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Montag, 17. Januar 2000
Report, 21.00 Uhr

Baden-Baden (ots) - 21.00 - 21.45 Uhr Report Mainz Moderation: Bernhard Nellesen Dopingbelege von Baumann sprechen für "wissenschaftliches Vorgehen" Rechtsprofessor: Indizien gegen Baumann nicht ausreichend Leichtathletikpräsident: Sport-Gerichtsbarkeit muss weiterentwickelt werden Mainz: Die genauen Protokolle der positiven Dopingproben des Leichtathleten Dieter Baumann sprechen für ein "methodisch-wissenschaftliches" Vorgehen im Dopingfall Baumann. Nach Einschätzung des Dopingexperten Franke ist der Umgang mit dem Dopingstoff "Nandrolon" so kompliziert, dass dazu "fundierte chemische Kenntnisse" nötig sind, die ein Athlet normalerweise nicht hat. Unterstützt wird diese These durch die Report Mainz vorliegenden Protokolle der positiven Proben der gesamten Familie Baumann aus dem Labor von Professor Wilhelm Schänzer. Die Proben dienten der Fahndung nach der Quelle des Nandrolon, das bei Baumann festgestellt worden war. Im Zuge dieser Fahndung war die mit Nandrolon versetzte Zahnpasta der Familie Baumann gefunden worden. Ohne chemisches Spezialwissen, so Franke, war die Zahnpastatube nicht so exakt manipulierbar, wie die Werte in den Protokollen nahelegen. So sind die Nandrolonwerte konstant morgens am höchsten mit signifikantem Abfall, wenn er das Zähneputzen vergessen hatte. Die Dopingprotokolle der Urinproben der Familie Baumanns stützen damit Baumanns These, dass ihm das Nandrolon ohne sein Wissen über die Zahnpasta zugeführt worden sei. Der Marburger Strafrechtsexperte Professor Dieter Rössner geht davon aus, dass Dieter Baumann von einem normalen Gericht freigesprochen würde. Rössner sagte gegenüber Report Mainz: "Ein dringender Tatverdacht ist im Falle von Dieter Baumann so nicht ersichtlich". Rössner beruft sich in seiner juristischen Einschätzung auch auf den strafrechtlichen Grundsatz "Im Zweifel für den Angeklagten", der eine Verurteilung Baumanns auf Grund der vorliegenden Indizien unmöglich mache. Auch die Sportgerichtsbarkeit könne über diese rechtlichen Grundprinzipien nicht hinweggehen. "Lieber zehn Schuldige laufen lassen als einen Unschuldigen verurteilen", so Rössner in Report. Fortsetzung Report Mainz: Dopingbelege von Baumann sprechen für "wissenschaftliches Vorgehen" Der Präsident des Deutschen Leichtathletikverbandes äußerte sich dazu gegenüber Report Mainz. Nach seiner Einschätzung muss das System der Verbandgerichtsbarkeit dann weiterentwickelt werden. Es würde dadurch aber grundsätzlich nicht in Frage gestellt, denn "es gibt keine Alternative, als konsequent gegen Doping zu kämpfen". In Dopingfragen muss ein positiv getesteter Sportler seine vermeintliche oder tatsächliche Unschuld bislang selbst beweisen. Würde diese Regel nicht mehr gelten, könnte ein positiv getesteter Sportler künftig leichter Sperren oder sonstigen Verbandsstrafen entgehen, weil der Nachweis, dass er sich selbst gedopt hat oder mit seinem Einverständnis gedopt wurde, in aller Regel schwer zu erbringen ist. Dieter Baumann selbst geht nach wie vor davon aus, dass er nicht gesperrt wird. Im Report- Interview erklärte er: " Vom Sport selbst kann ich und darf ich keine Hilfe erwarten. Mein Optimismus begründet sich eher auf die Tatsache, dass ich weiß, das Einzige was gegen mich spricht, ist eine positive Probe." Er geht davon aus, das die polizeilichen Ermittlungen genügend Material erbrächten, um ihn zu entlasten. Am kommenden Samstag soll vom Deutschen Leichtathletikverband über eine möglich Sperre gegen den 5000-Meter-Läufer entscheiden. Bislang gehen die meisten Fachleute davon aus, dass der 34-jährige Baumann für zwei Jahre gesperrt wird. ots Originaltext: SWR Im Internet recherchierbar: http://www.newsaktuell.de Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Redaktion Report, Tel.: 06131/929-3351 oder -3352. Original-Content von: SWR - Südwestrundfunk, übermittelt durch news aktuell

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