Ärzte ohne Grenzen

Südafrika: Pharmazeutische Industrie behindert Zugang zu preisgünstigen Medikamenten

    Pretoria/Berlin (ots) - In einem offenen Brief, der weltweit an 39
pharmazeutische Unternehmen gerichtet ist, fordern ÄRZTE OHNE GRENZEN
und OXFAM die Arzneimittelhersteller auf, ihre Klage gegen die
Umsetzung eines Gesetzes in Südafrika, das den besseren Zugang zu
unentbehrlichen Medikamenten ermöglicht, unverzüglich und
bedingungslos fallen zu lassen. Am 5. März wird der Prozess vor dem
Obersten Gerichtshof in Pretoria eröffnet.
    
    "Dieser Prozess verdeutlicht die Heuchelei der pharmazeutischen
Industrie", so Justin Forsyth von Oxfam. "Die Industrie behauptet
immer wieder, dass sie allen Menschen den Zugang zu Medikamenten
ermöglichen will - aber offensichtlich nur zu ihren Bedingungen. Als
die südafrikanische Regierung 1998 die gesetzlichen Möglichkeiten
schaffen wollte, den Zugang zu Medikamenten zu erleichtern,
blockierte die Pharma-Industrie dieses Vorhaben umgehend. Der Prozess
in Pretoria ist eine eindeutige Warnung der Arzneimittelhersteller an
die ärmeren Länder: Spielt nach unseren Regeln oder nehmt die Folgen
in Kauf."
    
    Die südafrikanische Regierung steht heute vor der Herausforderung,
auf die weltweit höchste Infektionsrate reagieren zu müssen und eine
Versorgung der über vier Millionen HIV-Infizierten Menschen zu
gewährleisten. Hierzu wurde eine Gesetzgebung geschaffen, die aus
einem besonderen öffentlichen Interesse heraus im Falle eines
gesundheitlichen Notstandes Maßnahmen, wie Parallelimport,
Zwangslizenzierung oder Substitution bestimmter Medikamente durch
Nachahmerpräparate ermöglicht.
    
    Diese Maßnahmen stellen Schutzmechanismen dar, die im
TRIPS-Abkommen der Welthandelsorganisation (WTO) geregelt sind und
die in der Gesetzgebung der Industriestaaten selbstverständlich
genutzt werden. Dennoch werden sie in Südafrika von den
Pharma-Unternehmen blockiert. ÄRZTE OHNE GRENZEN und OXFAM fordern
daher die EU-Kommission und die US-Regierung auf, sich hinter die
südafrikanische Regierung zu stellen, damit die legalen Möglichkeiten
von TRIPS genutzt und preiswerte Medikamente zur Verfügung stehen.
    
    "Jeden Tag kommen Dutzende HIV/Aids Patienten in unsere Klinik in
einem Township außerhalb von Kapstadt und suchen Hilfe, aber aufgrund
der hohen Medikamentenpreise können wir nur wenige Menschen
behandeln. Ich finde es empörend, dass die Pharma-Industrie dies
schlicht ignoriert und stattdessen die Bemühungen der Regierung für
einen besseren Zugang zu Medikamenten blockiert", erklärte Eric
Goemare von ÄRZTE OHNE GRENZEN.
      
    ÄRZTE OHNE GRENZEN und OXFAM unterstützen die Aktionen von
verschiedenen Nichtregierungsorganisationen, die zu Prozessbeginn am
5. März zu weltweiten Kundgebungen auffordern. Ziel dieser
internationalen Protestbewegung ist es, der Pharma-Industrie vor
Augen zu führen, dass sie den Prozess auf dem Rücken von Patienten
austragen.
    
    
    Liste der 39Pharma-Unternehmen:

    The Pharmaceutical Manufacturers' Association of South Africa
    Alcon Laboratories (S.A.) (Proprietary) Limited
    Bayer (Proprietary) Limited
    Bristol-Myers Squibb (Proprietary) Limited
    Byk Madaus (Proprietary) Limited
    Eli Lilly (South Africa) (Proprietary) Limited
    Glaxo Wellcome (South Africa) (Proprietary) Limited
    Hoechst Marion Roussel Limited
    Ingelheim Pharmaceuticals (Proprietary) Limited
    Janssen-Cilag Pharmaceutica (Proprietary) Limited
    Knoll Pharmaceuticals South Africa (Proprietary) Limited
    Lundbeck South Africa (Proprietary) Limited
    Merck (Proprietary) Limited
    MSD (Proprietary) Limited
    Novartis South Africa (Proprietary) Limited
    Novo Nordisk (Proprietary) Limited
    Pharmacia & Upjohn (Proprietary) Limited
    Rhone-Poulenc Rorer South Africa (Proprietary) Limited
    Roche Products (Proprietary) Limited
    Schering (Proprietary) Limited
    Schering-Plough (Proprietary) Limited
    S.A. Scientific Pharmaceuticals (Proprietary) Limited
    SmithKline Beecham Pharmaceuticals (Proprietary) Limited
    Universal Pharmaceuticals (Proprietary) Limited
    Wyeth (Proprietary) Limited
    Xixia Pharmaceuticals (Proprietary) Limited
    Zeneca South Africa (Proprietary) Limited
    Bayer AG
    Boehringer-Ingelheim International GmbH
    Boehringer-Ingelheim KG
    Bristol-Myers Squibb Company
    Byk Gulden Lomberg Chemische Fabrik GmbH
    Dr. Karl Thomae GmbH
    Eli Lilly and Company
    F. Hoffman-La Roche AG
    Merck KGaA
    Merck & Co., Inc.
    Rhone-Poulenc Rorer S.A.
    SmithKline Beecham
    
    
ots Originaltext: Ärzte ohne Grenzen
Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de

Weitere Informationen:

Ärzte ohne Grenzen/MSF, Pressestelle: Petra Meyer,
Tel: 030-22 33 77 00 oder
in Südafrika Samantha Bolton/MSF: (27) (0) 82 377 0609,
Toby Kasper/MSF: (27) (0) 82 332 9713, Ellen 't Hoen/MSF:(33) 62 237
5871, Matt Grainger/Oxfam: (27) (0) 82 445 3002, Miles Kemplay/Oxfam:
(27) (0) 82 445 3005

Original-Content von: Ärzte ohne Grenzen, übermittelt durch news aktuell

Weitere Meldungen: Ärzte ohne Grenzen

Das könnte Sie auch interessieren: