Weisser Ring e.V.

1.760 Mal menschlicher Beistand und persönliche Betreuung für Kriminalitätsopfer in Schleswig-Holstein

Rendsburg (ots) - "Unsere Arbeit ist meistens still, ohne Aufsehen und weitestgehend ohne Öffentlichkeit, aber sie bringt den Kriminalitätsopfern und deren Familien viel Zuspruch und Trost, den sie so dringend benötigen." Darauf wies Uwe Döring, Landesvorsitzender des WEISSEN RINGS Schleswig-Holstein bei der Vorstellung der Opferbilanz 2013 hin. "Kriminalitätsopfer haben vielfach durch die Tat ihre Würde verloren und leiden, manche ein Leben lang. Unsere gemeinsame Aufgabe ist es, mitzuhelfen, damit die Opfer von Gewalttaten wieder ihre Würde - soweit es geht - zurückerhalten können."

In 1.760 Fällen nahmen Kriminalitätsopfer in Schleswig-Holstein im vergangenen Jahr die vielfältigen Hilfen des WEISSEN RINGS in Anspruch (2012 = 1674). Damit steigt die Zahl der Hilfeleistungen des WEISSEN RINGS SH in den vergangenen Jahren trotz Rückgangs der Kriminalstatistik weiter. Bei den Delikten stehen einmal mehr die Sexualstraftaten (423) an der unrühmlichen Spitze (Vorjahr 399), gefolgt von den Körperverletzungen (369). Eine deutliche Zunahme gab es auch beim Stalking mit 182 Opferfällen (134).

"Natürlich standen dabei einmal mehr der menschliche Beistand und die persönliche Betreuung im Mittelpunkt unserer Arbeit", betonte Döring, "aber in vielen Fällen waren weitere Hilfen nötig."

Insgesamt wurden 223.618 Euro an Opferhilfen für Kriminalitätsopfer zur Verfügung gestellt. Darin enthalten sind 94.150 Euro für Beratungsschecks (anwaltliche Erstberatung sowie psychotraumatologische Erstberatung bei seelischen Belastungen infolge einer Straftat). Sie haben einen Wert von je 150 Euro. In 412 Fällen waren die OpferhelferInnen des WEISSEN RINGS SH behilflich bei einem Antrag nach dem Opferentschädigungsgesetzt (OEG), der beim Landesamt für soziale Dienste eingereicht wird. Für die ehrenamtliche Arbeit waren die OpferhelferInnen des WEISSEN RINGS SH ca. 25.522 Stunden (das entspricht ca. 13 Vollzeitstellen) im Einsatz. Beeindruckend war der erstmals in Kiel gemeinsam mit der Nordkirche durchgeführte Gedenkgottesdienst in der St. Nicolai-Kirche zum Tag der Kriminalitätsopfer am 22. März. Bereits zum neunten Mal wurde die bundesweit viel beachtete Ausstellung "Opfer" in SH gezeigt. Nach Kiel, Brunsbüttel, Heide, Altenholz, Bordesholm, Lübeck, Husum und Sylt war sie nun in Pinneberg.

Mit Sina Kühl hat der WR SH eine neue Jugendbeauftragte. Im Stadion des VfR Neumünster wurde eine gemeinsame Werbebande des VfR und des WR SH mit dem Text "VfR Neumünster und WEISSER RING gegen Gewalt und Kriminalität" angebracht.

Neben der mitmenschlichen praktischen Hilfe für Kriminalitätsopfer und ihren Familien kämpft der WEISSE RING für ein stärkeres öffentliches Bewusstsein für die Situation der Opfer und fordert eine bessere rechtliche und soziale Absicherung durch unser Gemeinwesen.

Eine weitere fachpolitische Forderung ist die Einführung eines "Fachanwalts für Opferrecht". Nur ein solcher Fachanwalt kann die Opfer von Gewalt und Kriminalität bei der Wahrnehmung ihrer Rechte im Ermittlungs- und Strafverfahren optimal unterstützen und auch die zentralen Fragen des sozialen Entschädigungsrechts sowie der zivilrechtlichen Ansprüche auf Schadensersatz und Abwehr von Beeinträchtigungen bestmöglich durchsetzen. Der WEISSE RING ist hierzu in Gesprächen mit der Bundesrechtsanwaltskammer.

Dankenswerte Unterstützung seiner Arbeit erfährt der WEISSE RING durch Politik, Verwaltung, Polizei, Justiz, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien. Der WEISSE RING finanziert sich ausschließlich über Mitgliedsbeiträge, Spenden, Geldbußen und testamentarische Verfügungen. Daher war es besonders erfreulich, dass der WEISSE RING auch im vergangenen Jahr in allen Bereichen Unterstützung fand. In den zurückliegenden Jahren hat der WR die Kooperation mit der Landespolizei SH intensiviert. "Die Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten haben in aller Regel den Erstkontakt zu den Kriminalitätsopfern", so der Landesvorsitzende.

Die Erfahrung zeigt immer wieder, dass es Opfern von Straftaten oft sehr schwer fällt, mit anderen Menschen über die erlittene Tat und die sich daraus ergebenden Folgen zu sprechen.

"Wir wissen aber auch, dass es meist noch schwerer ist, mit diesen Problemen alleine zurecht kommen zu müssen", erläutert Uwe Döring, "daher sind menschlicher Zuspruch und praktische Unterstützung so wichtig. Viele der Menschen, die bei uns Hilfe suchen, sind traumatisiert. Deshalb hatte der WEISSE RING im vergangenen Jahr auch die Einrichtung von Traumaambulanzen in Schleswig-Holstein gefordert. Es ist daher erfreulich, dass vor wenigen Wochen die Sozialministerin die Eröffnung von vier Traumaambulanzen bekanntgegeben hat. Dieses ist ein Schritt in die richtige Richtung. Die jetzt vorgesehene Konstruktion reicht aber bei weitem noch nicht aus! Die neuen Traumaambulanzen sind für Opferfälle gedacht, die unter das Opferentschädigungsgesetz fallen. Aber es gibt daneben eine Vielzahl weiterer Opferfälle vom Wohnungseinbruch bis zur nichtangezeigten Vergewaltigung, denen weder über das Opferentschädigungsgesetz und offenbar auch nicht durch die neuen Angebote geholfen werden kann. Hier bleibt noch viel zu tun."

Der Landesvorsitzende betonte weiter, dass der WEISSE RING auch in Zukunft mit seinen 160 professionell ausgebildeten ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern stets an der Seite der Opfer stehen und schnell, vielfältig und direkt helfen wird. Döring: "Ich bedanke mich bei allen, die den WEISSEN RING auf so vielfältige Weise unterstützt haben, besonders bei allen Spendern und Mitgliedern."

Opferfälle, die Delikte sowie den Hintergrundkasten finden Sie unter www.weisser-ring.de/schleswig-holstein und dort unter "Unsere Opferhilfen."

Pressefotos finden Sie unter

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Uwe Döring, Landesvorsitzender des WEISSEN RINGS Schleswig-Holstein,
Rückfragen bitte an das Landesbüro, Telefon 04331 / 434 9909

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