Ärzte ohne Grenzen

Afghanistan: Skorbut-Ausbruch im Norden des Landes durch Nahrungsmittelmangel verursacht

    Faryab/Berlin (ots) - Die internationale Organisation ÄRZTE OHNE
GRENZEN bestätigt einen Skorbut-Ausbruch im Norden Afghanistans, in
der Provinz Faryab. Die Krankheit, die durch Vitamin-C-Mangel
verursacht wird, führt dazu, dass die Beine blau anlaufen, das
Zahnfleisch blutet und die Zähne locker werden. ÄRZTE OHNE GRENZEN
fordert das UN-Welternährungsprogramm zur sofortigen Verteilung von
Nahrungsmitteln auf, da die Menschen in dieser Region dringend auf
Hilfe von außen angewiesen sind.
    
    "Diese Krankheit sollte es eigentlich im 21. Jahrhundert nicht
mehr geben", erklärte Stephan Goedgebuur, Koordinator von ÄRZTE OHNE
GRENZEN in der Region. "Bereits 1999 gab es eine karge Ernte, und die
Dürre im letzten Jahr hat zu einem vollkommenen Ernteausfall geführt.
Außerdem gibt es nach zwei Jahrzehnten Krieg Tausende von
Vertriebenen im Land. Die traditionellen Überlebensmechanismen wurden
in den letzten Jahren einfach überstrapaziert. Ich fürchte, dass die
Menschen keine Reserven mehr haben", so Goedgebuur.
    
    ÄRZTE OHNE GRENZEN hat bei zwei Erkundungsfahrten in der
nördlichen Bergregion insgesamt 86 Dörfer (5981 Familien) besucht.
Dabei wurden 343 Fälle von Skorbut festgestellt, von denen zwei
tödlich endeten. Weitere Fälle der Krankheit wurden in den
vergangenen Tagen im Süden von Mazar-i-Shariff festgestellt.
    
    Die Organisation hat an mehrere Tausend Familien
Vitamin-C-Tabletten verteilt. Außerdem wurden stärkende
Nahrungsmittel ausgegeben. Die Organisation befürchtet jedoch, dass
dieser Skorbut-Ausbruch nur die Spitze des Eisberges und Anzeichen
einer größeren Ernährungskrise ist.
    
    ÄRZTE OHNE GRENZEN fordert daher das UN-Welternährungsprogramm
auf, eine allgemeine Nahrungsmittelverteilung für die Bevölkerung im
Norden des Landes anlaufen zu lassen. Die Menschen in dieser Region
seien auf Hilfe von außen dringend angewiesen.
    
    
ots Originaltext: Ärzte ohne Grenzen
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