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Kölnische Rundschau: Kölnische Rundschau zur Woelki-Wahl als Erzbischof von Köln

Köln (ots) - Ein Kardinal mit Auswärtserfahrung und Heimvorteil: Das Kölner Domkapitel hat mit der Wahl des neuen Erzbischofs Rainer Kardinal Woelki eine schnelle und gute Entscheidung getroffen. Das Woelki in seiner rheinischen Heimat hochwillkommen wäre, hatte Dompropst Norbert Feldhoff ja bereits im Februar im Rundschau-Gespräch angedeutet. Wenn er dann nicht auf der von Köln nach Rom gesandten Vorschlagsliste gestanden haben sollte, dann vermutlich nur deshalb, weil der nun Gewählte zunächst abgewinkt haben wird. Es mag also sein, dass Rom den Kandidaten zunächst einmal nachdrücklich von der Notwendigkeit überzeugen musste, nach Köln zu gehen - wie es ja schon einmal einem Berliner Bischof widerfahren ist.

Das wäre aber auch die einzige Parallele zu dem Wahlverfahren von 1988,aus dem schließlich Joachim Kardinal Meisner als neuer Erzbischof hervorging. Der damalige Papst Johannes Paul II. mutete Meisner den Weg nach Köln gegen den Willen großer Teile des Domkapitels und den Widerstand vieler Kleriker und Laien zu. Woelki genießt in seiner alten Heimat eine fast schon unheimlich anmutende Popularität.

Bleibt abzuwarten, was geschieht, wenn der neue Kölner Erzbischof einmal richtig unpopuläre Entscheidungen trifft. Man denke an die sehr radikale und sehr umstrittene Gemeindereform, die er im Erzbistum Berlin durchgesetzt hat. Meisner ist in Köln in dieser Hinsicht mit mehr Zurückhaltung vorgegangen und konnte dies auch vertreten, denn die Struktur des Erzbistums Köln ist günstiger als die von Berlin mit seinen vielen ländlichen Diasporagemeinden. Woelki sollte diesen Kurs fortsetzen und zusätzlich den Mut haben, neue Formen der Seelsorge zu erproben.

Denn mutig ist der neue Kölner Erzbischof, der längst aus dem Schatten seines Ziehvaters Meisner herausgetreten ist. Sein Stil - ein Kardinal, der mit der S-Bahn fährt - und seine pastorale Praxis waren schon unkonventionell, bevor Papst Franziskus den Tabubruch zum Instrument der Kirchenführung erkor. "Es muss doch auch möglich sein, katholisch zu sein, ohne dass das bis ins Letzte immer überprüft wird", befand Woelki im Juni 2012. Da hieß der Papst noch Benedikt, und Woelki mahnte eine Änderung des Umgangs mit wieder verheirateten Geschiedenen und mit Homosexuellen an - ein Jahr vor den viel zitierten Äußerungen des neuen Papstes Franziskus.

Einfach katholisch sein. Den restriktiven Kurs lockern, ohne gleich spektakuläre 180-Grad-Wenden zu versuchen, die ja auch wieder viele Gläubige verprellen würden. Auf der Basis einer sicheren Glaubensüberzeugung das Experiment der Barmherzigkeit wagen: Wenn Woelki in Köln so verfährt, dann wird er die Herzen auch jener Gläubigen gewinnen, die ihn nicht ohnehin schon aus seiner Zeit als Kölner Weihbischof kennen und schätzen. Willkommen zurück am Rhein, Herr Kardinal!

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Engelbert Greis
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