Ärzte ohne Grenzen

Afghanistan: UN-Sanktionen gefährden Versorgung der Bevölkerung

    Berlin (ots) - Die internationale Hilfsorganisation ÄRZTE OHNE
GRENZEN warnt vor einer drastischen Verschlechterung der humanitären
Lage in Afghanistan. Angesichts der angekündigten UN-Sanktionen
ziehen alle UN-Organisationen ihr internationales Personal ab.
Beinahe alle wichtigen UN-Projekte müssen daher geschlossen werden.
    
    In der westlichen Provinz Herat sowie den Nachbarprovinzen
verschlechtert sich die Situation täglich. Obwohl die Region unter
der schlimmsten Dürre seit 30 Jahren leidet, kommen
Lebensmittellieferungen zu spät an. Darüber hinaus zwingen anhaltende
Kämpfe viele Afghanen zur Flucht. So sind seit Juni dieses Jahres
mehr als 55.000 Menschen nach Herat geflohen, wo sie in sechs
Vertriebenenlagern untergebracht sind.
    
    Allein in der vergangenen Woche sind täglich 200 Familien in Herat
angekommen. Die meisten Vertriebenen haben ihren gesamten Besitz
sowie ihr Vieh verloren und müssen nun unter schrecklichen
Bedingungen überleben. Mit dem einsetzenden Winter benötigen sie
dringend Unterkünfte, Trinkwasser, Lebensmittel, Heizmaterial und
sanitäre Einrichtungen. Die derzeitigen Lebensmittelvorräte in der
westlichen Region reichen nur für wenige Tage.
    
    ÄRZTE OHNE GRENZEN befürchtet eine zunehmende Unterernährung der
Menschen, die vor der extremen Trockenheit in einigen Regionen
geflohen sind. "Bereits zwei Wochen nach der Eröffnung eines
Ernährungszentrums in Herat haben wir 350 Kinder aufgenommen, die
jünger als fünf Jahre sind", erklärt Marcel van Soest, Programmleiter
für Afghanistan. "Wir befürchten, dass viele Vertriebene sehr schnell
an Unterernährung leiden werden, wenn jetzt alle UN-Projekte in Herat
und den Nachbarprovinzen zum Stillstand kommen. Die Situation wird
sich weiterhin verschärfen, wenn noch mehr geschwächte Menschen dort
eintreffen."
    
    Zusagen internationaler Geldgeber sind bislang weit hinter dem
geschätzten Bedarf zurückgeblieben. Weniger als 50 Prozent der für
das Jahr 2000 versprochenen humanitären Hilfe ist tatsächlich
geliefert worden. Wenn dieser Engpass nicht sofort behoben wird,
fürchtet ÄRZTE OHNE GRENZEN einen ernsthaften Anstieg der
Unterernährung sowie den Ausbruch von Krankheiten.
    
    Diese Situation wird noch dadurch verschärft, dass alle
Nachbarländer ihre Grenzen geschlossen haben und potenziellen
Flüchtlingen somit Schutz und Hilfe verwehren. ÄRZTE OHNE GRENZEN
ruft die internationale Gemeinschaft dazu auf, angesichts dieser
Notlage nicht untätig zu bleiben. Die Organisation verstärkt alle
Aktivitäten in Afghanistan, um auf die bevorstehende Katastrophe
reagieren zu können. Ende dieser Woche wird ein Frachtflugzeug mit
Hilfslieferungen in Richtung Afghanistan starten.
    
    
ots Originaltext: ÄRZTE OHNE GRENZEN
Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de


Weitere Informationen:
Pressestelle, Petra Meyer, Kattrin Lempp,
Tel: 030-22 33 77 00 oder
www.aerzte-ohne-grenzen.de, Rubrik Aktuell/news

Original-Content von: Ärzte ohne Grenzen, übermittelt durch news aktuell

Weitere Meldungen: Ärzte ohne Grenzen

Das könnte Sie auch interessieren: