Gruner+Jahr, BRIGITTE

Frauen gestern, heute, morgen
Analyse und Interpretationen aus 25 Jahren BRIGITTE-Forschung

Hamburg (ots) - Mit ihrer sozialen Intelligenz und ihren kommunikativen Fähigkeiten sind Frauen auf die anstehenden großen gesellschaftlichen Veränderungen der Zukunft besonders gut vorbereitet. Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung des Heidelberger Forschungsinstituts A & B im Auftrag der Zeitschrift BRIGITTE. Der Analyse liegt ein Langzeit-Vergleich der Untersuchungsergebnisse aus 25-jähriger BRIGITTE-Marktforschung zu Grunde, der zeigt, wie sehr sich Frauen in ihren Einstellungen und ihrem Verhalten seit Mitte der siebziger Jahre verändert haben. Frauen sind heute selbstbewusster, selbstsicherer und individualistischer als vor 25 Jahren und haben ein viel profilierteres Selbstbild. Sie versuchen, eigene Fähigkeiten und Charakterzüge stärker zu akzentuieren, sich echter, aber auch individualistischer zu erleben. Sie wollen nicht mehr nur anderen, sondern sich selbst gefallen. Sie kennen sich, ihre Fähigkeiten und Möglichkeiten, sie wissen um ihre Stärken und Schwächen und nehmen ihr Leben selbst in die Hand. Frauen fühlen sich heute jünger und sexuell attraktiver. Heute können Frauen wählen zwischen unterschiedlichen Lebensmodellen: als Single, in einer Partnerschaft, Familie oder anderen Strukturen, mit oder ohne Karriere. Alle diese Modelle sind gesellschaftlich akzeptiert. Eine Frau muss heute ihre Identität nicht aufgeben, um anders leben und arbeiten zu können. Karriere-Frauen sind keine Alibi-Frauen mehr, sondern werden geschätzt, gerade weil sie Frauen sind. Müttern steht mehr zu als nur Heim und Herd, sexuelle Attraktivität ist nicht mehr an die Fruchtbarkeit gebunden, sondern besteht auch unabhängig davon und darüber hinaus. Obwohl Frauen heute Optionen auf alle Lebensmodelle haben, sehen nach wie vor sehr viele in der klassischen Rolle der Familien-Frau ihren Lebenssinn. Von Frauen wird heute nicht mehr verlangt, dass sie sich früh auf eine bestimmte Lebensperspektive festlegen. Dass sich ihre Lebensmodelle verändert haben, wird an der wachsenden Bedeutung von Freundschaftsbeziehungen sichtbar. In einer Single-Gesellschaft schwächt sich für viele Frauen die Bedeutung der Familie in ihrer Funktion als zentralem Bezugspunkt ab. Frauen haben heute mehr Bekannte als Verwandte und verbringen auch mehr Zeit mit ihnen. Frauen müssen keine Kinder bekommen, aber sie können, wenn sie wollen. Das hat positive Wirkungen, denn die Entscheidung ist bewusster und freiwilliger als früher. Frauen bekommen ihre Kinder nicht, weil sich das so gehört, sondern weil sie das so wollen. Die jungen Frauen von heute sind undogmatischer und unidiologischer als die Frauenrechtlerinnen der 70er. Für sie ist heute vieles erreicht, was sich die Mütter noch mühsam erkämpfen mussten. Im Rahmen des Erreichten suchen sich junge Frauen ihren ganz eigenen Weg. Neun von zehn Frauen finden, die Frau sei in der Ehe ein Partner mit den gleichen Rechten wie der Mann. Zwar fordern die Frauen weitere Zugeständnisse der Männer, etwa in der Arbeitsteilung im Haushalt, lassen sich aber gleichwohl ihre überlegene Kompetenz in diesem Bereich nicht streitig machen, obwohl sie gleichzeitig die Hausarbeit als notwendiges Übel oder Zeitverschwendung abwerten. Die Hausarbeit gehört zwar nach Meinung der Frauen immer noch zur traditionellen Rolle, verliert aber an Bedeutung. Der Wert außerhäuslicher Beschäftigung steigt. Eine berufliche Perspektive ist für viele Frauen wichtig geworden: 1973 sagten 46 % und 1998 sogar 66 % der 14- bis 49-Jährigen: "Ich würde gern berufliche Aufgaben übernehmen, die mich voll und ganz beanspruchen." Heute meinen 85 % der 14- bis 49-Jährigen (14 % mehr als 1973), dass der Beruf für die Frau genauso wichtig ist wie für den Mann. Allerdings erlaubt es das erweiterte Rollenverständnis den Frauen auch, sich weiblicher und häuslicher zu geben: 48 % der 14- bis 49-jährigen Frauen sind heute noch der Meinung, es sei "das Natürlichste für eine Frau, für die Familie und den Haushalt zu sorgen" (1973: 59 %). "Eine Frau kann nur mit Kindern wirklich glücklich sein" sagten 1973 45 %, 1998 noch 39 % der 14- bis 49-Jährigen. Wird die Zukunft weiblich? Die großen Veränderungen der Gesellschaft werden einen Bedeutungszuwachs weiblicher Fähigkeiten mit sich bringen. Die Frau von morgen weiß, was sie will, und lebt danach. Mit ihrer sozialen Intelligenz und ihren kommunikativen Fähigkeiten ist sie auf zukünftige Aufgaben besonders gut vorbereitet. Organisation wird wichtig sein, wenn das Modell der neuen Frau funktionieren soll. Ein häufiger Rollenwechsel zwischen Familie, Freunden und Beruf erfordert viel Flexibilität, aber auch Planungskompetenz und persönliche Kontrolle. In einem härter gewordenen Arbeitsmarkt schwinden die Chancen auf ein festes Arbeitsverhältnis im Allgemeinen und im Besonderen für die Frauen. In der Konsequenz gehen Frauen auch beruflich ihre eigenen Wege, arbeiten vermehrt freiberuflich oder selbständig, weil ihnen diese Form der Selbstverwirklichung nach wie vor wichtig ist. Es bilden sich Frauen-Netzwerke - frauenspezifische Formen der Zusammenarbeit und Kommunikation. Frauen werden sich bei der Besetzung von Stellen gegenseitig unterstützen. Netzwerke organisieren den Joballtag und entlasten von den privaten Aufgaben. Die Tagesmutter oder der Tagespapa werden zur Institution. Die äußerliche Annäherung der Geschlechter in Gestalt androgyner Frauen oder Männer und die steigende Akzeptanz homosexueller Beziehungen löst traditionelle Lebensmuster auch in Zukunft mehr und mehr auf. Die Rollen sind austauschbar, nichts ist mehr eindeutig definiert und unveränderbar. Der Analyse liegt ein Vergleich der BRIGITTE-Frauentypologie von 1973 und der KommunikationsAnalyse '98 zu Grunde. Verglichen wurden die Einstellungen zur Wahrnehmung von Persönlichkeit, zum Rollenverständnis, zu Konsum und Werbung. Die Trends werden durch eine biografische und eine historische Betrachtung gestützt. Für Interviews stehen vom Forschungsinstitut A&B Susan Djawari und Andreas Meinheit unter Tel. 06221/83288 zur Verfügung. ots Originaltext: BRIGITTE Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Heinz Kirchner Leitung Presse und Information Tel.: 040/37 03-21 16 Fax:040/37 03-57 02 E-Mail: kirchner.heinz@brigitte.de Original-Content von: Gruner+Jahr, BRIGITTE, übermittelt durch news aktuell

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