Ärzte ohne Grenzen

Alarmierender Anstieg der Unterernährung im Lager Mazlakh trotz ausreichender Nahrungsmittel

    Herat/Berlin (ots) - Im Vertriebenenlager Mazlakh nahe der Stadt
Herat im Westen Afghanistans nimmt die Zahl der Unterernährten
alarmierend zu. Dies ist um so Besorgnis erregender, als es genügend
Nahrungsmittel im Lager selbst gibt. Hierzu legte die internationale
Organisation ÄRZTE OHNE GRENZEN eine neue Studie vor.
    
    1.869 Kinder wurden durch die repräsentative Untersuchung erfasst.
Das Ergebnis ist alarmierend: 26,4 Prozent der Kinder sind
unterernährt, 6,6 Prozent sogar schwer unterernährt. Diese Werte sind
nach Angaben von ÄRZTE OHNE GRENZEN insofern Besorgnis erregend, da
die Unterernährungsrate bei den Neuankömmlingen im Lager Mazlakh
unter zehn Prozent liegt.
    
    "Es ist absurd, dass die Unterernährung der Menschen zunimmt, je
länger sie sich im Lager aufhalten", sagte Stefano Savi,
Projektleiter von ÄRZTE OHNE GRENZEN in Herat. "Es ist ganz klar,
dass die Vertriebenen in Mazlakh Gefahr laufen, unterernährt und in
der Folge krank zu werden. Im schlimmsten Fall müssen sie mit dem Tod
rechnen."
    
    Rund 160.000 Menschen sind vor der Dürre und Unsicherheit in ihren
Heimatregionen nach Mazlakh geflohen. In Mazlakh werden
Nahrungsmittel für bis zu 300.000 Vertriebene zur Verfügung gestellt.
Die Studie zeigt, dass die Nahrungsmittel ungleich verteilt werden
und die Bedürftigsten keinen Zugang dazu haben. Dies liegt vor allem
an der hohen Kriminalität, Korruption und den ethnischen Spannungen
im Lager. So haben beispielsweise viele Menschen Angst, ihre Zelte zu
verlassen, um Hilfe in Anspruch zu nehmen. Obwohl es in den
Ernährungszentren von ÄRZTE OHNE GRENZEN eine Kapazität für mehr als
200 Kinder gibt, wurden bislang nur 80 Kinder aufgenommen. Der Studie
zufolge erfüllen jedoch Hunderte die Aufnahmekritierien.
    
    ÄRZTE OHNE GRENZEN fordert, dass die Internationale Organisation
für Migration (IOM), die UN-Organisationen sowie die lokalen Behörden
ihre Bemühungen verstärken, den Vertriebenen in Mazlakh effektive
Hilfe zukommen zu lassen. Da die Anzahl der unterernährten Menschen
innerhalb des Lagers erschreckende Ausmaße annimmt, sollte zuerst das
Sicherheitsproblem im Lager gelöst werden. Nur so können die
Nahrungsmittel gerecht verteilt und die Bedürftigsten erreicht
werden.
    
    Das Beispiel Mazlakh zeigt, dass trotz des internationalen
Optimismus und der Millionen US-Dollar, die zum Wiederaufbau
Afghanistans versprochen wurden, die Menschen immer noch dringend auf
humanitäre Hilfe angewiesen sind. Die internationale Hilfe muss sich
neben dem Wiederaufbau des Staatsapparats und des Landes vor allem
auf die akuten humanitären Bedürfnisse konzentrieren.
    
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