Ärzte ohne Grenzen

G8-Staaten müssen politische Versprechen umsetzen

    Berlin (ots) - Die Regierungen der G8-Staaten müssen ihren
Ankündigungen endlich Taten folgen lassen und den Zugang zu
effektiven und bezahlbaren Medikamenten in Entwicklungsländern
sicherstellen. Dies fordert die internationale medizinische
Hilfsorganisation ÄRZTE OHNE GRENZEN anlässlich des G8-Gipfels in
Kanada.
    
    Ein Drittel der Weltbevölkerung verfügt heute über keinen
angemessen Zugang zu wichtigen Medikamenten, in einigen Ländern
Afrikas trifft dies sogar auf 50 Prozent der Bevölkerung zu. Für die
große Mehrheit der HIV-Infizierten außerhalb der G8-Staaten ist eine
Behandlung mit den gängigen antiretroviralen Medikamenten ein
unerreich-barer Traum. 20 Jahre nach dem Ausbruch der Aids-Epidemie
ist die Verbreitung der Krankheit noch immer nicht eingedämmt: 20
Millionen Menschen sind bereits gestorben, weitere 40 Millionen sind
heute weltweit HIV-infiziert. Nur ein Bruchteil der Infizierten und
Kranken hat Zugang zu einer Behandlung.
      
    Nach Schätzungen der Vereinten Nationen werden allein zur
Bekämpfung von Aids weltweit zehn Milliarden US-Dollar jährlich
benötigt. Für das Jahr 2002 jedoch haben die Regierungen der
G8-Staaten gerade einmal 580 Millionen US-Dollar bewilligt. Diese
Summe entspricht einem Fehlbetrag von fast 96 Prozent.
    
    "Dieses politische Versagen ist beschämend. Der Globale Fond(1)
verfügt über zu wenig Geld. Zudem hat er keine klaren Richtlinien,
die sicherstellen, dass preisgünstige Generika von hoher Qualität den
teureren, patentierten Originalpräparaten beim Einkauf von
Medikamenten vorgezogen werden", erklärte der Arzt James Orbinski,
Vorsitzender der Arbeitsgruppe für vernachlässigte Krankheiten bei
ÄRZTE OHNE GRENZEN. Durch den Kauf von Generika könnten mit der
gleiche Summe öffentlicher Gelder dreimal so viele Patienten mit
antiretroviralen Medikamenten behandelt werden.
    
    Parallel zur Finanzierung müssen die G8-Staaten nach Ansicht von
ÄRZTE OHNE GRENZEN Ausnahmen zu Patentrechten gewährleisten, wie dies
von der WTO-Ministerkonferenz in Doha im November 2001 gefordert
worden war. Die G8-Staaten sollten den Entwicklungsländern zudem
volle politische und technische Unterstützung geben, damit diese ihre
Kapazitäten zur Produktion von wichtigen Medikamenten erhöhen und
verbessern können. Dies bedeutet eine umfassende Strategie zum
pharmazeutischen Technologietransfer in Entwicklungsländer. Nur so
könne eine nachhaltige Versorgung mit Qualitätsmedikamenten
sichergestellt werden.

    (1) Der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, TB und Malaria
wurde beim G8-Gipfel in Genua 2001 offiziell eingerichtet. Schirmherr
des Globalen Fonds ist UN-Generalsekretär Kofi Annan.
    
    
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