam: Wettbewerbe wie "100
Meter-Langsamgehen" oder die Vergabe von "Zeittalern" sollen die
Bevölkerung für einen anderen Umgang mit Zeit sensibilisieren.
    An die Programmredaktionen Fernsehen Südwest
    
    Samstag, 5. Februar 2000  (Woche 5)/02.02.2000
    
    16.45 Rasthaus
              Das Auto- und Verkehrsmagazin mit Wolf-Dieter Ebersbach
              Moderation: Wolf-Dieter Ebersbach
    
    Geplante Themen:
    
    - Wertverlust: Teure Sünden beim Neuwagenkauf
    - Schiedstellen: Wie Autofahrer zu ihrem Recht kommen.
    - Ökosteuer (Serie): Die verbrauchsgünstigsten Autos in
Deutschland,
         1. Teil: Minicars und Kleinwagen
    - Autovergleichstest: Ford Fiesta 1,25/VW Polo 1,4
    
    Sonntag, 6. Februar 2000  (Woche 6)/02.02.2000
    
    18.15 Ich trage einen großen Namen (210)
              Ratespiel um berühmte Persönlichkeiten
              mit Wieland Backes
              Rateteam: Georgia Tornow,  Wilhelm Wieben, Gabriele von
              Arnim Lotse: Hans-Georg Soeffner.
    
    Der erste Gast von Wieland Backes stellt dem Publikum seinen
Großonkel  vor.  Dieser stammte aus einer der vornehmsten
Geschlechter seines Landes,  woraus  sogar  mehrere Mitglieder seiner
Familie als Heilige verehrt wurden. Er arbeitete bereits in jungen
Jahren als Schriftsteller und Pädagoge und wurde unter anderem  als
Philosoph und Nobelpreisträger bekannt und auch als Komponist;  im
Alter malte er sogar.  Über einen ganz besonderen Vorfahren kann der
zweite Gast berichten.  Er war praktisch der Erfinder der Werbung. Er
absolvierte eine ordentliche Buchhändlerlehre und leitete später ein
Druck- und Verlagshaus.  Er  war  an allen neuen technischen
Entwicklungen sehr interessiert  und  war  mit seinen revolutionären
graphischen Ideen seiner Zeit weit voraus.
    
    Sonntag, 6. Februar 2000  (Woche 6)/02.02.2000
    
    Nachgelieferten Gesprächsteilnehmer beachten!
    
    22.35 Wortwechsel
              Martin-Jochen Schulz im Gespräch mit Hans-Georg Gadamer
            "Über die Verborgenheit der Gesundheit"
            (Erstsendung: 11.07.1993)
    
    Zum 100. Geburtstag zeigt der Wortwechsel noch einmal das
Gespräch, das Martin-Jochen Schulz 1993 mit Hans-Georg Gadamer
führte.
    
    Hans-Georg Gadamer wurde am 11. Februar 1900 in Marburg an der
Lahn geboren . Nach dem Weggang von Karl Jaspers übernahm er 1949
dessen Lehrstuhl für Philosophie in Heidelberg. Er lehrte dort bis
zur Emeritierung im Jahre 1968. Gadamer ist der Begründer der "
Hermeneutik ", der Lehre vom Verstehen. 1960 erschien sein Hauptwerk
" Wahrheit und Methode. "
    
    An die Programmredaktionen Fernsehen Südwest
    
    Sonntag, 6. Februar 2000  (Woche 6)/02.02.2000
    
    Nachgelieferten Gesprächsteilnehmer beachten!
    
    05.15 Wortwechsel (WH)
              Martin-Jochen Schulz im Gespräch mit Hans-Georg Gadamer
              "Über die Verborgenheit der Gesundheit"
    
    
    Montag, 7. Februar 2000  (Woche 6)/02.02.2000
    
    Nachgelieferte Themen beachten!
    
