Ärzte ohne Grenzen

Afghanistan: US-Bericht zu Bombardierung der Klinik in Kundus ungenügend - Ärzte ohne Grenzen fordert weiterhin unabhängige Untersuchung

Berlin (ots) - Der am Mittwochabend vorgestellte Bericht der USA zu den Angriffen auf die Klinik von Ärzte ohne Grenzen im afghanischen Kundus ist ungenügend. "Er wirft mehr Fragen auf als er Antworten liefert", kritisiert Florian Westphal, Geschäftsführer der deutschen Sektion. Die internationale Hilfsorganisation fordert daher weiterhin eine unabhängige internationale Untersuchung der Bombardierung am 3. Oktober 2015. Auch die deutsche Regierung muss dafür ihren Einfluss geltend machen. Bei dem Angriff auf die Klinik wurden 30 Menschen getötet, darunter 14 Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen und mindestens 10 Patienten, darunter auch Kinder.

"Um Krankenhäuser im Kriegsgebiet in Afghanistan betreiben zu können, müssen wir vom US-Militär wissen, ob es dasselbe Verständnis von den in den Genfer Konventionen festgelegten Regeln im Krieg hat wie wir. Doch General Campbell hat in seiner Erklärung das humanitäre Völkerrecht überhaupt nicht erwähnt, er bezieht sich stattdessen auf die geheimen Einsatzregeln der US-Armee. Das reicht nicht aus", so Westphal. "Wir fordern daher weiterhin eine unabhängige Untersuchung, die nicht von den Beteiligten selbst durchgeführt wird. Die Bundesregierung muss Druck auf die USA ausüben, damit diese endlich die Arbeit der genau für solche Fälle geschaffenen Internationalen Humanitären Ermittlungskommission zulässt."

Laut der US-Armee hat eine Verkettung von menschlichem und technischem Versagen sowie von Verstößen gegen eigene Einsatzregeln zu einem irrtümlichen Beschuss der Klinik geführt. Dazu erklärt Christopher Stokes, Geschäftsführer der für die Klinik verantwortlichen belgischen Sektion von Ärzte ohne Grenzen: "Es ist schockierend, dass ein Angriff der US-Streitkräfte ausgeführt werden kann, obwohl diese weder Sichtkontakt zum Zielobjekt noch Zugang zu der Liste der Objekte haben, die nicht angegriffen werden dürfen, und außerdem die Kommunikationssysteme versagen. In Kundus sind 30 Menschen getötet worden und jetzt Hundertausende ohne Zugang zu lebensrettender Hilfe, offenbar nur, weil unser Krankenhaus schlicht und einfach das nächstgelegene große Gebäude neben einem freien Feld war und grob einer Beschreibung des eigentlichen Zieles entsprach. Die erschreckende Abfolge an Fehlern zeigt grobe Fahrlässigkeit seitens der US-Streitkräfte und Verletzungen der völkerrechtlichen Regeln der Kriegsführung."

Die USA haben Ärzte ohne Grenzen bislang weder den Untersuchungsbericht noch Teile daraus zur Verfügung gestellt. General John Campbell informierte Vertreter der Organisation lediglich kurz vor der gestrigen Pressekonferenz in Kabul telefonisch über erste Ergebnisse. Ärzte ohne Grenzen hat eine Kopie des Berichts angefordert und besteht darauf, dass er veröffentlicht wird.

Ärzte ohne Grenzen hat am 5. November einen eigenen vorläufigen Untersuchungsbericht der Ereignisse in Kundus veröffentlicht und ihn auch den amerikanischen Streitkräften geschickt.

Pressekontakt:

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