Amnesty International

Ärzte und Psychologen bei amnesty international: Bleiberecht für traumatisierte Flüchtlinge gefordert
Achtung: Sperrfrist!

ACHTUNG: Sperrfrist, Freitag, 19. Mai 2000, 00.01 Uhr MESZ! Bonn (ots) - Arbeitskreis Medizin-Psychologie-Pflege von amnesty international fordert angemessene Würdigung ärztlicher und psychologischer Gutachten / Traumatisierten Flüchtlingen droht trotz medizinischer Fachgutachten die Abschiebung / Kritik an polizeiärztlichen Zweitgutachten in Berlin / Bundesweite Tagung in Bonn Bei amnesty international engagierte Mediziner, Psychologen und Pflegekräfte kritisieren die zunehmende Härte im Umgang mit traumatisierten Kriegsflüchtlingen durch deutsche Sozial- und Ausländerbehörden. "Gutachten behandelnder Ärzte und Psychologen sowie von Spezialisten der Behandlungszentren für Folteropfer werden von den Behörden mit fachlich nicht haltbaren Begründungen immer öfter in Frage gestellt", ist der Allgemeinmediziner Johannes Bastian, Sprecher des ai-Arbeitskreises Medizin-Psychologie-Pflege, besorgt. amnesty international fordert ein Bleiberecht für alle Flüchtlinge, denen schwere Traumatisierungen bescheinigt wurden und die in Deutschland in Behandlung sind. In Berlin hat der Innensenat angeordnet, alle entsprechenden Gutachten über bosnische Kriegsflüchtlinge vom polizeiärztlichen Dienst überprüfen zu lassen. Hierzu werden rund 800 traumatisierte Flüchtlinge mit Angststörungen zwangsweise von Polizeiärzten zum zweiten Mal untersucht. Dabei werden ihnen in der Regel nicht einmal professionelle Dolmetscher zur Verfügung gestellt. Die polizeiärztlichen Gutachten leugnen zumeist in sehr wenigen Sätzen eine Traumatisierung. Dafür attestieren sie den Flüchtlingen fast immer die Reisefähigkeit, was ihre Abschiebung ermöglicht. Sämtliche vom Berliner Verwaltungsgericht in Auftrag gegebenen Drittgutachten widersprachen der polizeiärztlichen Version und bestätigten die fachärztliche Erstdiagnose. Ebenso wie die Berliner Ärztekammer, der Berufsverband der Deutschen Psychologinnen und Psychologen (BDP), der Deutsche Ärztetag und die Behandlungszentren für Flüchtlinge und Folteropfer verurteilen die Mediziner von amnesty international die polizeiärztlichen Schnellgutachten als inakzeptabel. "Es kann nicht sein, dass fachärztliche Gutachten pauschal in Frage gestellt werden, um politisch umstrittene Abschiebungen durchzusetzen", sagt Bastian. Stattdessen fordert er die Behörden auf, die Atteste von Fachärzten und Psychologen im Rahmen ausländer- und aufenthaltsrechtlicher Entscheidungen angemessen zu würdigen und zu berücksichtigen. "Sollte es begründete Einzelfälle geben, in denen die Überprüfung eines Gutachtens unerlässlich scheint, muss der Zweitgutachter über jeden Vorwurf mangelnder Unabhängigkeit erhaben sein und über eine fachliche Qualifikation für die Begutachtung von Traumatisierten verfügen", fordert die Psychologin Birgit Möller, ebenfalls Sprecherin des ai-Arbeitskreises. Deshalb fordert amnesty international unter anderem eine Unabhängigkeit der Gutachter von staatlichen Stellen. Unabdingbare Voraussetzungen für eine professionelle Arbeit mit traumatisierten Flüchtlingen sind neben der Kenntnis der Folgesymptome schwerer Traumatisierung auch kulturspezifische Kenntnisse sowie die Bereitstellung von qualifizierten Dolmetschern. Retraumatisierende Faktoren müssen nach Ansicht der ai-Ärzte unbedingt vermieden werden. "Wenn ein Flüchtling dazu gezwungen wird, traumatisierende Erlebnisse zu schildern, steht das seinem Heilungsprozess im Wege", konstatiert Birgit Möller. Wichtig für die therapeutische Arbeit ist nach den Erfahrungen aller Ärzte und Psychologen, die in diesem Bereich arbeiten, ein gesichertes Aufenthaltsrecht. "Wer permanent Angst vor Abschiebung haben muss, dessen Trauma kann vom besten Psychologen nicht behandelt werden", begründet Möller die Forderung nach Bleiberecht für Flüchtlinge, denen schwere Traumatisierungen bescheinigt wurden. Zudem ist es überaus fraglich, ob Abgeschobene beispielsweise in Bosnien-Herzegowina die erforderliche medizinische und psychologische Betreuung erhalten können. Zudem droht ihnen dort unter Umständen erneute Verfolgung. Terminhinweis: Am kommenden Wochenende (20./21. Mai 2000) wird in Bonn die 45. Tagung des Arbeitskreises Medizin-Psychologie-Pflege von amnesty international stattfinden. Dort wird auch die Arbeit zu traumatisierten Flüchtlingen auf der Tagesordnung stehen. ots Originaltext: amnesty international Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Wenn Sie Nachfragen oder Interviewwünsche haben, wenden Sie sich bitte an: amnesty international + 49 - (0)228 - 98373-36 / - 0 - Pressestelle - + 49 - (0)228 - 630036 53108 Bonn E-Mail: presse@amnesty.de Internet: www.amnesty.de Original-Content von: Amnesty International, übermittelt durch news aktuell

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