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Kölnische Rundschau: zu Aussichten für 2010

    Köln (ots) - Ein Jahr ist es her, da schien die Weltwirtschaft aus den Fugen zu geraten. Apokalyptisch erscheinende Prognosen machten in Expertenzirkeln die Runde. Die gerade auf ihrem Höhepunkt tobende Finanzkrise, so hieß es, werde etliche Volkswirtschaften in einen Zustand versetzen, der jenem von vor 80 Jahren nahe komme. Tiefste Rezession, Massenarbeitslosigkeit, Hyperinflation, Schlangen an den Bankschaltern mit zahllosen Menschen, die ihre Ersparnisse zurückfordern - all das schien nicht mehr ausgeschlossen. So schlimm ist es 2009 gottlob bei weitem nicht gekommen. Und so schlimm wird es wohl auch in den kommenden Jahren nicht werden. Dennoch lässt sich an der Schwelle zum neuen Jahr bilanzieren, dass diese Finanzkrise sich zur handfesten Wirtschaftskrise durchgefressen hat. Mehr noch: Aus ihr ist eine staatliche Schuldenkrise geworden. In fast allen Industrieländern, so auch in Deutschland. Das Jahr 2010 wird jenes Jahr werden, in dem das Drama um überschuldete US-Hausbesitzer seine Folgen bei uns noch konkreter zeitigen wird als bisher. In der Statistik der Bundesagentur für Arbeit etwa, trotz mancher steuerlichen Erleichterung aber vor allem in den Geldbeuteln vieler Menschen. Auch wenn die Wirtschaft wieder leicht wachsen wird - sie kommt nach der schwersten Rezession der Nachkriegsgeschichte im abgelaufenen Jahr von einer desaströs niedrigen Basis. Konnten 2009 noch zahlreiche Unternehmen ihre Beschäftigten mit Kurzarbeit halten, wird dies im neuen Jahr oftmals nicht mehr möglich sein. Dass all dies die Stimmung der Menschen dämpft, wundert nicht. Viele Arbeitnehmer spüren zusätzlichen Druck in ihrem Job, die Angst um Beschäftigung und Einkommen wächst. Zwar haben jüngste Umfragen gezeigt, dass die Bundesbürger im Weihnachtsgeschäft noch recht generös ihre Geldbörsen und Kreditkarten zückten. Im neuen Jahr wollen sie sich aber beim Einkauf zurückhalten. Selbst wer nicht von Arbeitslosigkeit betroffen ist, wird eher geneigt sein zu sparen - wenn sein Budget dies denn überhaupt zulässt. Vor uns liegt also ein fraglos schwieriges Jahr. Und vor uns liegt ein Jahr, in dem die Aufarbeitung dieser Krise weiter gehen muss - und zwar mit mehr Nachdruck als bislang. Ein Beispiel zeigt, dass gerade beim Brandherd, der Finanzwirtschaft, ein Umdenken immer noch auf sich warten lässt. Mit der Commerzbank hat bislang erst ein einziges Kreditinstitut in Deutschland die Vergütung des Top-Managements stärker als bisher an den langfristigen Unternehmenserfolg gekoppelt. Man muss von einer desaströsen Bilanz sprechen. Natürlich wäre es plump, die Krise ausschließlich mit dem Begriff der "Gier" zu erklären - dafür sind die Ursachen zu komplex. Es lässt sich aber nicht leugnen, dass ohne jene in vielen Köpfen verankerte Gier das Finanzsystem nicht vor dem Kollaps gestanden hätte. Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann, hat jüngst gefordert, in den Top-Etagen der Wirtschaft müsse endlich eine "Ethik des Genug" Einkehr halten. Und sie fügt das Beispiel des Bill Gates an, der zwar einer der reichsten Menschen der Welt sei, dem aber sehr wohl bewusst sei, welche soziale Verantwortung er mit seinem Reichtum habe. Käßmann benennt eine Wahrheit, die sich mit Blick auf die Krisen-Aufarbeitung noch präzisieren lässt. Denn soziale Verantwortung heißt auch, dass die Verursacher der Misere einen Beitrag zu ihrer Behebung leisten sollten. Nichts spricht etwa dagegen, dass die gerade diskutierten Sondersteuern für Banken oder Top-Banker durchgesetzt werden. Dies hätte nicht nur eine moralische Dimension. Sondern auch eine reale. Denn diese Gesellschaft benötigt Hilfe wo es nur geht, wenn sie die Suppe auslöffelt. Weil sie zum Beispiel im neuen Jahr weniger Arbeit hat und später höhere Steuern zahlen muss.

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