Praxis für Plastische und Ästhetische Chirurgie in Frankfurt

Wenn Silikon Fremdkörpergefühle verursacht

Frankfurt (ots) - Interview mit der Plastischen Chirurgin Dr. Petra Berger (Frankfurt am Main und Zürich) zum Thema Implantatentfernung

Frau Dr. Berger, nachdem in den letzten Jahren die Brustvergrößerung mittels Silikonimplantat einen regelrechten Hype erfahren hat, scheint jetzt eine Gegenbewegung stattzufinden. Immer mehr Frauen wollen sich ihre Implantate wieder entfernen lassen. Täuscht dieser Eindruck? Welche Erfahrungen machen Sie in Ihrer Praxis?

Frau Dr. Berger: Sehr unterschiedliche. Zum einen sind Silikonimplantate für Frauen mit wenig Fettgewebe weiterhin eine sehr gute Wahl, um sich den Wunsch nach größeren Brüsten zu erfüllen. So habe ich Patientinnen, die stehen auch Wochen nach der OP noch täglich vor dem Spiegel und beglückwünschen sich zu ihrer Entscheidung. Andererseits werde ich tatsächlich zunehmend von verzweifelten Frauen um Rat gefragt, die an eine Implantatentfernung denken.

Und was raten Sie diesen Frauen?

Frau Dr. Berger: Das kommt natürlich immer auf den individuellen Fall an. Manche Frauen haben sich des Guten zu viel gewünscht und wundern sich nun über das offensichtlich unnatürliche Ergebnis. Da kann der Umstieg auf ein natürlicher geformtes Implantat schon die Lösung sein. Dann gibt es wiederum Frauen, die haben eine optisch gelungene Brustvergrößerung bekommen und sind trotzdem total unglücklich.

Welche Ursachen hat das?

Frau Dr. Berger: Das Phänomen dahinter heißt Fremdkörpergefühl. Silikon - und da sollten man sich nichts vormachen - ist nun mal kein natürliches Material. Es verursacht bei einigen Frauen ein Fremdkörpergefühl, das sie weder durch gutes Zureden noch durch längeres Abwarten loswerden. Dieser Effekt lässt sich bei keiner Patientin vorhersagen. Manche haben damit kein Problem, andere quälen sich damit. Wenn sie im Bett auf ihren Silikonbrüsten liegen, zum Schwimmen gehen oder sonstigen Sport betreiben - andauernd kreisen ihre Gedanken um die Implantate. Da hilft im Grunde nur deren Entfernung. Wir sind gerade an einer Studie beteiligt, um mehr über dieses Phänomen zu erfahren.

Weshalb kann eine Implantatentfernung noch angeraten sein?

Frau Dr. Berger: In manchen Fällen verursacht das implantierte Silikongel Schmerzen, die sich wie tausend Nadelstiche anfühlen, wie mir schon einige Patientinnen berichtet haben. Dabei kann es durchaus sein, dass nur eine Brust schmerzt, während sich die andere ganz normal anfühlt. Ein weiteres Problem sind Kapselfibrosen (Verhärtung der bindegewebigen Hülle, Anm. d. Red.), die nach einer Brustvergrößerung mit Silikon immer wiederkehren können.

Das sind ja ziemlich viele Gründe, die für eine Implantatentfernung sprechen. Sicher vermeiden viele Frauen diesen Schritt, weil sie dadurch eine "Verschlimmbesserung" befürchten. Ist diese Angst berechtigt?

Frau Dr. Berger: Wie das Ergebnis nachher aussieht hängt vom Ausgangsbefund ab. Aber natürlich auch davon, wie vorher an der Brust operiert wurde. Dennoch kann ich Interessentinnen beruhigen. Im Allgemeinen können wir mit einer kleinen Straffung - manchmal sogar ohne - vieles verbessern. Besonders in Verbindung mit Volumenbildung durch Eigenfett lässt sich wieder ein schöner Busen modellieren.

Heißt das, die betroffenen Frauen können nur wählen zwischen a) Weiterleben mit künstlichen Brüsten, die ihnen Fremdkörpergefühle bereiten und b) Zurück zur kleinen Brust, die sie früher nicht mochten?

Frau Dr. Berger: Nein, sie können wählen zwischen a), b) und c).

Das klingt hoffnungsvoller. Was steckt hinter der Alternative c)?

Frau Dr. Berger: Die Brustvergrößerung mit natürlichem Füllmaterial. Zum Beispiel mit Macrolane, einer Hyaluronsäure. Das ist eine biologische Zuckerart, die sich allerdings abbaut, wenn man sie nicht in regelmäßigen Abständen nachfüllt. Für Frauen ohne eigenes Fettdepot ist das dennoch eine überlegenswerte Methode. Frauen mit eigenen Fettpölsterchen steht noch eine weitere, sehr innovative Möglichkeit der Brustvergrößerung offen, die Lipokondensierung.

Die müssen Sie uns näher erklären, Frau Dr. Berger.

Frau Dr. Berger: Die Lipokondensierung nutzt als Ausgangsmaterial die adulten Fettstammzellen der Patientin. Diese werden in einem aufwändigem Prozess angereichert und purifiziert. Dadurch erhalten wir zusätzliches und sehr reines Fettgewebe, das im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren überdurchschnittlich hohe Anwachsraten von 70 bis 90 Prozent verspricht. Nicht zuletzt weil es aus den körpereigenen Zellen der Patientin entstanden ist. Das Endmaterial eignet sich anschließend nicht nur zur Brustvergrößerung, sondern kann überall am Körper eingesetzt werden. Wir sprechen daher von Bio-Shaping.

Das klingt wirklich sehr innovativ. Und über ein Fremdkörpergefühl müssen sich Patientinnen dann sicher nicht mehr beklagen. Das wird Betroffenen neue Hoffnung geben. Vielen Dank, Frau Dr. Berger, für ihre Erläuterungen zum Thema Implantatentfernung.

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