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Kölnische Rundschau: Kölnische rundschau Kommentar zur SPD

    Köln (ots) - Alte Probleme

    NORBERT WALLET, Berlin, zur SPD

    Wahrscheinlich ist Oliver Kahn kein Sozialdemo krat. Aber als Berater einer an Eigentore bis zum Überdruss gewohnten Partei wäre der Mann ganz gut geeignet. "Im mer weiter, immer weiter", pflegte er seine Mistreiter in scheinbar aussichtsloser Lage zuzurufen. Man kann das Spie len ja nicht einfach einstellen, den Politikbetrieb auch nicht.

    Immer weiter? Ja schon. Mit (teilweise) neuem Personal. Der neue Vorsitzende ist ja ein alter. Franz Müntefering ist schon einmal an seiner Partei gescheitert. Wohl wahr, viel leicht auch an seiner eigenen Geradlinigkeit. Und das Pro gramm, das der neue Kanzler kandidat Steinmeier vertritt, ist auch ein altes: Er steht für den Schröderschen Agenda-Kurs, den er ja maßgeblich formuliert hatte.

    Insofern ist richtig, was die Uni on der SPD entgegenhält. Dass nämlich die neue Führung die alten Probleme abzuarbeiten hat. Klar, die Parteilinken in Hessen, die schwierigen Wah len im Saarland - überhaupt das Verhältnis zur Linkspartei - da ändert sich nichts. Stein meier wird deshalb einen Han del vorschlagen: Geschlossen heit und Gefolgschaft im Wahl jahr gegen gewisse Zugeständ nisse beim Wahlprogramm. Machtbewusste Taktiker unter den Partei-Linken, wie Andrea Nahles, könnten da mitziehen. Schon aus Eigeninteresse. Erst auf der Basis eines guten Wahl ergebnisses lohnt sich ein neu er Machtkampf. In die Oppositi on will niemand, und darin liegt eine gewisse Chance für Frank-<> Walter Steinmeier. Mag sein, dass sich die noch immer schwelenden Konflikte einiger maßen zukleistern lassen, we nigstens für ein Jahr. Und Franz Müntefering kann durchaus für Disziplin sorgen.

    Das ist natürlich keine Lö sung. Und doch sollte sich die Union da nicht in falscher Sicherheit wiegen. Mit Stein meier und Müntefering sind die Umfrage-Stars der Sozialde mokraten nun in der Verant wortung - mit dem Altkanzler Schröder im Hintergrund. So lässt sich ein durchaus zugkräf tiger Wahlkampf orchestrieren.

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