Odeon Film AG

"Unsere Entwicklung sehen wir positiv"
Interview mit dem Vorstand der Odeon Film AG, Geiselgasteig, anlässlich der Vorlage des Halbjahresberichts 2000

Geiselgasteig (ots) - ? Herr Dr. Pres, der Anteil des Internet-Bereiches der Odeon Film AG am Gesamtumsatz ist gering, dessen Belastung für den Ertrag durch Aufbauinvestitionen jedoch relativ hoch. Sind die Investitionen so hoch, um aus der Odeon Film eine Internet-Company zu machen? Dr. Pres: Nein. Wenn wir aus der Odeon Film AG eine Internet-Company machen wollten, wären die Investitionen eher zu niedrig. Das Risiko in diesem Geschäftsfeld ist vergleichsweise hoch. Eine derartig einseitige Ausrichtung haben wir zu keinem Zeitpunkt beabsichtigt. Die Odeon Film AG ist und bleibt in ihrem Kern ein Produktionsunternehmen für den TV- und Kinomarkt. Als Ergänzung zu diesem gewachsenen und weiter wachsenden Geschäft sind die Internet-Aktivitäten eine wichtige Voraussetzung, um unsere Produkte auf den Medienmärkten von morgen optimal auswerten zu können. Das setzt voraus, dass Synergien zwischen traditionellen Medien und neuen Medien gefunden und gezielt genutzt werden. Ähnliche Ziele verfolgen übrigens inzwischen auch einige unserer Wettbewerber, die dadurch auch nicht zu einer "Internet-Firma" mutieren. ? Sie planen aber doch jetzt die Ausgliederung des Internet-Geschäftes. Bedeutet das, dass sich die Odeon Film vom Internet-Geschäft ganz verabschiedet und dass sich die ursprüngliche Unternehmensstrategie damit deutlich geändert hat? Dr. Pres: Wir werden uns nicht aus dem Internet-Geschäft verabschieden. Aber wir stellen das Internet-Geschäft gegenüber der Planung bei Börsengang völlig neu auf. Das haben wir schon auf der Bilanzpressekonferenz im Mai und auf unserer Hauptversammlung im Juni erläutert. In diesem Rahmen ist die geplante Ausgliederung der Internet-Aktivitäten in eine neue Gesellschaft zu sehen. Hierbei wird auch diskutiert, ob die Odeon Film dann noch die Mehrheit an der künftigen Tochtergesellschaft halten muss und wird. Wir versuchen, uns mit den richtigen Partnern zusammenzuschließen, um die genannten Ziele zu erreichen. ? Soll die neue Internet-Tochtergesellschaft dann an die Börse gebracht werden? Dr. Pres: Denkbar ist alles. Voraussetzung hierfür ist natürlich ein entsprechendes Geschäftsvolumen. Heute haben wir das noch nicht erreicht. ? Halten Sie Ihre Ertragsprognosen für 2000 und 2001 im Rahmen der geplanten Ausgliederung der Internet-Aktivitäten? Dr. Pres: Zur Ergebnisentwicklung für 2000 und 2001 möchte ich derzeit keine neuen Prognosen abgeben. ? Es wurde aber berichtet, dass die Gewinne aus der TV-Produktion durch eine geplante Kooperation im Internetbereich künftig nicht mehr so stark von den Millionen-Investitionen in das Internet belastet werden sollen... Dr. Pres: Das wird zutreffen, wenn wir alles, was damit zusammenhängt, in trockenen Tüchern haben. Doch die Kooperationsverhandlungen sind noch nicht abgeschlossen und bevor entsprechende Verträge nicht unterschrieben sind, können Sie von mir keine neuen Prognosen und Kommentare erwarten. Fakt ist, dass die Um- und Neustrukturierung, die wir für die Odeon Film im Mai angekündigt haben, voll nach Plan verläuft und dass wir die entsprechenden Aktivitäten bis zum Jahresende abgeschlossen haben werden. Unsere derzeitige Entwicklung sehen wir positiv. ? Herr Mendig, "Ein Fall für zwei" läuft schon seit vielen Jahren. Auch Serien wie "Wolffs Revier" oder "Die Kommissarin" sind schon lange im Programm. Ruht sich Odeon Film im TV-Bereich auf den Lorbeeren aus? Mendig: Natürlich nicht. Wir passen unsere TV-Serien permanent den Marktanforderungen an. Das gilt für alle TV-Serien wie beispielsweise "Die Kommissarin", "Wolffs Revier" und "SK Kölsch". Unsere hohen Einschaltquoten bestätigen den Erfolg dieser Strategie. Damit konnten wir unsere Position als Nr. 1 im TV-Krimibereich im ersten Halbjahr nicht nur festigen, sondern mit unserer konsequenten Vorgehensweise auch weiter ausbauen. Darüber hinaus haben wir beispielsweise mit einer neuen Martial-Arts-Serie erfolgreich ein neues TV-Format