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Montag, 17. Januar 2000
Report, 21.00 Uhr

Baden-Baden (ots) - 21.00 - 21.45 Uhr Report Mainz Moderation: Bernhard Nellesen Massenhaft falsche amtliche Rechnungen in Umlauf Betrüger nutzen systematisch online-Datenbanken. - Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt gegen sechs Briefkastenfirmen. Mainz. Nach Recherchen des ARD-Magazins Report Mainz versenden Briefkastenfirmen bundesweit fingierte Rechnungen mit amtlichem Aussehen. Die Zahlungsaufforderungen werden gezielt an Personen oder Unternehmen verschickt, die Dienstleistungen des Deutschen Patent- und Markenamtes in Anspruch genommen haben. Wer zahlt, meint Gebühren für Amtshandlungen zu entrichten, kauft aber tatsächlich nur den Eintrag in ein wertloses Datenregister. Die Rechnungen gleichen Gebührenbescheiden mit Überweisungsvordrucken. Firmennamen- und anschrift, amtliche Aktenzeichen sowie Registriernummern entnehmen die Betrüger kommerziellen, frei zugänglichen online-Datenbanken, eigentlich ein Service für Patentanwälte, so die Annahme der Staatsanwaltschaft. Diese ermittelt seit Mitte 1999 gegen sechs Firmen, die solche Rechnungen im großen Stil bundesweit versenden. Am 22. Dezember durchsuchte die Polizei mehrere Büros. Oberstaatsanwalt JobTilmann in Report Mainz: "Bei den Durchsuchungen haben wir Unterlagen gefunden, unter anderem eine Liste mit Firmen, die bereits gezahlt haben. Das ist für uns natürlich ein wichtiger Ausgangspunkt gewesen, aber wir gehen davon aus, dass das längst noch nicht alles ist." Insgesamt hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt bisher rund 2.000 Geschädigte ermittelt. Der Schaden liegt nach Angaben von Job Tilmann derzeit bei über zwei Millionen Mark. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass immer noch falsche Rechnungen in Umlauf sind und immer noch Überweisungen auf die Konten der Betrüger eingehen. Augrund der beschlagnahmten Unterlagen wurde ein Verdächtiger festgenommen. Er zählt zu den Hauptbeschuldigten und sitzt seither in Untersuchungshaft. Gegen diesen Mann ermittelt auch die Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach. Im April 1998 hat sie am Landgericht Anklage erhoben "wegen Betrug in einem besonders schweren Fall". Die Staatsanwaltschaft geht in diesem Fall von 80.000 Geschädigten aus. Das Landgericht Bad Kreuznach will in den nächsten Monaten das Gerichtsverfahren eröffnen. Die Masche der Betrüger ist als sogenannter "Adressbuchschwindel" bekannt. Neu ist das systematische Nutzen von online-Datenbanken. Unter "Markenblatt.de" veröffentlicht ein Münchener Verlag aktuelle Daten aus dem Patentamt- und Markenamt. Während das Amt nur abgeschlossene Verfahren bekannt gibt, finden sich auf der Homepage auch laufende, zum Beispiel Patentanmeldungen, die amtlich noch gar nicht publiziert sind. "Das Internet bietet hier natürlich die Möglichkeiten, Straftaten in dieser Richtung vorzubereiten, auf leichte Weise an die Adressen entsprechender Firmen zu kommen", sagt Job Tilmann in Report Mainz. ots Originaltext: SWR Im Internet recherchierbar: http://www.newsaktuell.de Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Redaktion Report, Tel.: 06131/929-3351 oder -3352. Original-Content von: SWR - Südwestrundfunk, übermittelt durch news aktuell

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