Ärzte ohne Grenzen

Preisgeld des Friedensnobelpreises 1999 geht in die Behandlung von Krankheiten der Armen
ÄRZTE OHNE GRENZEN fordert mehr Forschung im Bereich vernachlässigter Krankheiten

Brüssel/Berlin (ots) - Mit dem Preisgeld des Friedensnobelpreises 1999 wurde ein Fonds für die Erforschung und Behandlung vernachlässigter Krankheiten gegründet. Dies gab die internationale medizinische Hilfsorganisation ÄRZTE OHNE GRENZEN heute - knapp ein Jahr nach der Ernennung zum Friedensnobelpreisträger 1999 - bekannt. Mit Hilfe des für längere Zeit angelegten Fonds sollen Patienten behandelt werden, die an seltenen Krankheiten wie Kala Azar und der Schlafkrankheit leiden. Außerdem dient das Geld dazu, Studien mit bereits existierenden, aber überteuerten Medikamenten zur Behandlung von Aids und multiresistenter Tuberkulose in ärmeren Ländern durchzuführen. Des weiteren sollen neue Behandlungsmöglichkeiten von Krankheiten, wie beispielsweise der Malaria, entwickelt werden, was bisher kaum durch öffentliche Gelder finanziert wird. Die Mitarbeiter von ÄRZTE OHNE GRENZEN müssen täglich neue und kostengünstigere Möglichkeiten finden, um ihre Patienten behandeln zu können, denn viele sterben, weil sie keinen Zugang zu existierenden Medikamenten haben. "Während wir auf Impfstoffe hoffen und warten, müssen jetzt Menschenleben gerettet werden, indem Patienten behandelt und die Preise der bestehenden Medikamente gesenkt werden. Mittelfristig müssen ältere Therapieformen vereinfacht und neue, angemessenere Behandlungsmethoden gefunden werden. Der Fonds ist ein kleiner Schritt dahin, Leben zu retten und ein öffentliches Bewusstsein für die Patienten zu schaffen, die an vernachlässigten Krankheiten leiden", sagte der Präsident der Organisation, Dr. James Orbinski. ÄRZTE OHNE GRENZEN ruft darüber hinaus Regierungen und internationale Organisationen wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Weltbank dazu auf, solche Länder zu unterstützen, die nach neuen Therapiemöglichkeiten forschen und für den Zugang der ärmeren Bevölkerung zur Behandlung vernachlässigter Krankheiten kämpfen. Dies schließt die Entwicklung einer neuen Kombinationstherapie der Malaria sowie die Vereinfachung der bereits bestehenden Tuberkulosetherapie mit ein. Außerdem muss der Preis für die Behandlung von Aids und multiresistenter Tuberkulose gesenkt und damit für die Armen erreichbar gemacht werden. Der Nobelpreisfonds für vernachlässigte Krankheiten wurde eingerichtet, um die Kampagne "Besserer Zugang zu unentbehrlichen Medikamenten" von ÄRZTE OHNE GRENZEN zu unterstützen. Die Kampagne hat zum Ziel, Preis- und Handelshindernisse zu überwinden und die Entwicklung von neuen Arzneimitteln anzuregen. Finanziert wird der Fonds darüber hinaus durch Spenden von ÄRZTE OHNE GRENZEN und Mittel anderer Institutionen. Der Fonds unterstützt Projekte von ÄRZTE OHNE GRENZEN und anderen Organisationen. Das Geld des Friedensnobelpreises - 940.000 Euro, die dazu verwendet wurden, den Fonds zu gründen - wurde für folgende Projekte ausgegeben: 225.000 Euro für die Entwicklung einer neuen Kombinationstherapie gegen Malaria 160.000 Euro für die Bereitstellung von Medikamenten zur Behandlung von 5.000 Schlafkrankheitspatienten sowie der Erforschung neuer Therapien 120.000 Euro für die Bereitstellung von Medikamenten, Laboreinrichtungen sowie die Ausbildung lokalen Personals, um Kala Azar-Patienten zu behandeln 210.000 Euro für eine kostengünstigere Therapie von multiresistenter Tuberkulose 225.000 Euro für Pilotprojekte im Bereich der Aids/HIV-Behandlung in ärmeren Ländern Jedes Jahr sterben rund 17 Millionen Menschen an Infektionskrankheiten - fast alle in ärmeren Ländern. Obwohl ein deutlicher Bedarf an effektiven und erschwinglichen Medikamenten besteht, ist die Forschung auf diesem Gebiet fast zum Stillstand gekommen: Von den 1.223 Medikamenten, die zwischen 1975 und 1997 auf den Markt kamen, sind nur 13 dazu geeignet Tropenkrankheiten zu behandeln. Medikamente werden heutzutage anderen Handelsprodukten gleichgestellt, und die pharmazeutische Industrie investiert nicht in die Erforschung der Krankheiten der Armen, da dies keinen lukrativen Markt darstellt. ots Originaltext: von ÄRZTE OHNE GRENZEN Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Weitere Informationen: Pressestelle, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00 Original-Content von: Ärzte ohne Grenzen, übermittelt durch news aktuell

Weitere Meldungen: Ärzte ohne Grenzen

Das könnte Sie auch interessieren: