Deutscher Raiffeisenverband

Bilanz 1999: Höhere Marktanteile - Umsätze stabil
Raiffeisen-Präsident Nüssel setzt auf Wertschöpfung

Bonn (ots) - Die 4 044 Raiffeisen-Genossenschaften (- 4,2 %) haben 1999 74 Mrd. DM (37,9 Mrd. Euro) umgesetzt. Das ist ein beachtliches Ergebnis angesichts vielfach rückläufiger Preise, insbesondere für tierische Erzeugnisse, und der angespannten Lage auf den Agrarmärkten. "Dem leichten Umsatzrückgang um 1 % stehen höhere Marktanteile vor allem in den Diversifikationssparten gegenüber", erklärte Manfred Nüssel, Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes e. V. (DRV), bei der Bilanz-Pressekonferenz. Die Raiffeisen-Genossenschaften haben sich erneut als die Vermarktungsunternehmen der deutschen Landwirtschaft bewährt. Sie konnten ihre Marktposition ausbauen und haben 1999 deutliche Strukturfortschritte zur Bündelung ihrer wirtschaftlichen Kräfte erzielt. Präsident Nüssel äußerte sich zuversichtlich, dass die Genossenschaften weiter an Bedeutung gewinnen werden. "Da sich die Agrarpolitik aus der Verantwortung zurückzieht und die Märkte immer enger vernetzt werden, schlägt nun die Stunde der genossenschaftlichen Idee, der Hilfe zur Selbsthilfe. Unser Förderauftrag lautet: Bestmögliche Vermarktung der Erzeugnisse unserer Mitglieder und damit Sicherung bäuerlicher Existenzen", so Nüssel. Der Präsident wirbt bei den Landwirten, Gärtnern und Winzern für den Ausbau vertraglicher Bindungen. Durch Verbundsysteme werden hohe Produktqualität, ständige Lieferfähigkeit und der lückenlose Herkunftsnachweis sichergestellt. Nüssel kündigte zudem eine Qualifizierungsoffensive für Ehrenamtliche und Nachwuchskräfte an, die in Genossenschaften Verantwortung tragen bzw. übernehmen wollen. Er betonte, dass die Globalisierung der Märkte den Konzentrationsprozess auf den vor- und nachgelagerten Stufen der Agrarwirtschaft weiter beschleunigen wird. Internet und E-Commerce werden die Handelsströme grundlegend verändern. Die Genossenschaften stellen sich den Herausforderungen des World Wide Webs und entwickeln Konzepte für den Business-to-Business-Bereich. Der DRV koordiniert diese Aktivitäten und berät seine Mitglieder in allen Fragen des Online-Handels. Von den am 23. März in Genf beginnenden WTO-Verhandlungen über die Landwirtschaft erwartet Präsident Nüssel, dass die Wettbewerbsbedingungen für den weltweiten Agrarhandel angesichts des steigenden Nahrungsmittelbedarfs harmonisiert sowie das europäische Modell der multifunktionalen Landwirtschaft offensiv verteidigt werden. Nüssel beurteilt die anstehende Erweiterung der Europäischen Union grundsätzlich positiv. Bereits heute sind die mittel- und osteuropäischen Länder wichtige Handelspartner Deutschlands. Die wachsende Verflechtung wird auch am Engagement der Genossenschaften deutlich. Seit einigen Jahren ist der Deutsche Genossenschafts- und Raiffeisenverband e. V. (DGRV) dort beratend tätig. So konnte im Januar 2000 mit deutscher Unterstützung eine Molkereigenossenschaft in Estland eröffnet werden. "Die Genossenschaften", so Nüssel, "spielen gerade in Mittel- und Osteuropa eine wichtige Rolle beim Aufbau marktwirtschaftlicher Strukturen, für die ein funktionsfähiges Kredit- und Vermarktungswesen unverzichtbar ist." Die wirtschaftliche Entwicklung im Jahr 2000 bewertet der Präsident zuversichtlich. So setzt die Vieh- und Fleischbranche auf höhere Schweinefleischpreise. Durch ihr Engagement in der Convenience-Produktion und weitere Anpassungen der Schlachthofstruktur soll die Erlössituation verbessert werden. Die Molkereigenossenschaften erwarten bessere Verkaufspreise und mehr Exporte in Drittländer. Marktchancen sieht Nüssel vorrangig in der höheren Wertschöpfung, im Ausbau starker eigener Marken, in den Diversifikationssparten und in grenzüberschreitenden Kooperationen. Dafür ist aber eine praxisgerechte Ausgestaltung des europäischen Kartellrechts notwendig. Reform der Unternehmensteuer: Nüssel kritisierte die Übergangsregelung der geplanten Umstellung des Körperschaftsteuersystems: "Das benachteiligt mittelständische Unternehmen und ihrer Anteilseigner." Während der Übergangsphase zum neuen System werden die Gewinnausschüttungen zu hoch besteuert. Zudem bleibt den Genossenschaften mit den vorgesehenen 15 Jahren nicht genügend Zeit, das vorhandene Körperschaftsteuerminderungsvolumen in wirtschaftlich vernünftigen Schritten auszuschütten. "Die sinnvolle Bildung von Eigenkapital wird damit verhindert", erklärte der DRV-Präsident. ots Originaltext: DRV Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Pressekontakt: DRV-Pressestelle Adenauerallee 127, 53113 Bonn Tel.: 0228/106-367 Fax: 0228/106-266 E-Mail: presse@drv.raiffeisen.de Internet: http://www.raiffeisen.de Original-Content von: Deutscher Raiffeisenverband, übermittelt durch news aktuell

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