Ärzte ohne Grenzen

ANGOLA: Schwere Ernährungskrise

    Berlin (ots) - 10. Mai 2001. Die medizinische Hilfsorganisation
ÄRZTE OHNE GRENZEN berichtet von einer schweren Ernährungskrise in
der angolanischen Provinz Bié, im Zentrum des Landes. Die
Organisation hat in der Provinzhauptstadt Kuito Ernährungszentren für
rund 800 schwer unterernährte Kinder eröffnet. Gleichzeitig fordert
ÄRZTE OHNE GRENZEN  das UN-Welternährungsprogramm auf, dringend eine
allgemeine Nahrungsmittelverteilung für bis zu 50.000 Menschen in der
Provinz zu starten.
    
    "Wir sind sehr erschrocken über das Ausmaß der Unterernährung und
tun, was wir können, um die Sterberate zu verringern. Aber unsere
Ernährungszentren allein reichen nicht aus. Die Menschen brauchen
dringend eine allgemeine Nahrungsmittelverteilung", warnt Erwin Van
der Borght, Koordinator von ÄRZTE OHNE GRENZEN in Angola. Wenn eine
solche Nahrungsmittelverteilung für etwa 25.000 bis 50.000 Menschen
nicht umgehend anlaufe, würden die Ernährungszentren bald überfüllt
sein, und es dauere nicht lange, bis die entlassenen Kinder erneut
aufgenommen werden müssten, so Van der Borght.
    
    Besonders hart betroffen sind die Menschen, die aufgrund der 1998
landesweit erneut aufgeflammten Konflikte zwischen der Regierung und
der UNITA vertrieben wurden. Unter den Vertriebenen, die in der Stadt
Camacupa leben, sind 28 Prozent unterernährt, elf Prozent davon sogar
schwer unterernährt. Von einer akuten Ernährungskrise spricht man,
wenn 15 Prozent der Bevölkerung unterernährt sind.
    
    Erschreckend ist auch die extrem hohe Sterberate. Drei von 10.000
Menschen sterben täglich, bei den unter Fünfjährigen sind es sogar
5,4 Todesfälle pro 10.000. Im Vertriebenenlager Kuemba ergab die
Analyse der Ernährungssituation, dass 46 Prozent der Vertriebenen
unterernährt sind, 19 Prozent von ihnen schwer. Diese Zahlen sind die
höchsten, die in den vergangenen Jahren in Angola festgestellt
wurden.
    
    In den vergangenen sechs Wochen hat ÄRZTE OHNE GRENZEN mehr als
400 schwer unterernährte Kinder in Ernährungszentren aufgenommen, in
denen sie rund um die Uhr medizinisch betreut werden. Die Kapazität
dieser Ernährungszentren wurde von anfangs 300 auf 800 Patienten
ausgeweitet, um auf den starken Anstieg an Aufnahmen reagieren zu
können. Außerdem startet ÄRZTE OHNE GRENZEN ein Ernährungsprogramm
für rund 500 mäßig unterernährte Kinder. Diese erhalten tägliche
Nahrungsmittelrationen, müssen jedoch nicht medizinisch versorgt
werden. Es wird erwartet, dass dieses Programm in kurzer Zeit auf
2000 Kinder ausgeweitet werden muss.
    
    
ots Originaltext: Ärzte ohne Grenzen
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