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Illegaler Handel mit geplünderten Antiken nimmt auch in Deutschland zu - Bundesregierung plant Gesetzesänderung

Hamburg (ots) - Die Bundesregierung will den Handel mit illegal beschafften Antiquitäten wirksamer bekämpfen. Eine von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) geplante Gesetzesänderung ist nach Informationen des Norddeutschen Rundfunks und der Süddeutschen Zeitung auch eine Reaktion auf die Plünderungen und Raubgrabungen in Syrien und im Irak durch die Terroristen des Islamischen Staates (IS). Für diese und andere terroristische Gruppen gilt der Handel mit geraubten Antiquitäten inzwischen als eine der wichtigsten Einnahmequellen.

Die geraubten Objekte landen häufig in deutschen Auktionshäusern und werden dort teilweise für hohe Summen versteigert. "Man soll sich klarmachen, an diesen Stücken klebt Blut", sagt der Mainzer Archäologe Michael Müller-Karpe. Auch das Bundeskriminalamt (BKA) warnt vor einer Zunahme des illegalen Handels in Deutschland. "Nach dem deutschen Recht wird ein normales Hühnerei besser geschützt und es muss besser deklariert sein als die wertvollste Antike", sagt die zuständige BKA-Beamtin Sylvelie Karfeld NDR und SZ. Die Zahl der geplünderten oder illegal geraubten Antiken ist nach BKA-Angaben stark angestiegen. Angesichts dieser Lage müsse "Deutschland aufpassen, dass es nicht zum Umschlagplatz wird", warnt Monika Grütters. Das neue Kulturgüterrückgabegesetz sei überfällig.

Die Pläne des Kanzleramtes sehen vor, dass fortan nur noch solche Kulturgüter nach Deutschland eingeführt und gehandelt werden dürften, die über eine offizielle Ausfuhrlizenz des Herkunftslandes verfügten. Anfang 2016 soll das Gesetz in Kraft treten. Die bisherige Regelung aus dem Jahr 2007 war nahezu wirkungslos geblieben. Denn seit Einführung ist nach Angaben des Kanzleramtes keine einzige Rückgabe auf der Grundlage dieses Gesetzes erfolgt.

Der Handel mit gestohlenen oder illegal gegrabenen Antiken gilt als drittgrößte organisierte Kriminalität weltweit, nach dem Handel mit Waffen und Drogen. Auch terroristische Organisationen wie der Islamische Staat finanzieren sich offenbar durch den Handel mit dem kulturellen Erbe Syriens und des Irak. Nach Angaben der irakischen Regierung sind inzwischen 2400 archäologische Stätten unter Kontrolle des IS. Die Plünderungen und Zerstörungen erreichen demnach ein bisher unbekanntes Ausmaß. Der irakische Armee-General Kassim Atta warnt gegenüber NDR und SZ, dass die Antiken zu einer der "Haupteinnahmequellen" des Islamischen Staates gehören: "Sie kaufen mit dem Erlös ihre Waffen."

Das Erste berichtet am Montag, 20. Oktober, um 22.45 Uhr der Reihe "die story" über "Das geplünderte Erbe" und die Terrorfinanzierung durch deutsche Auktionshäuser.

Auch der ARD-Weltspiegel greift am Sonntag um 19.20 Uhr im Ersten das Thema "Kunstraub für Kalaschnikows" auf.

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