    21.00 Blickpunkt Europa
              Magazin
              Moderation: Martyna Pankowska und Immo Vogel
    
    Geplante Themen:
    
    Endlich normale Nachbarschaft - Griechen und Türken reichen
einander die Hand
    Im vergangenen Spätsommer bebte in der Türkei und in Griechenland
die Erde. Tausende Tote waren zu beklagen, aber das gemeinsame Leid
ließ die traditionell verfeindeten Nachbarländer plötzlich
zusammenrücken. Am Freitag unterzeichnet der türkische Außenminister
Cem in Athen den zweiten Teil eines Abkommens über Tourismus,
Umweltschutz und Terrorismusbekämpfung. "Blickpunkt Europa" zeigt am
Beispiel der griechischen Insel Kasteloriso, wie gut Griechen und
Türken miteinander leben und befreundet sein können.
    
    Leider keine normale Nachbarschaft  - Portrait eines FPÖ-Wählers
in Wien
    FPÖ-Chef Jörg Haider hat mit seinen rassistischen Äußerungen in
der Vergangenheit das Ausland geschockt. Im Wiener Arbeiterviertel
Ottakring, zugleich der Stadtteil mit dem höchsten Ausländeranteil in
der Bevölkerung, traf er damit offenbar den richtigen Ton: die FPÖ
hat hier bei der Parlamentswahl erheblich zugewonnen. "Blickpunkt
Europa" begleitet reportierend einen typischen FPÖ-Wähler während der
Tage der österreichischen Regierungsbildung. Ein Stimmungsbild von
den Stammtischen unseres Nachbarlandes.    
    
    Italienischer Justizskandal - 22 verurteilte Mafia-Mörder aus der
Haft entlassen
    Am Freitag wurden in Italien elf verurteilte Mafia-Mörder aus dem
Gefängnis entlassen. Die Justiz hatte zu langsam gearbeitet - aus
Überlastung heißt es. Genau 21 Monate darf es laut italienischer
Strafprozessordnung dauern, bis ein Berufungsverfahren spätestens
eingeleitet werden muss. Diese Frist wurde bei den bisher insgesamt
22 im Januar entlassenen Mördern überschritten. Unter den Entlassenen
ist auch ein Mafia-Killer, der allein 59 Morde gestanden hat.
"Blickpunkt Europa" traf frustrierte Staatsanwälte und deprimierte
Mafia-Fänger.
    
    Pornoverbot - Drakonische Strafen für Sexdarstellungen in Polen
    Das polnische Parlament hat ein totales Pornographie-Verbot
erlassen. Vermutlich schon in den nächsten Tagen wird es in Kraft
treten. Was auf den ersten Blick gut gemeint ist, entpuppt sich bei
genauerem Hinsehen als problematisch. Denn legt man das Gesetz streng
aus, müssen auch alle realistischen Akte und Skulpturen aus
polnischen Museen und Galerien verschwinden. Außerdem sind die
Strafen drakonisch: Für Herstellung von Pornographie kann es
zukünftig zehn Jahre Gefängnis geben, für den Besitz zwei Jahre.
"Blickpunkt Europa" begleitete einen Warschauer Sex-Shop-Besitzer und
sprach auch mit Befürwortern des neuen Gesetzes.
    
    An die Programmredaktionen Fernsehen Südwest
        
    Brüll-Chor aus Finnland
    Feingeister mögen sich mit Grausen wenden, wenn "Mieskuoro
Huutajat" machtvoll die Stimme erhebt. Der Brüll-Chor aus dem Norden
Finnlands klingt wie ein Rudel Wölfe, dessen Nahrung seit Wochen aus
Magerquark und Blattsalat bestand. Dennoch ist der
Männerbrüllereiverein zu Gast auf vielen internationalen Festivals
und Bühnen, darunter auch im Europäischen Parlament. Die Vermutung
liegt nahe: Finnland hat das Handy nur erfunden, um den gnadenlosen
Schreierei zu entkommen! "Blickpunkt Europa" hat sich die
Lärmschützer übers Reporterohr gestülpt und ganz nahe an die zornigen
Männer herangewagt.
    
