Deutscher Raiffeisenverband

Deutscher Raiffeisentag 2000: Genossenschaften gestalten die Zukunft

Stuttgart (ots) - "Der Deutsche Raiffeisentag 2000 dient der Standortbestimmung. Wir analysieren die Perspektiven der rd. 4 000 Genossenschaften und geben Impulse für die Unternehmenspolitik. Beim "Wirtschaftsforum - Zukunft gestalten" diskutieren Politiker, Banker und Verantwortliche des Lebensmittelhandels, des Bauernverbandes und der Raiffeisen-Organisation die wirtschaftliche Ausrichtung der Genossenschaften als kompetente Marktpartner der deutschen Agrarwirtschaft", erklärte Manfred Nüssel, Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes e. V. (DRV) zu Beginn des Verbandstages. Weitere strukturelle Anpassungen mit Fusionen, strategischen Allianzen bis hin zu grenzüberschreitenden Kooperationen sind schnell umzusetzen, um auch auf den liberalisierten Agrarmärkten erfolgreich zu sein. Dafür setzen die Genossenschaften verstärkt auf Markenprodukte und höhere Wertschöpfung. "Wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit", so Präsident Nüssel, "ist die frühzeitige Positionierung im Internet und die konsequente Nutzung der Chancen des elektronischen Handels." Diese Möglichkeiten werden ebenfalls beim Deutschen Raiffeisentag mit Internet-Experten erörtert. WTO-Verhandlungen zügig abschließen Zu den politischen Herausforderungen, die die Raiffeisen-Genossenschaften zu bewältigen haben, zählt die WTO-Runde. Von ihren Vereinbarungen hängen die weiteren Gestaltungsmöglichkeiten der EU-Agrarpolitik ab. "Unsere Unternehmen brauchen bald Klarheit. Die Europäische Union muss in Genf mit einer Stimme und zielstrebig verhandeln", so Nüssel. Unumstößliche Ausgangsbasis sind die Agrarbeschlüsse zur Agenda 2000, die "nicht nachträglich aufgeweicht" werden dürfen. Das WTO-Resultat soll es den Europäern weiterhin ermöglichen, ihre Agrarpolitik kontinuierlich weiterzuentwickeln und die multifunktionale Rolle der Landwirtschaft zu sichern. Vor allem, so der Raiffeisen-Präsident, muss endlich das Junktim zwischen weiterer Handelsliberalisierung einerseits und der weltweiten Angleichung der Standards im Umwelt-, Tier- und Verbraucherschutz sowie im Sozial- und Hygienebereich andererseits anerkannt werden. "Ein weiterer Abbau von Handelsschranken kommt nur im Gleichschritt mit einer Harmonisierung der Wettbewerbsbedingungen in Frage", erklärte Nüssel. Erweiterung der Europäischen Union ohne Zeitdruck Der DRV-Präsident unterstützt die Osterweiterung der Europäischen Union. Da aber die Beitrittsländer tiefgreifende ökonomische und strukturelle Unterschiede zur EU aufweisen, bedarf ihre Integration großer Sorgfalt. Dazu zählen u. a. lange Übergangsfristen. Bereits heute sind die mittel- und osteuropäischen Länder wichtige Handelspartner der EU und damit auch von genossenschaftlichen Unternehmen, die dort z. B. Joint Ventures betreiben. Nüssel bewertet die Erweiterung als wichtige Voraussetzung zur Erschließung neuer Absatzmärkte, insbesondere für hochveredelte Nahrungsmittel. Obligatorische Rindfleisch-Etikettierung endet im Chaos Scharfe Kritik übte der DRV-Präsident an der mangelhaften Vorbereitung der obligatorischen Etikettierung von Rindfleisch, die am 1. September 2000 in Kraft treten und am 9. Juni vom Deutschen Bundesrat beschlossen werden soll. Nach wie vor ist es umstritten, wer die Kosten der Überwachung tragen wird. Die notwendigen staatlichen Stichprobenkontrollen übernimmt in Deutschland die Öffentliche Hand. Es kann aber auf keinen Fall hingenommen werden, dass die Kontrollkosten auf die Wirtschaft, die die staatlichen Auflagen erfüllt, abgewälzt werden. Darüber hinaus muss verhindert werden, dass in den einzelnen Bundesländern unterschiedliche Regelungen getroffen werden. Bezeichnend ist zudem, dass sich die Bundesregierung bislang nur vage zu der Kostenfrage geäußert hat. Die erklärte Absicht des Europäischen Parlaments, neben dem Schlachtbetrieb auch die Zerlegebetriebe durch Code-Nummern auf den Etiketten kenntlich zu machen, führt dazu, dass diese Vielzahl von Angaben die Verbraucher verwirren wird. "Die Verpflichtung, alle Betriebe auf den Etiketten aufzuführen, wird ein heilloses Chaos auslösen", so Nüssel. Kein schleichender Quotenausstieg ohne politische Weichenstellung Mit rd. 21 Mrd. DM Jahresumsatz ist die Milchwirtschaft eine wichtige Sparte der genossenschaftlichen Arbeit. Rd. 62 % der deutschen Milch werden von Genossenschaften erfasst, die rd. 20 Mio. t verarbeiten. Nach den Einbußen im Außenhandel als Folge der Asien- und Russlandkrisen steigen in diesem Jahr die Exporte wieder an. Auch die Milchwirtschaft drängt auf den raschen Abschluss der WTO-Verhandlungen und vor allem auf eindeutige Aussagen bezüglich der Milchquotenregelung. Aufgrund