Ärzte ohne Grenzen

Tschetschenien: Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen berichtet über seine Entführung

    Amsterdam/Berlin (ots) - Auf einer Pressekonferenz in Moskau am
gestrigen Donnerstag gab Kenneth Gluck, Koordinator der medizinischen
Hilfsorganisation ÄRZTE OHNE GRENZEN im Nordkaukasus, Einzelheiten
seiner Entführung und Freilassung bekannt. Der 39-jährige Kenneth
Gluck war von bewaffneten Unbekannten am 9. Januar in Tschetschenien
entführt worden, als er mit einem humanitären Konvoi in der Nähe des
Ortes Starye Atagi unterwegs war.
    
    Gluck wurde nach eigenen Angaben in einem dunklen Keller gefangen
gehalten, wo er die Zeit damit verbrachte, Radio zu hören und zu
lesen. Er war sehr besorgt über das Schicksal seiner Kollegen sowie
seine eigene ungewisse Freilassung. "Zum Glück wurde ich während der
Gefangenschaft nie geknebelt, geschlagen oder gefoltert", sagte
Gluck. "Ich bekam drei Mahlzeiten täglich und hatte immer genug zu
essen."
    
    Nach einer Autofahrt mit verbundenen Augen wurde Gluck am Samstag,
den 3.Februar in Starye Atagi freigelassen. Während des gesamten
Zeitraums der Entführung hatten sich die Entführer nie mit ÄRZTE OHNE
GRENZEN in Verbindung gesetzt. Es wurden keinerlei Forderungen an die
Organisation gerichtet.
    
    "Es war eine wunderbare Überraschung, als wir von Kennys Befreiung
erfahren haben", sagte der Direktor der holländischen Sektion von
ÄRZTE OHNE GRENZEN, Austen Davis. "Dieser Vorfall ist für Kenny,
seine Familie und viele andere eine persönliche Tragödie", so Davis.
"Er bedeutet aber auch eine Tragödie für die tschetschenischen Ärzte,
die trotz der harten Bedingungen ohne Bezahlung und genügend Material
weiter in Tschetschenien arbeiten und die Kranken und Verwundeten
medizinisch versorgen. Sie verdienen unseren Respekt und unsere
Unterstützung. Als Folge der Entführung wurde die humanitäre Hilfe in
Tschetschenien jedoch zunächst eingestellt."
    
    ÄRZTE OHNE GRENZEN weist nochmals auf die verzweifelte Situation
für Hunderttausende von Tschetschenen hin. Die Organisation muss
jetzt neu prüfen, wie sie weiterhin humanitäre Hilfe in der Region
leisten kann. Dies hängt sowohl von den vorhandenen Kapazitäten als
auch von den Zugangsbedingungen ab.
    
    ÄRZTE OHNE GRENZEN fordert alle Konfliktparteien dazu auf,
Bedingungen zu schaffen, unter denen humanitäre Hilfe sicher und ohne
Einschränkungen geleistet werden kann. ÄRZTE OHNE GRENZEN ist sehr
besorgt, dass ohne die Unterstützung durch unabhängige humanitäre
Organisationen der Zugang zu medizinischer Hilfe für die Bevölkerung
immer schwieriger wird.
    
    Kenny Gluck wird jetzt nach New York zu Familie und Freunden
zurückkehren.
    
    
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Weitere Informationen:
ÄRZTE OHNE GRENZEN,
Pressestelle,
Kattrin Lempp,
Tel.: 030 - 22 33 77 00
Homepage: www.aerzte-ohne-grenzen.de

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