für das jüngere TV-Publikum entwickelt. Auf diesem Erfolgskurs werden wir bleiben. ? Konzentrieren Sie sich ausschließlich auf TV-Krimis? Mendig: Nein, wie Sie an der neuen Martial-Arts-Serie schon erkennen können. Diesen Serientypus stellt Odeon Film erstmals in Deutschland her. Natürlich prüfen wir auch intensiv die Entwicklung anderer Formate und Genres. Denkbar ist eine wöchentliche TV-Familienserie. Der Kinder- und Animationsbereich ist ein weiteres Thema. Wir werden das Segment TV-Movie stärken. Weiter denken wir an internationale Co-Produktionen. Das sind Themen, die sich nicht von heute auf morgen positiv in der Bilanz niederschlagen, aber für die wir bereits konsequent die Basis schaffen. Sicher ist, dass wir auch in Zukunft zu den führenden TV-Filmproduzenten in Deutschland gehören werden. ? Herr Klooss, die Odeon Film will in allen Phasen der Verwertung an erfolgreichen Filmen partizipieren. Wann gehen auch Sie auf Einkaufstour nach Hollywood, wie es Ihre Wettbewerber machen? Klooss: Wir sind und bleiben in erster Linie ein Unternehmen, das Filme produziert. Aber erfolgreiches Wirtschaften als Filmproduzent erfordert den Zugriff auf entsprechende Verwertungsstrukturen. Die Vermarktungsseite der Produkte wird Odeon Film in Zukunft daher verstärkt mitkontrollieren. Deshalb haben wir in der ersten Jahreshälfte die Odeon Filmverleih GmbH gegründet. Wir werden hier einen "sanften" Einstieg in die Vermarktung unserer Produkte wählen, ohne sofort die volle Infrastruktur vorhalten zu müssen. Das Verleihgeschäft macht uns zu einem attraktiven Partner und dient damit zugleich als Akquisitions- und Finanzierungsinstrument. Zu diesem Zweck haben wir mit dem Weltvertrieb der Bavaria das Label Odeon Pictures International ins Leben gerufen, unter dem bereits sehr erfolgreich "Mortel Transfert" von Jean-Jacques Beineix vertrieben wird. Die abgeschlossenen Dreharbeiten unserer deutsch-französischen Produktion "Mortel Transfert", die begonnenen Dreharbeiten zu "Emil & die Detektive" und die Vorbereitungen zu "Buffalo Soldiers" sind die herausragenden Ereignisse in der diesjährigen Kinofilmproduktion. Die Vorverkäufe von "Mortel Transfert" haben im Mai während der Filmfestspiele in Cannes sehr erfolgreich begonnen. Teile der Postproduktion finden in München statt. Die Premiere von "Mortel Transfert" haben wir für Anfang 2001 geplant. ? Beteiligen Sie sich jetzt an der Einkaufstour in Hollywood oder nicht? Klooss: Nein. Die derzeitig für deutsche Rechte verhandelten Preise sind deutlich zu hoch. Unsere Strategie ist es, dass wir uns international nur an Filmen beteiligen, bei denen wir aufgrund unseres Produktions-Know-hows und der Kenntnis des deutschen Marktes sowie unseres Zugriffs auf flexible Verwertungsstrukturen attraktive Partner sind. Wir wollen nicht bloß Geld in ein Filmprojekt investieren. Auch wollen wir bei einem Film möglichst früh dabei sein, das heißt schon ab der Stoffentwicklung. Hierdurch haben wir den größtmöglichen Einfluss und können bei Co-Produktionen mitentscheiden. Dadurch halten wir das hohe Qualitätsniveau unseres Geschäftes und wir erhalten in der Regel zumindest die zeitlich unbegrenzten Rechte für den deutschen Markt. Der damit verbundene Aufbau unseres Rechtestocks führt zu einem gezielten langfristigen Substanzaufbau. ? Inwiefern wollen Sie die Internationalisierung Ihres Geschäfts vorantreiben? Schneiden Sie sich damit nicht auch den Zugang zu deutschen Fördergeldern ab? Klooss: Nein, wir schneiden uns mit der Internationalisierung nicht den Zugang zu deutschen Fördergeldern ab. Aber diese Fördergelder sind begrenzt und wir wollen wachsen. Deshalb forcieren wir die Internationalisierung unserer Stoffe und Produktionen, um eine Refinanzierung auch aus anderen Märkten zu ermöglichen. Hier sind wir in Europa und in den USA aktiv. Letztlich ist der US-Markt der Einstieg in die Oberklasse der Filmproduktion und von daher auch ein Ziel von uns. Mit den derzeit laufenden Entwicklungen und Verhandlungen sind wir bereits auf einem guten Wege dahin. ? Was waren oder sind die Highlights aus Ihrem Vorstandsbereich