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Montag, 17. Januar 2000, 21.00 Uhr
Report

Baden-Baden (ots) - 21.00 - 21.45 Uhr Report Mainz Moderation: Bernhard Nellesen Knapp ein Drittel der CDU-Wähler wollen Schäubles Rücktritt als CDU-Vorsitzender Schäuble gegenüber Report Mainz: "Es gibt Dunkelmänner, die immer neue Gerüchte streuen, um mich kaputt zu machen" Mainz. Nach den jüngsten Enthüllungen der CDU-Parteispendenaffäre sind knapp ein Drittel aller CDU/CSU-Anhänger in Deutschland für den Rücktritt des amtierenden CDU-Vorsitzenden Wolfgang Schäuble. Nach einer von Report Mainz in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage von infratest dimap sprechen sich 31 % der wahlberechtigten Anhänger von CDU und CSU ab 18 Jahren für einen Rücktritt Wolfgang Schäubles aus. 57 % der Befragten meinten, Schäuble solle weiterhin CDU-Vorsitzender bleiben. 12 % waren unentschlossen oder machten keine Angaben. infratest dimap hat aus insgesamt 1.763 repräsentativ ausgewählten Bundesbürgern 518 Unionsanhänger zur Spendenaffäre im Zeitraum vom 14.01.-16.01.1999 befragt. Falls Wolfgang Schäuble zurücktritt oder auf dem CDU-Parteitag im April nicht wiedergewählt würde, nannten die Unionsanhänger Kurt Biedenkopf und Volker Rühe als die beiden geeignetsten Nachfolger. Drei von fünf Unionsanhängern in Deutschland (59%) halten sowohl Kurt Biedenkopf als auch Volker Rühe für einen sehr guten oder guten CDU-Vorsitzenden. Den CDU-Spitzenkandidat von Nordrhein-Westfalen, Jürgen Rüttgers, halten hingegen nur 30 % für geeignet. In den Augen der meisten Unionsanhänger wäre Wolfgang Schäuble kein geeigneter Kanzlerkandidat - nur 38 % halten ihn für einen guten oder sehr guten Kanzlerkandidaten bei der Bundestagswahl 2002. Die Unionsanhänger favorisieren hingegen Edmund Stoiber (58%) und Volker Rühe (56%) als Spitzenkandidat für 2002. Eine Mehrheit der Unionsanhänger (54%) geht davon aus, dass die Spendenaffäre die CDU noch lange beschäftigen wird. Eine Minderheit von 38 % glaubt hingegen an die baldige Aufklärung. In einem Interview mit Report Mainz beklagt sich Wolfgang Schäuble über die Art der politischen Auseinandersetzung im Zusammenhang mit der CDU-Affäre. Wörtlich: "Was ich in den letzten Tagen erlebt habe, was an Verdächtigungen, Gerüchten, Kostruktionen um diese 100.000 Mark gemacht wird, das ist wirklich ziemlich ungeheuerlich. Und man hat dann manchmal das Gefühl, es gibt irgendwo irgendwelche Dunkelmänner, die immer neue Gerüchte streuen, um mich kaputt zu machen oder um die CDU zu zerstören." Sein Verhältnis zu Helmut Kohl beschreibt Wolfgang Schäuble erstmals auch öffentlich als belastet. Grund für die Spannungen seien Schäubles Bestrebungen, die Affäre aufzuklären. In diesem Zusammenhang sagt Schäuble wörtlich: "Das belastet natürlich auch meine Beziehung zu Helmut Kohl, das ist gar keine Frage." Und weiter: "Ich finde es auch eine große Tragik, dass Helmut Kohl, der ja nun auch ganz unbestreitbar eine ungeheure Lebensleistung für unser Land und die CDU erbracht hat, Kanzler der Einheit, jetzt nach dem Ende seiner Zeit als Bundeskanzler und Vorsitzender der CDU Deutschlands in eine solch schwierige, ihn ja auch unverhältnismäßig herabsetzende Diskussion kommt." Ole von Beust, CDU-Fraktionsvorsitzender in der Hamburger Bürgerschaft, sieht in den Enthüllungen über die Spendenpraxis der CDU-Hessen ein Fall von "kriminellem Skandal". Wörtlich meint von Beust gegenüber Report Mainz: "Was da in Hessen gelaufen ist, ist ein krimineller Skandal. Und wer das gemacht hat, versündigt sich nicht nur an der CDU, nicht nur an seinen politischen Freunden, sondern versündigt sich an der Demokratie. Die CDU ist die Partei, die für Recht und Gesetz, für Ordnung eintritt. Und dass von einer solchen Partei plötzlich solche Dinge bekannt werden erschüttert die Partei und einen selber im Mark." Jürgen Rüttgers rechnet nicht mit einer schnellen Beendigung der Spendenaffäre. Auf die Frage, ob die Krise der CDU noch weitergehe, antwortete der CDU-Spitzenkandidat von NRW gegenüber Report Mainz: "Ja selbstverständlich, das ist nicht mit heute zu Ende, auch nicht mit morgen." Der Kölner Politikwissenschaftler Prof. Karl-Heinz Korte sagte gegenüber Report Mainz, dass es bei der Bewältigung des Spendenskandals gleichzeitig auch um den Machtkampf in der CDU gehe. Wörtlich: "Es ist zur Zeit ein Machtkampf zu beobachten, der auf den Erneuerungsprozess der Partei schließen lässt, das was unmittelbar nach der Wahl hätte einsetzen müssen, findet jetzt statt: sich zu fragen, wer war rückblickend für den Wahlverlust verantwortlich, wie kann man die Partei programmatisch erneuern, und wie kann man eine neue Führungsstruktur innerparteilicher Art konstruieren." ots Originaltext: SWR Im Internet recherchierbar: http://www.newsaktuell.de Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Redaktion Report, Tel.: 06131/929-3351 oder -3352. Original-Content von: SWR - Südwestrundfunk, übermittelt durch news aktuell

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