Ärzte ohne Grenzen

Millionen sterben, weil Medikamente fehlen
Medikamentenspenden sind keine langfristige Lösung

    Berlin (ots) - Mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung hat keinen
Zugang zu unentbehrlichen Medikamenten. Dies führt dazu, dass
jährlich rund 17 Millionen Menschen an behandelbaren
Infektionskrankheiten sterben. Etwa 90 Prozent dieser Todesfälle
ereignen sich in ärmeren Ländern. Auf einer internationalen
Konferenz, zu der ÄRZTE OHNE GRENZEN am Donnerstag nach Berlin
eingeladen hat, fordert die Organisation die Bundesregierung daher
auf, bereits zugesagte Mittel zur Bekämpfung von
Infektionskrankheiten auch tatsächlich bereitzustellen. Darüber
hinaus kritisiert die Organisation Medikamentenspenden von
Pharma-Unternehmen, da sie keine nachhaltige Lösung darstellen.
    
    Auf der Konferenz (1), an der auch Bundesgesundheitsministerin
Andrea Fischer teilnimmt, diskutieren Vertreter aus Politik,
Wirtschaft und Forschung sowie Vertreter von
Nichtregierungsorganisationen darüber, wie der Zugang zu Medikamenten
weltweit gesichert werden kann. Von der Bundesregierung erwartet
ÄRZTE OHNE GRENZEN eine klare Zusage auf das im Juli 2000 beim G-8
Gipfel in Japan angekündigte Versprechen, zusätzliche Mittel für die
Bekämpfung von Infektionskrankheiten zur Verfügung zu stellen. Unklar
ist bislang, welche Mittel die Regierung hierfür aufbringen wird.
    
    Der Versorgungsengpass ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen,
dass die Pharma-Industrie die Produktion von Medikamenten gegen
Tropenkrankheiten mangels Profit einstellt. Außerdem wird nicht in
die Neuentwicklung von Arzneimitteln gegen Krankheiten wie Malaria,
Tuberkulose oder Schlafkrankheit investiert. ÄRZTE OHNE GRENZEN
appelliert besonders an die deutsche Pharma-Industrie, die Produktion
bestimmter Medikamente aufrechtzuerhalten.
    
    Die Pharma-Konzerne haben auf den medikamentösen
Versorgungsengpass vor allem mit Arzneimittelspenden reagiert. Diese
Spenden sind aus Sicht von ÄRZTE OHNE GRENZEN jedoch keine
nachhaltige Lösung, denn die Arzneimittel werden meist nur für einen
bestimmten Zeitraum und ein bestimmtes Land gespendet, und oft dürfen
die Medikamente nur zur Behandlung einer speziellen Krankheit
verwendet werden. Einer Studie von ÄRZTE OHNE GRENZEN zufolge sind
Medikamentenspenden von Pharma-Konzernen zudem kostenträchtiger als
andere Alternativen, da die Unternehmen erhebliche
Steuererleichterungen geltend machen können. Für ÄRZTE OHNE GRENZEN
ist daher die Produktion von hochwertigen Nachahmerprodukten
(Generika) die einzige Alternative, um den Zugang zu Medikamenten zu
sichern.
    
    Die Konferenz in Berlin ist Teil der Medikamentenkampagne, die
ÄRZTE OHNE GRENZEN im November 1999 weltweit gestartet hat.
    
    - zu (1) 'Gesundheit - Opfer fortschreitender Globalisierung?'
Internationales Kolloquium, Deutsche Gesellschaft für Auswärtige
Politik, 16. November 2000, 12.00 - 21.00 Uhr.
    
ots Originaltext: ÄRZTE OHNE GRENZEN
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Weitere Informationen:
Petra Meyer, Kattrin Lempp
Tel: 0177-55 95 031 (Konferenz-Kontakt)

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