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WINEG-Studie zeigt: Viele künstliche Gelenke halten nicht, was sie versprechen

Hamburg (ots) - 15 bis 25 Jahre sollte ein künstliches Hüftgelenk eigentlich seinen Dienst tun - das sagen die Hersteller. Ob die Prothesen halten, was sie versprechen, hat jetzt Dr. Roland Linder vom Wissenschaftlichen Institut der Techniker Krankenkasse für Nutzen und Effizienz im Gesundheitswesen (WINEG) überprüft. Sein Ergebnis: 3,5 Prozent aller Hüft- und 3,8 Prozent aller Kniegelenke müssen schon innerhalb der ersten zwei Jahre ersetzt oder entfernt werden. Schuld sind in acht von zehn Fällen mechanische Probleme des neuen Gelenks.

Linder: "Allein wegen fehlerhafter Hüftprothesen, die innerhalb der ersten beiden Jahre kaputtgehen, müssen in Deutschland jeden Tag zwölf Menschen unters Messer." Zehn weitere werden Tag für Tag wegen ihrer kaputten Knieprothesen operiert. Das bedeutet nicht nur unnötiges Leid und oft langwierige Schadenersatzprozesse für die Betroffenen, es kostet auch das Gesundheitssystem Millionen. Dabei läge laut WINEG-Direktor Dr. Frank Verheyen eine Lösung auf der Hand: "In Deutschland fehlt ein Register, in dem für jeden Patienten mit neuem Gelenk Informationen zur Operation, der Prothese und zu möglichen Komplikationen erfasst sind. Als Frühwarnsystem könnte es vielen Menschen Leid ersparen", sagt Verheyen.

Schweden hat bereits vor 30 Jahren ein Prothesen-Register eingeführt - mit Erfolg: Seit die Hersteller zurückgespiegelt bekommen, bei welchen Modellen es Probleme gibt, ist die Zahl der Folgeoperationen deutlich zurückgegangen. Ein weiterer Vorteil solch eines Registers: Es erleichtert Rückrufaktionen. Verheyen: "Seit 1951 gibt es das Kraftfahrtbundesamt, das zum Beispiel bei einer Gefahr durch defekte Bremsschläuche direkt die Fahrzeughalter warnt. Von ihren womöglich defekten Prothesen erfahren Betroffene bisher nichts. Dabei kann der unerwartete Bruch einer Prothese - etwa bei einer Fahrradtour - dramatische Folgen haben." Allein für künstliche Hüftgelenke gibt es weltweit über 500 verschiedene Modelle. Und nur die wenigsten Betroffenen wissen, welche Prothese sie erhalten haben. "Über ein Register kann man die betroffenen Patienten im Fall der Fälle direkt auf die drohende Gefahr hinweisen", sagt der WINEG-Direktor und begrüßt die derzeitigen Bestrebungen, Rückrufaktionen auch für Prothesen gesetzlich vorzuschreiben.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: "Nach der Operation in einer Klinik mit vielen Eingriffen im Jahr müssen weniger Gelenke ausgetauscht werden", sagt Linder. Das heißt: Je erfahrener Klinik und Ärzte sind, die Hüft- oder Kniegelenke operieren, desto besser gelingen die Operationen. Aus diesem Grund dürfen schon heute künstliche Kniegelenke nur in Kliniken eingesetzt werden, die den Eingriff mindestens fünfzigmal im Jahr machen. Bei künstlichen Hüftgelenken gibt es solch eine Vorgabe bisher allerdings nicht. "Diese Unterscheidung ist mir unverständlich. Unsere Zahlen legen nahe, dass die Versorgung mit Endoprothesen insgesamt über aussagekräftige Qualitätsindikatoren transparent gemacht werden sollte", sagt WINEG-Direktor Verheyen.

Mehr Informationen gibt es im Internet unter www.wineg.de.

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