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    München (ots) -
    
    Politwerbung: Parteien sind Marken, Wähler sind Kunden
    
    "Pferdeäpfel in Stanniol einwickeln und als Golden Delicious
verkaufen, kann auch die politische Kommunikation nicht." Lapidar
bringt Volker Hoff, Chef der Wiesbadener Agentur Zoffel Hoff Partner
die Grenzen der Werbung für Parteien auf den Punkt. Wenige Tage vor
der Wahl in Nordrhein-Westfalen am 14. Mai nahmen Werbeprofis am
w&v-Roundtable zu den Besonderheiten der politischen Kommunikation
Stellung: Neben Hoff, dessen Agentur die CDU mit geschätzten sieben
Millionen Mark bewirbt, diskutierten Rainer Henselek von KNSK Slagman
in Hamburg (die SPD-Agentur hat geschätzte neun Millionen Mark zur
Verfügung), Heimat-Chef Andreas Mengele aus Berlin (das FDP-Budget
der Heimat soll deutlich unter drei Millionen Mark liegen) und
Christian Boros von Boros in Wuppertal (die Agentur wirbt für Bündnis
90/Die Grünen und dürfte über rund zwei Millionen Mark
Kampagnenbudget verfügen).
    
    Ein Fazit der Diskussionsrunde: Die politische Klientel betreibt
Wahlwerbung zusehends professioneller. Die Parteien begreifen sich (
was die Kommunikation angeht ( heute zumeist als Marken, ihre Wähler
als Kunden und die Spitzenkandidaten als Produkte. Auch die Zeiten,
in denen Agenturen nach dem Parteibuch der Inhaber ausgesucht wurden,
sind vorbei. SPD-Kommunikator Henselek lobt: "Parteien werden stärker
nach Managementgesichtspunkten geführt als früher."
    
    Unterschiede zur klassischen Werbung gibt es aber durchaus. So
sieht sich Christian Boros besonderen Härten bei den
basisdemokratischen Grünen ausgesetzt: Der Wuppertaler Agentur-Chef
muss "vor über hundert Leuten präsentieren. Das ist schwer, macht
aber auch Spaß."
    
    Auch die Einbindung der Medien ist von anderen Mechanismen
bestimmt, wie Andreas Mangele weiß. Da er nur über ein knappes Budget
verfügen kann, vertritt er das Prinzip der gezielten Provokation:
"Unser Hitler-Plakat löste ein brutales Pressegemetzel aus, führte
aber dazu, dass der Spitzenkandidat Möllemann 70 Interviewanfragen
erhielt."
    
    Einig sind sich alle Teilnehmer, dass Agenturen von "politischer
Kommunikation allein nicht leben können ( sie brauchen die
wirtschaftliche Unabhängigkeit", daran lässt Volker Hoff keinen
Zweifel, "es könnte der Zeitpunkt kommen, an dem sie sagen müssen:
Wenn ihr das so machen wollt, dann ohne uns."
    
    Big Brother: Die Vermarktungsstrategien runden den Erfolg ab
    Allen Diskussionen um Menschenwürde und Voyeurismus zum Trotz -
der wirtschaftliche Erfolg des Big Brother-Rummels kann sich sehen
lassen: Produktionskosten von geschätzten 35 Millionen Mark bringen
RTL2 einen Werbeumsatz von mindestens 50 Millionen. Die Umsätze mit
Zeitschriften, CDs und Merchandising dürften ebenfalls im
zweistelligen Millionenbereich liegen.
    
    Bereits in der Startphase lag die durchschnittliche Reichweite der
Big Brother-Werbeinseln bei 1,13 Millionen Zuschauern zwischen 14 und
49 Jahren; bei den ganz jungen Fans zwischen 14 und 29 Jahren betrug
der Marktanteil vom Start weg knapp 33 Prozent mit Spitzenwerten bis
zu fast 44 Prozent, ( bei einem TKP von 15,54 Euro. Die Unternehmen,
die im Umfeld des Containerspektakels ihre Produkte bewerben oder als
Sponsoren auftreten ( Otelo, Fiat, Talkline, AXA Colonia ( schätzen
BB denn auch als "innovatives Programmkonzept, das optimal junge,
trendige Zielgruppen anspricht".
    
    Auch für die erfolgreiche Verknüpfung von WWW und TV liefert BB
den Beweis: Über 170 Millionen Page Impressions verzeichneten die
offiziellen Homepages in den ersten 70 Tagen. Davon profitierten die
Werbebanner immens: Die Page Impressions des Web-Immobilienhändlers
ImmobilienScout 24 steigerten sich im März um 40 Prozent auf 4,5
Millionen.
    
    Rainer Laux, der Big Brother bei Endemol für RTL2 produziert,
schätzt denn auch im Interview, dass es "zu 90 Prozent eine nächste
Staffel geben wird; wie, wo und wann wird demnächst entschieden".
    
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