Interne Stresstests für Banken auf dem Prüfstand
Ellerau (ots) - Interne Stresssimulationen sind ein wirksames Instrument des Risikocontrollings und des Managements, um die Risikosituation des jeweiligen Bankinstituts richtig einschätzen zu können. Die Anforderungen an dieses Instrument steigen in naher Zukunft erheblich. Zum einen ist zu erwarten, dass künftige EU-Stresstest deutlich verschärft werden. Darüber hinaus dürften mit Basel III die in einer Stresssimulation zu nehmenden Hürden weit höher liegen als bisher. Mit Modellrechnungen und individuell auf dieser Basis konstruierten internen Testbedingungen können sich Banken frühzeitig darauf einstellen.
Im Juli 2010 beteiligten sich 91 Kreditinstitute an einem europaweiten Stresstest. Dies wird jedoch nicht der letzte europaweite Härtetest für die Finanzbranche gewesen sein, wenn die EU-Kommission den Empfehlungen des Europäischen Ausschusses für Bankenaufsicht CEBS folgt. Zu erwarten ist, dass diese Tests dann zusätzliche Kriterien enthalten, die bisher noch außen vor blieben.
"Im aktuellen EU-Stresstest fehlten aus unserer Sicht wichtige Risikofaktoren, andere wurden wiederum nur in dem Ausmaß integriert, welches der Markt bereits in ähnlicher Größenordnung vorweg genommen hat", erklärt Jonas Andrulis, Senior Consultant und Spezialist für Wertsicherungsstrategien und Stresstesting bei agens Consulting. Nach seiner Einschätzung sind neben den oben genannten allgemeinen Kritikpunkten vor allem die nicht berücksichtigten Kapitalverflechtungen der Banken untereinander kritisch zu beurteilen. Andrulis: "Würden allein nur diese Interdependenzen und deren Auswirkungen auf der Aktivseite der Banken in den Test aufgenommen, dürften die veröffentlichten Ergebnisse künftiger EU-Stresstests deutlich schlechter ausfallen."
Vor diesem Hintergrund ist eine rechtzeitige Vorbereitung auf kommende Stresstests angezeigt. Insbesondere sollten die mittelbaren Folgen von Kapitalverflechtungen mittels individuell konstruierter Stressszenarien durchgespielt werden. Anleihen oder Aktien im Eigenbestand sollte hierbei besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden, ebenso wie etwa dem Immobiliensektor oder dem möglichen Ausfall von Konsumentenkrediten. "Speziell für diesen Anwendungsfall wurden von uns Modellrechnungen entwickelt, auf die Banken im Bedarfsfall zurückgreifen können. Damit können insbesondere die bisher unberücksichtigten Interdependenzen im Finanzmarkt verdeutlicht werden. Zudem schärft eine eingehende Analyse der Kapitalverflechtungen zwischen Unternehmen, Versicherungen und Banken den Blick auf die eigene Risikosituation", erklärt Andrulis.
Weitere Gründe für eine intensive Beschäftigung mit diesem Thema ergeben sich für ihn auch mit Blick auf die Aufsicht: "Mit Basel III dürften die Anforderungen insbesondere an die quantitativen Modelle steigen. So sind dann beispielsweise bei der Berechnung der Ausfallwahrscheinlichkeiten bestehende Interdependenzen zwingend zu berücksichtigen."
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