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Kölnische Rundschau: zu Papst/ungültige Ehen

Köln (ots) - Die Monsignori im vatikanischen Pressesaal müssen mächtig geschwitzt haben. "Ein großer Teil" kirchlichen Ehen sei wohl ungültig, hat Papst Franziskus gesagt (gut, dass es einen Mitschnitt gibt), nach der offiziellen Niederschrift ist es nur ein "Teil". Das nimmt den Äußerungen aber kaum etwas von ihrer Sprengkraft: Wenn viele Eheleute gar nicht gewusst haben sollen, was sie versprachen, dann liefert Franziskus ihnen die Begründung frei Haus, um die kirchliche Annullierung ihrer Ehe zu beantragen. In der Praxis wäre das die "Scheidung auf katholisch", die es theologisch nicht geben darf.

Nun wird Franziskus' Diagnose unzureichender Ehepastoral auch von Leuten geteilt, die nicht zu seinem Fanclub gehören - wie dem Kölner Alt-Erzbischof Kardinal Meisner. Und gewiss ist es ein Irrweg, ein Sakrament im Stile der Katzenberger-Dokusoap zu trivialisieren, bloß um Heiratswilligen die Schwellenangst zu nehmen.

Aber auch wer in vollem Ernst lebenslange Treue verspricht, kann nicht 50 oder gar 70 Jahre weit in die Zukunft blicken. Es muss nicht an einer "Kultur der Vorläufigkeit" liegen, wenn Ehen durch unvorhersehbare Konflikte zerbrechen. Ehrlich wäre es, wie in der Orthodoxie einen Ritus zu finden, um mit diesem Scheitern umzugehen. Franziskus weiß aber gut, warum er eine solche Debatte vermeidet. Da empfiehlt er lieber indirekt eine bauernschlaue Lösung, auch wenn sie der Biografie vieler Betroffener nicht gerecht wird.

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