Ärzte ohne Grenzen

AIDS: Pharma-Unternehmen schränkt Spende für Südafrika ein
ÄRZTE OHNE GRENZEN fordert bedingungslose Preisreduzierung oder Lizenzabgabe für Fluconazol

Bonn (ots) - Die internationale Organisation ÄRZTE OHNE GRENZEN fordert das Pharma-Unternehmen PFIZER auf, sein Versprechen einzuhalten, für Patienten mit HIV/Aids in Südafrika das Medikament Fluconazol1 gratis bereitzustellen. Während der Verhandlungen mit der südafrikanischen Regierung hat das Pharma-Unternehmen sein Angebot immer weiter eingeschränkt. "Die Bedingungen, die PFIZER an sein medienwirksam publiziertes Angebot knüpft, kostenlos Fluconazol für Patienten mit Aids zur Verfügung zu stellen, sind enttäuschend", sagte Eric Goemaere von ÄRZTE OHNE GRENZEN in Südafrika. PFIZER hat in den laufenden Verhandlungen mit der südafrikanischen Regierung das Spendenangebot mit weiteren erheblichen Auflagen und Einschränkungen versehen. So soll die Spende jetzt auf Kryptokokken-Meningitis (Hirnhautentzündung) beschränkt werden und andere Krankheiten wie die Hefepilzinfektionen des Mundes und der Speiseröhre ausschließen. Zusätzlich hat die Firma das Angebot zeitlich begrenzt. Am empörendsten sei PFIZERs Versuch, die Medikamentenspende wie eine klinische Studie zu behandeln und Berichte sowie Schulungen zu verlangen. "Südafrikanische Mediziner sind erfahren, ihnen gesonderte Schulungen für Routinebehandlungen abzufordern, ist eine Zumutung. Gegenwärtig diagnostizieren südafrikanische Mediziner bereits HIV-Begleiterkrankungen, die wirksam mit Fluconazol behandelt werden könnten, wenn das Medikament bezahlbar wäre", so Goemaere. Falls die südafrikanische Regierung PFIZERs Angebot nicht akzeptieren kann, hat sie die Möglichkeit, eine Zwangslizenz auszustellen und somit das Recht auf Herstellung und Import an einen oder mehrere Hersteller zu vergeben. In Thailand wird das Wirkstoffpräparat Fluconazol derzeit für 0,29 US-Dollar (pro Tagesdosis bei Kryptokokken-Meningitis) verkauft. In Südafrika kostet die Tagesdosis 4,15 US-Dollar, was sich die Regierung nicht leisten kann. Wenn sich PFIZER bereit erklären würde, der südafrikanischen Regierung freiwillig eine Lizenz zu überlassen, wären die Südafrikaner in der Lage, Fluconazol von hoher Qualität zu importieren oder selbst herzustellen und so unabhängig die Behandlung von AIDS-Patienten mit Kryptokokken-Meningitis oder Hefepilzinfektionen sicherzustellen. Kryptokokken-Meningitis führt unbehandelt in zwei Monaten zum Tode. "In Südafrika sind mehr als zehn Prozent der Bevölkerung mit HIV infiziert; mehr als 100.000 Menschen sind 1999 an AIDS gestorben", erklärte Dr. Goemaere. "Es ist inakzeptabel, dass PFIZER sich dagegen sträubt, das Medikament zu einem günstigen Preis in ärmere Länder zu verkaufen oder anderen die Herstellungsrechte zu überlassen." ots Originaltext: Ärzte ohne Grenzen Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Rückfragen bitte an: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Petra Meyer, Tel: 0228-55 95 00 oder www.accessmed-msf.org 1 Markenname: Diflucan. Der Umsatz von Diflucan erbrachte 1999 mehr als eine Milliarde US-Dollar. Original-Content von: Ärzte ohne Grenzen, übermittelt durch news aktuell

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