Kölnische Rundschau

Kölnische Rundschau: Kölnische Rundschau Kommentar zum Papst-Besuch

    Köln (ots) - Heikler Besuch

    F. DIEDERICHS, Washington,zum Papst-Besuch

    Der Papst kommt nicht als Politiker, sondern als Mann des Glaubens. So sehen sowohl die Gastgeber wie auch der Vatikan die erste USA-Reise von Benedikt XVI. Doch zu glauben, der hohe Gast werde sich tatsächlich aus den Niede rungen der Politik völlig heraus halten können, ist naiv. Da ist der morgige Auftritt vor den UN, wo die Rede des Paps tes mit politischen Untertönen versehen sein muss, will sie bei Themen wie Armutsbekämp fung oder Darfur-Krise Wirkung entfalten. Da ist aber auch die bedauernswerte Lage der Christen im Irak - eine Thema tik, die untrennbar mit der poli tischen Entscheidung von George W. Bush verbunden ist, gegen den Willen der Mehrheit der Weltgemeinschaft einen Präventivkrieg zu führen. Ein Abenteuer, von dem sich der Vatikan in der Vergangenheit immer wieder deutlich distan ziert hat. Und auch beim "Ground Zero"-Auftritt des Papstes wird man mit Argusau gen darauf achten, ob seine Worte eine politische Kompo nente haben - schließlich hat der Kirchenführer bereits mehrfach den radikalen Isla mismus angeprangert. Nein, unpolitisch wird die Papst-Premiere in den USA nicht verlaufen. Benedikt XVI. wird sich zudem den Repara turarbeiten für eine Kirche wid men müssen, deren Grund mauern in den USA bröckeln: Eine junge Generation, die sich zwar für gläubig erklärt, aber den Kirchgang scheut, ein wachsender Anteil zu integrie render "Latino"-Einwanderer und eine nicht geringe Zahl un ter den 65 Millionen Katholi ken, die sich an bestimmte Vor gaben aus Rom partout nicht halten mag. Dies alles bildet für den Papst trotz aller inszenier ter Jubelszenen ebenso ein Mi nenfeld wie die vielen Miss brauchsskandale der jüngeren Vergangenheit. Der Heilige Va ter hat zum Auftakt des US-Be suchs deutlich zu erkennen ge geben, dass er tiefe Scham über das Verhalten mancher Priester empfinde und gegen Pädophile unter dem Kirchen dach vorgehen werde. Man darf gespannt sein, ob er auch zu anderen brisanten Themen solch klare Worte findet.

Pressekontakt:
Kölnische Rundschau
Jost Springensguth
print@kr-redaktion.de

Original-Content von: Kölnische Rundschau, übermittelt durch news aktuell

Weitere Meldungen: Kölnische Rundschau

Das könnte Sie auch interessieren: