Ärzte ohne Grenzen

Südafrika
Hunderttausende Menschen fordern pharmazeutische Industrie zur Rücknahme der Klage auf

Berlin (ots) - Nationale und internationale Organisationen verurteilten am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Johannesburg die 39 pharmazeutischen Unternehmen, die an ihrer Klage gegen die südafrikanische Regierung festhalten. Damit blockiere die Industrie die Bemühungen der Regierung, den Zugang zu HIV/Aids-Medikamenten für die Bevölkerung in Südafrika sicherzustellen. Mit einer weltweiten Unterschriftenaktion rufen die Organisationen die Konzerne auf, die Klage fallen zu lassen. Dabei weisen sie auch die Argumentation der Industrie zurück, die hohen Medikamentenpreise in Afrika seien notwendig, um hohe Forschungs- und Entwicklungskosten abzudecken. Die internationale medizinische Organisation ÄRZTE OHNE GRENZEN veröffentlichte die Ergebnisse einer sechswöchigen Unterschriftenaktion, bei der rund 250.000 Menschen aus 130 Ländern die pharmazeutische Industrie auffordern, die Klage niederzulegen. Die Petition spiegelt die weltweite Empörung über das heuchlerische Verhalten der Pharmaindustrie wider, die einerseits vorgibt, Aids zu bekämpfen und andererseits die Anstrengungen von Regierungen unterläuft, den Zugang zu unentbehrlichen Medikamenten zu ermöglichen. "So unterschiedliche Unterzeichner wie 4.000 Bewohner eines Slums in Nairobi oder Berühmtheiten wie Whoopi Goldberg, Carlos Santana und REM rufen die Firmen dazu auf, die Klage fallen zu lassen", sagte Dr. Eric Goemaere von ÄRZTE OHNE GRENZEN in Südafrika. "Ich fordere die Vertreter der Konzerne auf, unsere Gesundheitszentren in den Townships zu besuchen, damit sie selbst das Leid sehen können, das sie durch ihre Praxis, Profit über das Wohlergehen der Menschen zu stellen, hervorrufen. Die südafrikanische Organisation TREATMENT ACTION CAMPAIGN (TAC), die als offizieller Sachverständiger bei Gericht zugelassen wurde, zeigte am Dienstag, welche furchtbaren Auswirkungen die hohen Medikamentenpreise in Südafrika haben. Innerhalb des letzten Jahres sind 250.000 Menschen in Südafrika an den Folgen von HIV und Aids gestorben. In den sechs Wochen, die der Prozess ausgesetzt war, um der pharmazeutischen Industrie Zeit zu geben, Beweise für die Begründung der hohen Preise zu sammeln, starben allein 30.000 Menschen an den Folgen von Aids. Die meisten von ihnen hatten keinen Zugang zu lebensrettenden Medikamenten. "Die viel zu hohen Medikamentenpreise in Südafrika können nicht mit dem Argument gerechtfertigt werden, dass Forschung und Entwicklung refinanziert werden müssen, denn in Afrika wird nur ein Prozent aller pharmazeutischen Produkte verkauft", sagte Zackie Achmat von TAC. "In Wahrheit wurde die Forschung und Entwicklung von HIV-Medikamenten zu einem beträchtlichen Teil mit öffentlichen Geldern - und nicht nur mit Industriemitteln - bezahlt. Die Patente für wichtige antiretrovirale Arzneimittel wie d4T, ddI und ddC werden von der amerikanischen Regierung oder akademischen Institutionen gehalten", so Achmat. Außerdem investiere der private Sektor kaum in die Forschung und Entwicklung von Medikamenten, die in erster Linie die Entwicklungsländer betreffen. ÄRZTE OHNE GRENZEN betont zudem die Notwendigkeit, bestehende legale Mittel zu nutzen, um den Zugang zu erschwinglichen Medikamenten sicherzustellen. Öffentlichkeitswirksame Preisnachlasse für Aids-Medikamente, wie sie in jüngster Zeit von multinationalen Pharmakonzernen angeboten wurden, seien hingegen keine nachhaltige Lösung. "Der Prozess in Südafrika schafft einen wichtigen Präzedenzfall für Entwicklungsländer. Es geht letztlich darum, ob kommerzielle Interesse wichtiger sind als die Gesundheit von Millionen Menschen", sagte Kevin Watkins von Oxfam. ots Originaltext: ÄRZTE OHNE GRENZEN Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Weitere Informationen: ÄRZTE OHNE GRENZEN, Pressestelle: Kattrin Lempp, Petra Meyer in Berlin: 030-22 33 77 00 oder in Pretoria Samantha Bolton: 082-858 3429 bzw. Toby Kasper: 082 332 9713; OXFAM, Helen Palmer: 082 448 3299; TAC, Mark Heywood: 083 634 8806 bzw. Zackie Achmat: 083 467 1152 Original-Content von: Ärzte ohne Grenzen, übermittelt durch news aktuell

Das könnte Sie auch interessieren: