Ärzte ohne Grenzen

Malaria in Ostafrika: ÄRZTE OHNE GRENZEN fordert Änderung der Behandlungsprotokolle
Unterstützung der Geberländer notwendig

Nairobi/Berlin (ots) - Politiker und Malariaexperten ostafrikanischer Länder beraten in dieser Woche in Nairobi über eine Änderung der Behandlungs-protokolle für Malaria in Ostafrika. Die internationale medizinische Organisation ÄRZTE OHNE GRENZEN fordert, dass die Protokolle zukünftig Kombinationstherapien mit dem Wirkstoff Artemisinin beinhalten sollten. Experten sind sich einig, dass dies für die wirksame Behandlung der Malaria in der Region heutzutage unerlässlich ist. Für die Umstellung der Protokolle auf die kostenintensivere Therapie mit Artemisinin-Derivaten ist laut einem heute veröffentlichten Bericht von ÄRZTE OHNE GRENZEN die Unterstützung der Geberländer notwendig. Jedes Jahr sterben 1,3 bis 1,8 Millionen Kinder in afrikanischen Ländern an Malaria. Aufgrund hoher Resistenzen der Erreger haben die herkömmlichen, kostengünstigen Arzneimittel wie Chloroquin und Fansidar(R) in den vergangenen Jahren ihre Wirkung in ostafrikanischen Ländern verloren. Doch weil finanzielle Mittel fehlen und die Geberländer preisgünstige Lösungen vorziehen, erwägen viele Gesundheitsminister, die kostenintensivere Therapie mit Artemisinin-Derivaten nicht in die Behandlungsprotokolle aufzunehmen. "Es ist schwer für mich zu akzeptieren, dass es wirksame Medikamente gibt, die ich zur Behandlung meiner Patienten jedoch nicht verwenden kann, weil sie in den nationalen Protokollen nicht vorgesehen sind", sagt Dr. Diane Cheynier von ÄRZTE OHNE GRENZEN in Burundi. Bislang haben die hohen Kosten die Einführung der neuen Therapie verhindert. Während herkömmliche Therapien 0,25 US-Dollar pro Behandlung kosten, liegt der Preis für wirksame Kombinationen mit Artemisinin-Derivaten bei rund 1,30 US-Dollar. Doch der heute von ÄRZTE OHNE GRENZEN vorgelegte Bericht macht deutlich, dass sich die zusätzlichen Kosten zur Implementierung der Therapien in Kenia, Burundi, Ruanda Tansania und Uganda zusammen auf nur 19 Millionen US-Dollar belaufen würden. "Die Umstellung der Behandlungsprotokolle von Medikamenten, die in Ostafrika nur noch einen Placebo-Effekt haben, hin zu wirksamen Arzneimitteln kann mit der Hilfe der Geberländer bezahlt werden. Damit könnte verhindert werden, dass Tausende an Malaria sterben", sagt Jean-Marie Kindermans, Autor des Berichts. Artemisinin, das aus einer chinesischen Pflanze gewonnen wird, wird in asiatischen Ländern seit mehr als zehn Jahren zur Behandlung der Malaria eingesetzt. Der hochpotente Wirkstoff kann in Kombination mit anderen Medikamenten die Bildung von Resistenzen verlangsamen. Deshalb gehen Experten davon aus, dass Kombinations-therapien mit Artemisinin-Derivaten langfristig wirksam sind. Bis heute sind keine Resistenzen gegenüber Artemisinin bekannt. ots Originaltext: Ärzte ohne Grenzen Im Internet recherchierbar: http://www.presseportal.de Weitere Informationen: in Berlin: Kattrin Lempp, Beate Wagner, Tel.: 030 - 22 33 77 00 in Nairobi: Malini Morzaria: +254 72 513 981 Der Bericht "Changing national malaria treatment protocols in Africa: What is the cost and who will pay?" ist unter www.aerzte-ohne-grenzen.de zu finden. Original-Content von: Ärzte ohne Grenzen, übermittelt durch news aktuell

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