der Agenda-Beschlüsse wird dieses System bis zum Jahr 2008 fortgeführt und soll in drei Jahren einer "Halbzeitbewertung" unterzogen werden. "Diese Bewertung hängt entscheidend vom Fortgang der WTO-Runde und der EU-Osterweiterung ab. Ich dränge gegenüber der Europäischen Kommission auf eine rasche Festlegung der Rahmenbedingungen. Bis dahin ist die Funktionsfähigkeit und Finanzierung der EU-Milchmarktordnung sicherzustellen. Es darf keinen schleichenden Ausstieg ohne politische Weichenstellung geben. Ansonsten wären die hohen Investitionen der Genossenschaften in Fertigungsanlagen und Märkte ernsthaft in Gefahr", erklärte Nüssel. Der DRV-Präsident setzt sich dafür ein, dass die Milcherzeugung und -verarbeitung in den Regionen gehalten und gebündelt wird. Um die Wettbewerbsfähigkeit der Molkereien weiter zu verbessern, müssen die zukünftigen Rahmenbedingungen politisch flankiert werden. Gute Ernteaussichten und Exportchancen Trotz vereinzelter Trockenschäden, insbesondere auf leichteren Standorten, erwartet Nüssel eine gute deutsche Getreideernte von ca. 45 Mio. t (Vorjahr 44,5 Mio. t). Auch in der EU wächst eine große Ernte heran, die mit rd. 206 Mio. t um 8 Mio. t höher ausfallen wird als 1999 und damit den Verbrauch von knapp 180 Mio. t deutlich übertrifft. Die Vermarktung ist mehr als in den Vorjahren von den agrarpolitischen Vorgaben geprägt. Aufgrund der Agenda-Beschlüsse wird der Interventionspreis zum Juli im ersten Schritt um 7,5 % gesenkt. Zudem hat die EU-Kommission im Agrarpreispaket eine Kürzung der Monatsreports um 7,5 % vorgeschlagen. Die im Februar von der Brüsseler Kommission beschlossenen Verschärfungen der Interventionskriterien erhöhen den Preisdruck zusätzlich. Der DRV-Präsident geht davon aus, dass die Marktpreise diesen negativen Preisvorgaben nicht in vollem Umfang folgen werden. Die derzeit lebhafte Nachfrage auf den Weltmärkten, begünstigt durch den festen Dollarkurs, eröffnet zusätzliche Exportchancen. Die Preismisere auf dem Kartoffelmarkt und die über dem Vorjahresniveau liegende Anbaufläche von 310 000 ha unterstreichen die wachsende Bedeutung vertraglicher Beziehungen zwischen Erzeugern und Genossenschaften. "Nur durch eine kontinuierliche Belieferung des Lebensmittelhandels mit guten Qualitäten ist der Aufbau leistungsfähiger vertikaler Beziehungen langfristig zu sichern", erklärte der Raiffeisen-Präsident. Zufrieden ist Nüssel mit dem Kompromiss zur Agrardieselverbilligung. Mit Einführung des Erstattungsverfahrens nach dem tatsächlichen Verbrauch konnten der eingefärbte Kraftstoff und damit eine zusätzliche, kostenintensive Logistik für die Genossenschaften verhindert werden. Nach Aufhebung der Obergrenze sind auch die Agrargenossenschaften wieder voll in das Erstattungsverfahren einbezogen. Genossenschaftsmitglieder aktivieren Als zukunftsentscheidend für die Unternehmen bezeichnete Präsident Nüssel das verstärkte Engagement der Landwirte, Gärtner und Winzer in ihren Genossenschaften. Mit einer Qualifizierungsoffensive, die konkrete Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen vorsieht, sollen mehr Ehrenamtliche für die anspruchsvolle Tätigkeit in Vorständen und Aufsichtsräten gewonnen und geschult werden. "Wir behalten den Auftrag der Raiffeisen-Genossenschaften, die Mitgliederförderung, fest im Blick. Gemeinsam arbeiten wir an einer neuen Unternehmenskultur und einem aktiven Miteinander", so Nüssel. Agrarausfuhren gesteigert Die Bündelung der wirtschaftlichen Kräfte zur weiteren Steigerung der Leistungsfähigkeit und den Strukturwandel sind die langjährigen Konstanten in der Entwicklung der Genossenschaften. Derzeit sind im Bundesgebiet 4 044 Raiffeisen-Genossenschaften tätig. Ihre Zahl ging 1999 um 4,2 % bzw. 177 Unternehmen zurück. 2 048 Unternehmen sind unmittelbar im Handel und in der Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse engagiert. Insgesamt erzielten sie einen addierten Jahresumsatz von 74 Mrd. DM und steigerten ihre Agrarausfuhren auf 5,8 Mrd. DM. Die Genossenschaften beschäftigen 137 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie rd. 6 500 Auszubildende. Aufschluss über die wirtschaftliche Entwicklung der Raiffeisen-Organisation gibt der DRV-Bericht 1999, der am 8. Juni in Stuttgart vorgelegt wurde. Fotos vom Deutschen Raiffeisentag erhalten Sie unter Tel.: 0228/106-354 ots Originaltext: Deutscher Raiffeisenverband e. V. (DRV) Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Pressekontakt: DRV-Pressestelle Adenauerallee 127, 53113 Bonn Tel.: 0228/106-367 Fax: 0228/106-266 E-Mail: presse@drv.raiffeisen.de Internet: www.raiffeisen.de Original-Content von: Deutscher Raiffeisenverband, übermittelt durch news aktuell

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