    
    Montag, 7. Februar 2000  (Woche 6)/02.02.2000
    
    23.05 53. Baden-Badener Disput - Kulturgespräche zur Zeit
    "Politische Kultur in der Vertrauenskrise - Verspielt die
Demokratie ihre Glaubwürdigkeit?"
    Moderation: Gertrud Höhler
    
    Gäste: Alfred Grosser (Politologe, Paris),  Josef Isensee
(Staatsrechtler, Bonn), Hans Küng (Theologe, Tübingen), Elisabeth
Noelle-Neumann (Meinungsforscherin, Allensbach), Michael Stürmer
(Historiker, Wissenschaftskolleg Berlin)
    
    Derzeit und wohl noch auf längere Sicht beherrscht ein Thema die
politische Diskussion in Deutschland: die Parteispendenaffäre der
CDU. Schwarze Kassen, gegebene und nicht widerrufene Ehrenworte, die
der Altbundeskanzler über das Parteiengesetz stellt, kriminelle
Machenschaften der CDU in Hessen: Täglich neue Enthüllungen stellen
die CDU vor eine Zerreißprobe. Der Skandal ist umfassend.
Demokratisch gewählte Volksvertreter beschließen Gesetze, sie werben
bei den Bürgern für Loyalität gegenüber dem Gemeinwesen und stehen
selbst vorbildhaft für ein moralisches Wertesystem, das sie in der
Öffentlichkeit gewahrt wissen wollen. Soweit die bis vor kurzem als
selbstverständlich anerkannte Theorie demokratischer Praxis. Diese
Theorie ist binnen weniger Wochen ad absurdum geführt worden. Nach
dem biblischen Grundsatz "an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen"
haben Vorbilder wie Kohl und Kanther schlagartig ihre Glaubwürdigkeit
verloren. Weit schwerer wiegt freilich der Vertrauensverlust der
Demokratie in Deutschland insgesamt. Genau darüber ist zu reden -
jenseits der Klärung individueller Schuld. Ist Demokratie nicht mehr
und nicht weniger als ein Machterhaltungsmechanismus? Haben
machiavellistische Praktiken die demokratischen Institutionen
unterwandert? Und - vielleicht die wichtigste Frage: Wie kann
verlorenes Vertrauen wiedergewonnen werden?
    
    Alfred Grosser, der in Frankreich jahrzehntelang die
Bundesrepublik Deutschland als vorbildhaften demokratischen
Rechtsstaat dargestellt hat, sieht das Modell Bundesrepublik
jedenfalls im Ausland schwer beschädigt. Auch der Staatsrechtler
Isensee, der schon wegen seines Berufs nicht verdächtigt werden kann,
sich einer Massenhysterie anzuschließen, sieht das Ethos der
politischen Ämter gefährdet. Überhaupt - die Werte: Meinungsforscher
wie Elisabeth Noelle-Neumann und Theologen wie Hans Küng beobachten
weltweit ein wachsendes Bedürfnis nach Tugenden wie Treue und
Aufrichtigkeit. Gleichzeitig stellen sie fest, dass sich die
Bindungen an Großinstitutionen wie Kirchen, Parteien oder
Gewerkschaften lockern. Kann jetzt der Ruf nach mehr
Bürgerbeteiligung, nach mehr unmittelbarer Demokratie die
Vertrauenskrise überwinden helfen? Michael Stürmer warnt vor
"Weimarer Zuständen", die eintreten könnten, wenn die
Selbstreinigungsprozesse der Parteien scheitern sollten. Letzteres
wird davon abhängen, ob die Deutschen reif genug für diese Krise
sind.
    
ots Originaltext: SWR
Im Internet recherchierbar: http://www.newsaktuell.de


Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Stephan Reich, Tel.:
07221/929-4233 oder Martin Ryan, Tel.: 07221/929-2285.

Original-Content von: SWR - Südwestrundfunk, übermittelt durch news aktuell

Weitere Meldungen: SWR - Südwestrundfunk

Das könnte Sie auch interessieren: