Ärzte ohne Grenzen

Welt-Aids-Tag: Aids-Epidemie bedroht Russlands Jugend
Präventionsprogramme dringend erforderlich

    Berlin (ots) - Ohne groß angelegte Präventionsprogramme wird die
Aids-Epidemie unter Drogenabhängigen in Russland bis zum Ende des
Jahres 2002 stark zunehmen. Über sexuelle Kontakte kann die Epidemie
leicht auf die allgemeine Bevölkerung übergreifen. Die Organisation
ÄRZTE OHNE GRENZEN ruft daher anlässlich des Welt-Aids-Tages zu
umfassenden Präventionsprogrammen auf, die von der russischen
Regierung und der internationalen Gemeinschaft unterstützt werden
müssen.
    
    Im Jahr 2000 wurden mehr HIV-Infektionen in Russland registriert
als in den zehn Jahren zuvor. Offiziell ist die Zahl der
HIV-Infizierten von 1000 im Jahr 1995 auf 69120 im Jahr 20001
gestiegen. Die Weltgesundheitsorganisation und UNAIDS befürchten,
dass die Dunkelziffer fünf bis zehnmal höher liegt und sich etwa eine
halbe Million Menschen bereits mit dem Virus angesteckt haben. Etwa
80 Prozent der Infizierten sind Fixer, die sich über die gemeinsame
Nutzung des Spritzbestecks infiziert haben. Diese Drogenabhängigen
repräsentieren Millionen von jungen und sexuell aktiven Menschen in
Russland.
    
    "In den nächsten Jahren wird sich der HI-Virus durch sexuelle
Übertragung unter der russischen Jugend rasch ausbreiten", warnt Wim
Landmann, medizinischer Koordinator der Aids-Programme in Russland.
"Jahrelang haben wir klare Anzeichen für Risikoverhalten
festgestellt, das sich vor allem durch die drastische Zunahme von
Geschlechtskrankheiten zeigt. Unbehandelt erhöhen sie das Risiko der
HIV-Übertragung", so Landmann. Zwischen 1990 und 1998 hat Syphilis in
Russland um das 50fache zugenommen. ÄRZTE OHNE GRENZEN ruft daher zu
sofortigen umfassenden Präventionsprogrammen auf.
    
    ÄRZTE OHNE GRENZEN arbeitet seit 1996 mit russischen Behörden und
Nichtregierungsorganisationen in Sachen Aidsaufklärung. Unter anderem
wurden 200 Gesundheitsexperten aus 60 Städten in Präventionsmethoden
unterrichtet. Als Folge laufen derzeit Präventionsprogramme für
Drogenbenutzer in 35 russischen Städten.
    
    "Als wir versuchten, russische Ärzte davon zu überzeugen, sich mit
Drogenbenutzern auf der Straße zu unterhalten, ist uns jede Menge
Skepsis begegnet", erinnert sich Urban Weber, Projektkoordinator in
Moskau. "Aber wenn sie erkennen, wie Prävention in anderen
europäischen Staaten geholfen hat, siegt meist ihr Pragmatismus. Sie
sind bereit dazu, präventiv zu arbeiten, aber sie brauchen dringend
die finanzielle Unterstützung der russischen Regierung und der
internationalen Gemeinschaft."
    
ots Originaltext: Ärzte ohne Grenzen
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Interviewanfragen mit Urban Weber:
Pressestelle,
Petra Meyer, 030/22 33 77 00

Weitere Informationen zum Welt-Aids-Tag finden Sie unter:
www.aerzte-ohne-grenzen.de        Rubrik:aktuell/news
1 Quelle: Gesundheitsministerium der Russischen Föderation

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