Immobilienbranche trotz leichter Eintrübung optimistisch
Berlin (ots) - Expertenumfrage zum deutschen Gewerbeimmobilienmarkt:
- Steigende Transaktionsvolumina erwartet - außer im Hotelsegment - Anziehende Preisentwicklung verlangsamt sich auf 12-Monats-Sicht - Berlin verdrängt Frankfurt von Platz 3 im regionalen Ranking - Wohnen bleibt attraktivstes Segment
Die Stimmung am deutschen Gewerbeimmobilienmarkt bleibt optimistisch, wenngleich der Aufschwung perspektivisch leicht an Dynamik verlieren dürfte. Das ist ein Ergebnis der aktuellen Expertenbefragung von Berlin Hyp und Landesbank Berlin AG (LBB). So ist für über 80 Prozent der Befragten der deutsche Gewerbeimmobilienmarkt nach wie vor attraktiver als andere europäische Märkte (2. HJ 2010: 77 Prozent). Gut ein Viertel bewertet ihn sogar als "deutlich attraktiver".
Erwartung höherer Transaktionsvolumina verfestigt sich
Nach Ansicht der Befragten wird das Transaktionsvolumen insbesondere in den Segmenten Wohnen (77 Prozent) und Büro (60 Prozent) in den kommenden zwölf Monaten zunehmen. Bei Einzelhandel und Logistik rechnen 56 beziehungsweise 58 Prozent mit steigenden Volumina. Einzig im Hotelmarkt weist der Trend weiter in Richtung Stabilisierung. Insgesamt haben sich damit alle Werte deutlich verbessert. Die positive Bewertung des Investmentmarktes spiegelt nicht zuletzt auch die anhaltend gute Entwicklung der deutschen Wirtschaft und des deutschen Immobilienmarktes in der ersten Jahreshälfte wider. Dennoch bleibt die Sorge der letzten Wochen um die Staatsschuldenkrise einzelner Mitgliedsländer der Währungsunion ein dominanter Einflussfaktor - nicht nur für den Kapitalmarkt. "Ob die letzten Entscheidungen der Eurozone wirklich ausreichen, um die Kapitalmärkte nachhaltig zu beruhigen, bleibt nach den bisherigen Erfahrungen mit Rettungsprogrammen abzuwarten. Auch die anstehenden Finanzmarktreformen - wie Basel III oder Solvency II - bergen die Gefahr der Überregulierung und steigender Refinanzierungskosten, welche in der Folge das Kreditangebot für die deutsche Wirtschaft mindestens verteuern, eventuell sogar einschränken dürften", so Jan Bettink, Mitglied des Vorstands der LBB.
Preisentwicklung in Zwölf-Monats-Sicht leicht eingetrübt
Als Ausläufer der guten ersten Jahreshälfte fällt die aktuelle Bewertung der Kauf- und Mietpreisentwicklung positiv aus. So erwarten die Befragten für alle Segmente gleichbleibende bzw. steigende Miet- und Kaufpreise. In der Zwölf-Monats-Prognose trübt sich die Beurteilung dann leicht ein. Dennoch wird der deutsche Immobilienmarkt mittelfristig seine positive Entwicklung fortsetzen können - das glauben 91 Prozent der Befragten. In der Betrachtung nach Segmenten schneidet Wohnen erneut am besten ab. Gut 80 Prozent der Befragten prognostizieren hier steigende Mieten und Preise. "Für die Nachfrageentwicklung im Segment Wohnen ist die Anzahl der Haushalte entscheidender als die Entwicklung der Einwohnerzahlen. Dem anhaltendenden Trend der Haushaltsverkleinerung steht das geringe Fertigstellungsvolumen der letzten Jahre gegenüber. So hat trotz des demografischen Wandels die Nachfragesituation am Wohnungsmarkt auf breiter Front gedreht und bietet nach Jahren der Stagnation aktuell Preissteigerungspotenziale", erläutert Gero Bergmann, Vorstandsmitglied der Berlin Hyp das Ergebnis. Dass die Entwicklungen am Wohnungsmarkt mittelfristig zu erhöhtem Flächenbedarf führen werden, glauben 69 Prozent der Befragten.
Berlin verdrängt Frankfurt aus Top 3 Ranking
Im regionalen Ranking konnten München (85 Prozent) und Hamburg (76 Prozent) ihre Spitzenplätze verteidigen, gefolgt von Berlin (67 Prozent), das Frankfurt damit erstmals von Position drei verdrängt. "Berlin ist eine der aufstrebenden Wirtschaftsregionen Deutschlands mit hohem Aufholpotenzial. Verglichen mit anderen europäischen Metropolen ist Berlin jung und unfertig. Diese Unvollkommenheit bietet Investoren gute Chancen", so Bergmann. Die Regionen Dresden und Leipzig fallen weiterhin stark ab, werden jedoch hinsichtlich der Beurteilung ihres Entwicklungspotenzials deutlich positiver bewertet als noch vor 6 Monaten. Ihr Engagement künftig verstärken werden nach Ansicht der Experten vor allem ausländische Investoren (80 Prozent), private Investoren und Family Offices (76 beziehungsweise 72 Prozent). 59 Prozent der Befragten erwarten zudem, dass die veränderte Gesetzeslage bei offenen Fonds keine negativen Auswirkungen auf den Immobilienmarkt haben wird.
Zinsentwicklung bleibt wichtigster Bestimmungsfaktor
Die Zinsentwicklung bleibt nach Ansicht der Experten der wichtigste Bestimmungsfaktor für die weitere Entwicklung des deutschen Gewerbeimmobilienmarktes. Dabei gehen 68 Prozent der Experten davon aus, dass die Langfristzinsen in den nächsten fünf Jahren steigen werden. Vor sechs Monaten waren nur 48 Prozent der Befragten dieser Ansicht. Auch Wirtschafts- und Inflationsentwicklung bleiben treibende Kräfte. Die hohe Kaufkraft in Deutschland wird nach Auffassung der Teilnehmer auch zukünftig für ein verstärktes Investment in Handelsimmobilien sorgen (Zustimmung: 74 Prozent). An eine anziehende Büroflächennachfrage glauben hingegen nur 41 Prozent der Befragten. 47 Prozent (Befragung 2. HJ 2010: 54 Prozent) schätzen, dass der Markt für Value Add bzw. opportunistische Investments auch in der zweiten Jahreshälfte noch unattraktiv bleiben wird. "Trotz vereinzelter Belebungsversuche im Value Add-Bereich, konzentrieren sich Investoren nach wie vor auf Core Objekte. Der Nachfrage in diesem Segment steht jedoch ein geringes Angebot gegenüber mit den entsprechenden preistreibenden Effekten. Die Renditeabstände zwischen Core- und Value Add Objekten sind auf einem historischen Hoch. Die anhaltende Zurückhaltung in diesem Marktbereich zeigt jedoch, dass die Finanzkrise tiefe Spuren hinterlassen hat und die Verunsicherung noch nicht ganz aus dem Markt gewichen ist", so Jan Bettink.
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