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Kölnische Rundschau: zu Obamas Reise

    Köln (ots) - Herausforderung erkannt

    FRIEDEMANN DIEDERICHS, Washington,

    Kaum etwas kennzeichnet die prekäre Lage in Afghanistan besser als die Tatsache, dass sich US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama im Dunkeln der Nacht und unter größter Geheimhaltung ins Land schleichen musste. Aus Sicherheitsgründen, heißt es. Was auch die Frage aufwirft: Wie sind die Zukunftsaussichten für diese Nation, wenn noch nicht einmal ein ohnehin schwer bewachter westlicher Politiker mit offizieller Termin-Vorankündigung zum Kurzbesuch einfliegen kann? Barack Obama, der gestern in den Irak weiterreiste, hat aber zumindest - anders als sein Gegenkandidat John McCain - die Herausforderung der Zeit erkannt: Die zentrale Front im Kampf gegen El Kaida ist tatsächlich die Region am Hindukusch mit ihrem unwegsamen Grenzgebiet zu Pakistan. Die deutschen Politiker und alle Obama-Freunde, die am Donnerstag auf der Berliner "Fanmeile" seiner Rede beiwohnen, dürften dabei erneut hören, dass der farbige Hoffnungsträger auch auf ein größeres Engagement des transatlantischen Partners setzt. Dass Bundesregierung und Bundestagsmehrheit jedoch weiter den Schwerpunkt ihres Engagements am Hindukusch - trotz der zuletzt in Marsch gesetzten schnellen Eingreiftruppe - auf Aufbauarbeit setzen wollen, ist in Washington nur schwer vermittelbar. Was Afghanistan jetzt braucht, ist nicht nur ein engagierteres Vorgehen der Regierung in Kabul, sondern auch eine gesunde Balance zwischen einem konsequenten bewaffneten Vorgehen gegen die wiedererstarkten Taliban und einer Förderung des Wiederaufbaus durch den Westen. Wo die Europäer und damit insbesondere auch Berlin noch mehr tun können: Sie sollten mit diplomatischem Druck auf Pakistan versuchen, das Regime in Islamabad zu einer größeren Antiterror-Anstrengung in jenen Regionen in den Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan zu bewegen, aus denen derzeit die größte Gefahr droht.

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