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Kölnische Rundschau: Kommentar zum bevorstehenden Sieg gegen den IS Neue Phase

Köln (ots) - Sandro Schmidt

zum Kampf gegen den IS¶

Der Krieg gegen den "Islamischen Staat" geht in die Endphase. Die Anti-IS-Koalition ist in die Altstadt der syrischen IS-Hauptstadt Rakka eingedrungen, die letzte große vom IS gehaltene irakische Stadt Mossul ist bis auf wenige Viertel befreit. Und auch wenn die letzten Kämpfe noch vielen Menschen das Leben kosten können - die militärische Entscheidung ist gefallen. Doch wie geht es jetzt weiter? Ist der IS besiegt?

Das zu glauben wäre naiv. Schon seit Wochen haben sich Führungskader in den Osten Syriens in die Provinz Deir al Zor zurückgezogen und auch im Irak halten sich die meisten ranghohen Kommandeure nicht mehr in Mossul auf, sondern irgendwo im Untergrund.

Der "Islamische Staat" wird zwar in Kürze keine bedeutenden Landstriche mehr beherrschen. Damit einhergehend fehlen ihm wichtige Einnahmequellen, Trainingslager, Infrastruktur und Kriegsmaterial. Doch um Terrorakte im Irak, in Syrien oder in europäischen Hauptstädten zu begehen, braucht es nicht viel - wie die jüngsten Beispiele in Großbritannien gezeigt haben.

Gerade weil der IS nach der militärischen Niederlage bei seinen Anhängern Handlungsfähigkeit beweisen muss, wird mit einer neuen Anschlagsserie zu rechnen sein. Als Terror- und Guerillagruppe wird er sich reorganisieren und noch lange sein Unwesen treiben können. Ob die Gruppierung ein weiteres Mal zu größerer Stärke zurückfindet, hängt aber im Wesentlichen davon ab, wie die Sieger mit der mehrheitlich sunnitischen Bevölkerung in den befreiten Gebieten umgehen. Wird diese im Irak von der schiitisch dominierten Staatsmacht erneut unter Generalverdacht gestellt, drangsaliert, von einflussreichen Positionen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ferngehalten, dann droht bald ein neuer Aufstand.

Die im Widerstand erfahrenen abgetauchten IS-Kader könnten hier ein neues, dankbares Betätigungsfeld finden. In Syrien streitet die gegen den gemeinsamen Feind erfolgreiche Anti-IS-Koalition bereits über die Verteilung der Beute. Wer wird künftig die befreiten Gebiete beherrschen? Die von Russland und Iran unterstützten Truppen Assads? Oder gleich iranische Paramilitärs, weil Teheran von einer unter seinem Einfluss stehenden Landbrücke bis ans Mittelmeer zur Hisbollah im Libanon träumt? Kurdische Rebellen, die lange am Boden die Hauptlast des Krieges getragen haben, deren Unabhängigkeitsbestrebungen aber die Türkei um jeden Preis zu verhindern gedenkt? Oder von den USA und Jordanien ausgebildete Rebelleneinheiten, die einen Keil in die expansiven Ambitionen Irans und Russlands treiben sollen?

Der Bürgerkrieg in Syrien und im Nordirak geht nach der Niederlage der selbst ernannten Gotteskrieger in eine neue Phase. Die Neuordnung der Region im Ringen zwischen Russland, den USA und zahlreichen regionalen Mächten hat gerade erste begonnen.

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