SWR - Südwestrundfunk

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Donnerstag, 27. Januar 2000
21.45 - 22.30 Uhr
Heimatfront - Kriegsalltag in Deutschland (4): Die Familie

Baden-Baden (ots) - SWR-Produktion beleuchtet vor allem Kriegserfahrungen von Frauen aus dem Südwesten "Erinnerungen, vor allem schmerzliche, mögen verblassen im Lauf der Zeit. Ihre Spuren aber bleiben." Diese Einsicht ist das tragende Motiv der sechsteiligen ARD-Reihe "Heimatfront". In ihrer vierten Folge "Die Familie" steht das Leben der Frauen im Zweiten Weltkrieg im Mittelpunkt. Für diese aufwendige Produktion ist der SWR verantwortlich, und er hat seine Recherchen vor allem auf Lebensgeschichten von Frauen aus dem Südwesten gestützt. Für den Film hat der Südwestrundfunk auch in Archiven von Amateursammlern nach historischen Filmaufnahmen gesucht. Viele Bilder werden erstmals im Fernsehen gezeigt. Bei der Suche nach Zeitzeugen arbeitete der SWR eng mit einem Forschungsprojekt unter Leitung von Prof. Margarete Dörr aus Ludwigsburg zusammen. Ausgangspunkt dieses Projekts waren Gespräche mit über 500 Frauen und von ihnen zur Verfügung gestellte Dokumente. Die jüngst veröffentlichten Forschungsergebnisse zum Thema Frauenleben im Zweiten Weltkrieg (Wer die Zeit nicht miterlebt hat, Campus-Verlag 1999) sind in den Fernsehfilm miteingeflossen. Die zentrale Erfahrung, die die Menschen im Krieg machen mussten, war die Trennung von nahestehenden Personen. Es gab praktisch niemand, der nicht in irgendeiner Weise Abschied nehmen musste. Der Krieg begann für die Familien an dem Tag, an dem der Mann, Bruder oder Vater den Stellungsbefehl erhielt. Die Mütter wurden zum Mittelpunkt der Familie, viele Kinder wurden, vor allem als der Bombenkrieg begann, sehr früh "erwachsen". In den persönlichen Erinnerungen erscheint der Zweite Weltkrieg als die eigene aufregende Jugendzeit, aber auch als eine bedrückende und beängstigende Zeit. Eva Lenke in Stuttgart musste als junge Frau mitansehen, wie nach einem Bombenangriff die gesamte Habe verbrennt. Sie lebt heute als 80-Jährige in Stuttgart. Seite 2: Heimatfront - Kriegsalltag in Deutschland (4): Die Familie Maria Kech aus Ewattingen bewirtschaftete alleine mit ihren drei Kindern einen Bauernhof im Schwarzwald. Vergeblich haben sie auf die Rückkehr des Mannes und Vaters gehofft, der in den letzten Kriegswochen gefallen ist. Viele Frauen haben wie Ingeborg Gottwald aus Korntal bei Stuttgart mitten im Krieg Hochzeit gefeiert. Vier Wochen Heimaturlaub bleiben die einzige Ehezeit des jungen Paares. Denn auch Ingeborg Gottwalds Mann kam aus dem Krieg nicht zurück. Als sogenannte Halbjüdin durfte Ingeborg Hecht aus Freiburg ihren sogenannten arischen Freund, von dem sie ein Kind erwartete, nicht heiraten. Der jüdische Vater wurde 1944 zunächst nach Theresienstadt und später nach Auschwitz deportiert. Erst Jahrzehnte später konnte Ingeborg Hecht ihre bedrückenden Erfahrungen in dem Buch "Als unsichtbare Mauern um uns wuchsen" verarbeiten. Der Südwestrundfunk hat für "Die Familie" unterschiedliche Geschichten und Erinnerungen gesammelt, erzählt aus der Sicht von Opfern, Mitläufern und von damaligen NS-Anhängern. Mütter und Kinder berichten von Trennungen, von den Versuchen über Feldpostbriefe den Familienzusammenhalt zu bewahren, von den schrecklichen Stunden, als die Nachricht "den Heldentod gefallen" eintraf. Für viele sind noch heute die Erinnerungen an Bombennächte oder an die Flucht belastendes Trauma. Andere schildern, wie Väter verhaftet wurden, weil sie Kommunisten waren, wie Väter deportiert wurden, weil sie Juden waren. Für sie war das Kriegsende eine Befreiung. Der Film über die Familie im Krieg versucht, Geschichte und Erinnerung zusammenzubringen und 60 Jahre nach Kriegsbeginn die Erlebnisse, Gefühle und Erfahrungen von damals nachvollziehbar zu machen. Dabei geht es um sehr private Welten, aber auch darum, wie das NS-Regime persönliche Emotionen und Handlungsweisen zu kontrollieren und für sich zu nutzen suchte. Heimatfront - Kriegsalltag in Deutschland (4): Die Familie Lebensgeschichten aus dem Kriegsalltag - Wie Frauen den Zweiten Weltkrieg erlebt haben Die Autorin: Gabriele Trost Gabriele Trost, geboren 1959 in Bad Waldsee, studierte Politikwissenschaft und Geschichte in Tübingen und Denver und kam 1987 zum damaligen SWF. Nach einem Dokumentationsvolontariat arbeitete sie mehrere Jahre im Ausbildungsprogramm und wechselte dann zum Sonderprojekt "100 Deutsche Jahre", für das sie zehn Filme produzierte. Seit 1999 arbeitet sie als freie Filmautorin für den SWR Filmografie "Zapfenstreich: Die Deutschen und ihre Soldaten" (30 Minuten, ARD) "Flaggenwechsel: Die Deutschen als Nation" (30 Minuten, ARD) "Große Brüder: Die Deutschen und die Supermächte" (30 Minuten, ARD) "Fluchtpunkte: Deutsche in den USA und Israel" (30 Minuten, ARD) "WeibsBilder: Frauen in Deutschland" (30 Minuten, ARD) "Beziehungskisten: Die Deutschen und ihre Familie" (30 Minuten, ARD) "Zwei Zimmer, Küche, Bad: Wohnen in Deutschland" (30 Minuten, ARD) "Die Zweite Heimat: Die Deutschen im Verein" (30 Minuten, ARD) "Grenzgänge: Nachbarn in Europa" (30 Minuten, ARD) "Heimatfront: Die Familie" (60 und 45 Minuten ARTE /ARD) "Orte des Erinnerns: Das Völkerschlachtdenkmal" (45 Minuten, SWR) Diverse Magazinbeiträge zur Geschichte der Eheringe, der Wanderwege, der KdF- Organisation, der Frauenzeitschriften u.ä. ots Originaltext: SWR Im Internet recherchierbar: http://www.newsaktuell.de Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Gabi Schlattmann, Tel.: 07221/929-3273. 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