Bundesagentur für Arbeit (BA)

Die Entwicklung des Arbeitsmarktes im Juni 2000 - Teil 4/10

      Manche Bewerber, die zunächst ausschließlich oder vorrangig
eine betriebliche Ausbildung anstreben, schlagen letztlich andere
Wege ein. Selbst in Zeiten für Bewerber günstiger
Ausbildungsplatzsituation ist dies der Fall. Mangelt es an passenden
Ausbildungsplätzen, weicht verständlicherweise ein wachsender Teil
der Bewerber auf Ersatzlösungen aus. Eindeutige Zuordnungen und
qualitative Differenzierungen nach den Ursachen für den alternativen
Verbleib sind mit statistischen Mitteln derzeit nicht möglich.
    
    Trotz schwieriger Situation auf dem Ausbildungsstellenmarkt kann
ein Teil der Ausbildungsstellen nicht besetzt werden, weil Angebot
und Nachfrage in berufsfachlicher, regionaler oder
qualifikationsspezifischer Sicht divergieren. Auch infrastrukturelle
Schwierigkeiten, insbesondere ungünstige Verkehrsbedingungen, spielen
eine Rolle. Hinzu kommen Vorbehalte seitens der Jugendlichen
gegenüber Betrieben oder Branchen, aber auch Einstellungsverzichte
von Betrieben mangels, aus ihrer Sicht, geeigneter Bewerber. Z.T.
treten Jugendliche die ihnen zugesagte Lehrstelle aber auch nicht an,
noch sagen sie rechtzeitig ab. Einige Betriebe finden dann nicht
rechtzeitig einen passenden Nachfolger.
        
    Noch nicht vermittelt waren Ende Juni 266.000 Bewerber, 5.900 oder
2 Prozent weniger als vor Jahresfrist; zugleich lag die Zahl der noch
nicht besetzten Ausbildungsstellen mit 142.700 deutlich, nämlich um
21.200 oder 18 Prozent, über dem Vorjahreswert. Somit ist die
rechnerische Lücke zwischen unbesetzten Ausbildungsstellen und nicht
vermittelten Bewerbern erneut deutlich kleiner als in den Vorjahren
und auch geringer als vor einem Monat.
    
    Die nach wie vor beträchtliche Differenz zwischen gemeldeten
Ausbildungsstellen und gemeldeten Bewerbern einerseits sowie zwischen
unbesetzten Ausbildungsstellen und noch nicht vermittelten Bewerbern
andererseits heißt nicht, dass in dieser Größenordnung jetzt oder
später Ausbildungsplätze fehlen (vgl. Kasten "Hinweise zum
Verständnis ..."). Geht man davon aus, dass die weiteren Zugänge von
Bewerbern und Stellen bis Ende September in der Größenordnung des
vergangenen Jahres erfolgen, werden für einen rechnerischen Ausgleich
am Ausbildungsstellenmarkt noch zusätzlich bis zu 5.000 Lehrstellen
benötigt.
    
    II. Alte Länder
    
    Weiterhin konjunkturell bedingte Besserung des Arbeitsmarktes
    
    Nachdem das Statistische Bundesamt keine aktuellen Angaben zur
Erwerbstätigkeit in den alten und neuen Ländern mehr liefert, ist man
auf die Statistiken der Beitragspflichtigen nach dem SGB III, der
Pflichtversicherten in der Gesetzlichen Krankenversicherung, der
sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sowie einzelner
Wirtschaftszweige angewiesen. Danach dürfte im Westen die
Erwerbstätigkeit im April 2000 deutlich über Vorjahresniveau gelegen
haben. Darüber hinaus haben sich die saisonbereinigten Anstiege der
jüngsten Zeit vermutlich ausschließlich auf die alten Länder
beschränkt. Die Zunahme der Zahl der Erwerbstätigen ist der klarste
Beleg für die positiven Einflüsse der Konjunktur am Arbeitsmarkt im
Westen.
    
    Die Arbeitslosigkeit hat im Juni weiter abgenommen. Das
Saisonbereinigungsverfahren ergibt aber nur einen leichten Rückgang
(-4.000), also wesentlich weniger als im Durchschnitt der Monate
zuvor (z.B. Oktober 1999 bis Mai 2000: -23.000). Möglicherweise hat
sich der relativ frühe Ferienbeginn in einigen Bundesländern bereits
belastend ausgewirkt. Vielleicht ist auch, wegen des schönen Wetters
im Mai, ein relativ großer Teil der saisonalen Belebung (Hotel- und
Gaststättenbereich, Tourismus) bereits in diesem Monat eingetreten.
    
    Nicht saisonbereinigt hat die Zahl der Arbeitslosen - wie
regelmäßig im Juni - abgenommen, und zwar um 32.600 auf 2.426.500.
Dieser Rückgang war schwächer als im letzten Jahr (-41.800). Somit
lag die Arbeitslosigkeit zuletzt mit -226.800 weniger unter dem
Vorjahresniveau (Mai: -236.000; April: -213.700). Die Entlastung
durch arbeitsmarktpolitische Instrumente war praktisch unverändert um
rd. 30.000 geringer.
    
    Seit dem letzten Höchststand im Januar 2000 hat die Zahl der
Arbeitslosen um rd. 400.000 abgenommen. Dieser Rückgang ist zu rd.
vier Fünftel jahreszeitlich bedingt. Der Rest geht - neben der
Verringerung des Kräfteangebots und einer leicht
überdurchschnittlichen Ausweitung der Arbeitsmarktpolitik - vor allem
auf die konjunkturelle Belebung zurück; größenordnungsmäßig lässt
sich dieser Effekt mit -50.000 beziffern.
    
    Die Arbeitslosenquote, bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen,
betrug im Juni 7,4 Prozent; auf der Basis der abhängigen zivilen
Erwerbspersonen belief sie sich auf 8,2 Prozent. Für Juni 1999 hatten
sich Quoten von 8,4 Prozent bzw. 9,5 Prozent ergeben (vgl. Anmerkung
in Teil I).
    
    Die Zahl der Arbeitslosmeldungen war auch im Juni kleiner als vor
einem Jahr. In der ersten Jahreshälfte beliefen sie sich auf 2,29
Mio, dies sind 159.100 oder 7 Prozent weniger. Dabei waren die
Zugänge aus Erwerbstätigkeit zuletzt etwas größer als vor einem Jahr;
seit Jahresbeginn meldeten sich aber weniger zuvor Beschäftigte
arbeitslos (ohne betriebliche und außerbetriebliche Ausbildung:
-36.600 oder -3 Prozent auf 1,08 Mio).

Es folgt Teil 5

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