für das laufende Jahr? Klooss: Wie schon erwähnt gehören der englisch-sprachige Film "Buffalo Soldiers" und die Erich-Kästner-Verfilmung "Emil und die Detektive" neben "Mortel Transfert" zu den herausragenden Projekten. "Buffalo Soldiers" planen wir mit dem jungen, australischen Erfolgsregisseur Gregor Jordan, der fünf Australian Academy Awards in Hauptkategorien erhalten hat, und internationalen Partnern wie der britischen "FilmFour", dem US-Weltvertrieb "Good Machine" und der Produktionsfirma "Gorilla Entertainment", mit der die Odeon Pictures den Film gemeinsam on location in Karlsruhe drehen wird. Die Postproduktion ist in London geplant. Mit "Emil und die Detektive" wollen wir an die großen Erfolge "Charlie & Louise - Das doppelte Lottchen" und "Pünktchen & Anton" unserer Tochter Lunaris Film anknüpfen. Die Dreharbeiten haben bereits begonnen und für das Frühjahr 2001 haben wir die Verfilmung des Kästner-Erfolgsbuches "Das fliegende Klassenzimmer" geplant. Zudem bauen wir mit "October Films" eine Reihe von spektakulären Dokumentarfilmproduktionen als additives Segment unserer internationalen Strategie auf. ? Die Aktienphantasie der Odeon Film AG liegt insbesondere in der Kinofilmproduktion. Ist die Phantasie gerechtfertigt? Bei gegenwärtigen Planungen trägt Ihr Geschäftsbereich erst zu rund 15% zum Umsatz bei. Wann werden Sie die TV-Produktion beim Umsatz übertreffen? Klooss: Kurzfristig sicherlich nicht, denn die Kinofilmproduktion ist generell ein langfristiges Geschäft. Von der Idee und der Entwicklung eines Stoffes bis zur fertigen Filmproduktion vergehen in der Regel 3 Jahre. Wir haben jetzt eine Reihe von Stoffen seit einiger Zeit in der Entwicklung, die uns ein deutliches Umsatzwachstum ermöglichen wird. Auch die Zusammenarbeit mit unseren internationalen Partnern und die Ausweitung der Wertschöpfungskette bietet weitere erhebliche Potenziale. Von daher werden wir in absehbarer Zeit den TV-Bereich vom Umsatz her übertreffen. Die von Ihnen angesprochene Phantasie ist gerechtfertigt. ? Herr Dr. Pres, in Ihren Halbjahreszahlen weisen Sie liquide Mittel von mehr als 36 Millionen DM aus. Was machen Sie mit so viel Geld in der Kasse? Dr. Pres: Wir können uns Akquisitionen sehr gut vorstellen und führen auch das ein oder andere Gespräch. Doch wir zahlen nicht jeden Preis. Eine Investition tätigen wir unter dem Aspekt einer nachhaltigen Unternehmenswertsteigerung. Nur unter dieser Prämisse integrieren wir weitere Medientöchter in unseren Konzern. ? An welche Unternehmen denken Sie? Dr. Pres: Ich kann mir hier in erster Linie sowohl Film- als auch TV-Produktionsunternehmen vorstellen. In der deutschen Filmbranche gibt es fast keine mittelständischen Firmen, wie wir sie aus anderen Industrien kennen, sondern eine Vielzahl von sehr kleinen, oft sehr innovativen Unternehmen im Markt. Hier gilt es, qualitativ starke Partner zu finden. In der Fernsehbranche gibt es eine Reihe attraktiver Unternehmen von mittlerer Größe. Hier ist insbesondere der Kaufpreis das entscheidende Kriterium. Generell muss es sich um ein für unsere Aktionäre sinnvolles Geschäft handeln. Der Konzentrationsprozess in der TV- und Filmbranche hat gerade erst begonnen und wird sich fortsetzen. Mit einem überlegten und zielgerichteten Vorgehen werden wir von dieser Entwicklung profitieren. Dr. Andreas Pres ist Vorstandssprecher und verantwortlich für Finanzen und Controlling sowie den Geschäftsbereich Internet. Hans Joachim Mendig ist Vorstand für den Geschäftsbereich Fernsehen. Reinhard Klooss ist Vorstand für den Geschäftsbereich Spielfilm. Der vollständige Halbjahresbericht wird heute unter www.neuer-markt.de veröffentlicht. ots Originaltext: Odeon Film AG Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Pressekontakt: Frederik Rehms Abt. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Odeon Film AG, Bavariafilmplatz 3, 82031 Geiselgasteig Telefon: 089 / 64 958-165, Telefax: 089 / 64 958-103 e-Mail: presse@odeonfilm.de Original-Content von: Odeon Film AG, übermittelt durch news aktuell

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