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Neue Presse Hannover: Kommentar zu Christian Wulff/Bundespräsident

Hannover (ots) - Der nächste Bundespräsident muss ein Niedersachse sein. Zwei Tage lang schien bei der Suche nach einem Nachfolger für Horst Köhler alles auf Ursula von der Leyen zuzulaufen. Nun wird also Christian Wulff in Schloss Bellevue einziehen. Ein Osnabrücker aus Hannover. Ein Mann, der in der Vergangenheit nicht müde wurde, die Verbundenheit zu seinem Land und zu seinem Amt hervorzuheben. Ein Mann, der auf die gerne gestellte Kanzlerfrage Karriereambitionen stets weit von sich gewiesen hat. Und am Ende wohl auch ein Mann, der mit Macht das höchste Amt im Staat anstrebte. Wulff for President - was für ein famoses Finale? Über Jahre hinweg hatte sich der Christdemokrat in der Opposition gequält. Ein blasser Rechtsanwalt aus der Provinz auf verlorenem Posten gegen das überragende Alphatier Gerhard Schröder. Eine Qualität des Christian Wulff aber war auch damals, in der Zeit der Niederlagen, schon deutlich erkennbar: Er hat nie aufgegeben, ist immer wieder aufgestanden. Er hat hart und extrem diszipliniert gearbeitet. Und: Er wollte nach oben. Nun ist er angekommen. Vielleicht nicht da, wo er wirklich hin wollte. Aber immerhin in Berlin. Ihm fehle für die Kanzlerschaft das nötige Machtbewusstsein, hat Wulff mal in einem Interview behauptet. Aber diese Kanzler-kann-ich-nicht-Attitüde darf im Nachhinein getrost als Koketterie und strategisch wertvoll angesehen werden. Nein, Wulffs Problem trägt Hosenanzug. An der Machtexpertin Merkel wäre er so schnell nicht vorbeigekommen. Und so bot sich durch Horst Köhlers überraschenden Rücktritt eine einmalige Chance. Wenn es stimmt, dass die Kandidatin der Kanzlerin eigentlich Ursula von der Leyen hieß, darf sich Wulff in dieser Situation als großer Gewinner fühlen. Zugleich aber wirft sein Erfolg ein erhellendes Licht auf die Lage der Regierung. Schwarz-Gelb, gebeutelt von Haushalts- und Euro-Sorgen, taumelt durch die Krise. Und  Angela Merkel ist von einstiger Führungsstärke weit entfernt. Bedingt durchsetzungsfähig lautet die Diagnose. Welche Folgen wird Wulffs Wechsel nach Berlin für Niedersachsen haben? Nun, der nächste Ministerpräsident wird David McAllister heißen. Was heutzutage keinen großen Anlass zu Besorgnis mehr geben muss. McAllister hat sich längst vom Bierzelt-Rhetoriker zum smarten Politprofi gemausert. Er wird in das Amt hineinwachsen. Aber, so viel ist sicher, die nächste Landtagswahl wird damit erheblich spannender werden. Vor allem, wenn es der SPD gelingt, einen ähnlich populären Politiker wie Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil ins Rennen zu schicken. Was Christian Wulff angeht, dürfen wir im Übrigen guter Hoffnung sein. Der kann Bundespräsident. Und so, wie er sich in jüngerer Vergangenheit präsentiert hat, könnte man fast glauben, er habe schon die ganze Zeit geübt.

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