Ärzte ohne Grenzen

ANGOLA: Kriegsparteien sprechen von "Normalisierung", doch die Gewalt gegen die Zivilbevölkerung nimmt zu

Luanda/Berlin (ots) - Die Bevölkerung in Angola wird immer wieder zur Zielscheibe der Gewalt durch die Konfliktparteien. Dies kritisiert die internationale Hilfsorganisation ÄRZTE OHNE GRENZEN in einem Bericht, den sie anlässlich des 25jährigen Jahrestages der Unabhängigkeit Angolas am 11. November vorgelegt hat. Die Organisation beruft sich dabei auf Zeugenberichte, die ihre Mitarbeiter in verschiedenen Provinzen gesammelt haben. Danach wird die Bevölkerung Opfer von Vertreibungen und Gewaltakten, während die angolanische Regierung und die UNITA von einer "Normalisierung" der Situation sprechen. "Die Konfliktparteien versuchen zu beruhigen, doch in Wirklichkeit ereignet sich hier eine Katastrophe", sagt Christopher Stokes, Koordinator von ÄRZTE OHNE GRENZEN in Angola. "Im Gegensatz zur offiziellen Regierungsposition, die von der internationalen Gemeinschaft und den Vereinten Nationen akzeptiert wird, ist die Situation in Angola alles andere als "normal". Vielmehr zeigt sich eine neue Dimension der Gewalt, die vor allem die Zivilbevölkerung betrifft." In den neun Provinzen, in denen die Organisation tätig ist, sind die Menschen zunehmend einer Politik des Terrors ausgesetzt. Seitdem die Kämpfe 1998 wieder ausgebrochen sind, wird die Bevölkerung zwangsvertrieben, und Gewalttaten wie Mord, Verstümmelungen und Vergewaltigungen nehmen zu. Zudem stellen die Mitarbeiter eine gravierende Verschlechterung der medizinischen Versorgung fest. Die angolanischen Behörden ziehen sich zunehmend aus der Gesundheitsversorgung zurück und investieren kein Geld in diesen Sektor. Obwohl Angola täglich 127.200 Tonnen Öl exportiert, fehlt Treibstoff, um die Generatoren der Krankenhäuser zu betreiben. Die Mitarbeiter von ÄRZTE OHNE GRENZEN werden darüber hinaus größtenteils mit Verletzungen konfrontiert, die durch Waffen und Minen verursacht wurden. Erschwerend kommt hinzu, dass seit zwei Jahren Tausende Landbewohner gezwungen werden, in die Städte zu fliehen. Dies führt zu Engpässen in der Nahrungsmittelversorgung. ÄRZTE OHNE GRENZEN hat deshalb 26 Ernährungszentren eingerichtet. Seit 1998 musste sich ÄRZTE OHNE GRENZEN aus einigen Provinzen zurückziehen und 18 Projekte schließen. Heute kann die Organisation nur in den Städten arbeiten, die von der Regierung kontrolliert werden. Außerhalb der Städte sind die Straßen größtenteils vermint, und es finden häufig Übergriffe statt. Zudem verweigert die UNITA den Hilfsorganisationen Zugang zur Bevölkerung in den von ihr kontrollierten Gebieten. Trotzdem lehnen die Vereinten Nationen seit zwei Jahren jegliche Anstrengungen ab, Zugang zu diesen Gebieten zu verlangen. ÄRZTE OHNE GRENZEN arbeitet seit 1983 in Angola. Zur Zeit sind dort 80 internationale und 850 nationale Mitarbeiter tätig. ots Originaltext: ÄRZTE OHNE GRENZEN Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de TV-REDAKTIONEN: Betacam-Material zur Situation in Angola ist erhältlich. Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Petra Meyer, Kattrin Lempp, Tel: 030-22 33 77 00 Original-Content von: Ärzte ohne Grenzen, übermittelt durch news aktuell

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