Ärzte ohne Grenzen

Afghanistan: Viele Zivilisten bei Bombardierung von Tora Bora verwundet

    Berlin (ots) - Die internationale Organisation ÄRZTE OHNE GRENZEN
fordert die Kriegsparteien in Afghanistan auf, Zivilisten im
umkämpften Gebiet um Tora Bora zu verschonen. Seit dem 1. Dezember
wurden mehr als 80 Tote und 50 Verletzte gezählt, darunter viele
Frauen und Kinder. Die Verletzten wurden in das Krankenhaus nach
Dschalalabad transportiert. Die Opfer stammen nicht nur aus Tora Bora
im Osten Afghanistans, sondern auch aus den nahe gelegenen Dörfern
Pachir, Wazir und Agam.
    
    Da sich die Sicherheitssituation in Dschalalabad in Folge der
Bombenangriffe verschlechtert hat, wurde das Team von ÄRZTE OHNE
GRENZEN nach Pakistan evakuiert. Die Rettungswagen sind jedoch weiter
mit afghanischem Personal im Einsatz. Darüber hinaus unterstützt
ÄRZTE OHNE GRENZEN das Krankenhaus in Koghiani, das nahe Tora Bora
liegt, mit Medikamenten und chirurgischem Material.
    
    Kurz nachdem die Bombenangriffe starteten und erste Meldungen über
zivile Opfer bekannt wurden, begann ÄRZTE OHNE GRENZEN, mit drei
Rettungswagen die Opfer zu evakuieren. Unter ihnen war eine Familie,
deren Vater getötet, die Mutter schwer verletzt und vier Kinder
leichter verletzt wurden. Ein sechsjähriger Junge verlor ein Auge,
einen Arm sowie ein Bein. Der andere Arm musste teilweise amputiert
werden.
    
    Inzwischen ist das Vertriebenenlager in Hesarshari von
ursprünglich 500 auf nun 2.000 Familien angewachsen. Die
Bombenangriffe um Tora Bora haben zudem Waldbrände ausgelöst, die
zurzeit nicht unter Kontrolle gebracht werden können.
    
    Nach Ansicht von ÄRZTE OHNE GRENZEN sind diese Ereignisse äußerst
beunruhigend, da immer wieder betont wird, dass der Krieg gegen den
Terrorismus im Namen der Zivilisation und Wahrung der humanitären
Werte geführt werde. Die Allianz unter US-amerikanischer Führung sei
dafür verantwortlich, dass das internationale Völkerrecht geachtet
und insbesondere die Verhältnismäßigkeit des Gewalteinsatzes gewahrt
wird. Nach Beobachtungen von ÄRZTE OHNE GRENZEN vor Ort fordern die
Militäroperationen eine inakzeptabel hohe Zahl ziviler Opfer. Die
Organisation ruft die Konfliktparteien auf, die Auswirkungen der
Auseinandersetzungen für die Bevölkerung so gering wie möglich zu
halten.
    
    Mehr als 60 internationale und 400 afghanische Mitarbeiter von
ÄRZTE OHNE GRENZEN leisten von sechs Städten aus medizinische Hilfe:
Herat, Mazar-I-Sharif, Taloqan, Faizabad, Kabul und Dschalalabad.
    
    
ots Originaltext: Ärzte ohne Grenzen
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