Ärzte ohne Grenzen

Sierra Leone: Team von ÄRZTE OHNE GRENZEN aus Kabala evakuiert
Eine Million Menschen ohne medizinische Versorgung

Freetown/Bonn (ots) - In der Nacht zum 6. Juni griffen bewaffnete Gruppen die Stadt Kabala im Norden Sierra Leones an. In der Stadt leben 10.000 Menschen und mehr als 2.000 Vertriebene. Das dreiköpfige Team von ÄRZTE OHNE GRENZEN musste zunächst zusammen mit der Bevölkerung in die umliegenden Wälder fliehen und dann evakuiert werden. Eine Million Menschen hat den Zugang zu medizinischer Versorgung verloren. Das Team von ÄRZTE OHNE GRENZEN musste in der Nacht zum 6. Juni 48 Patienten und 107 unterernährte Kinder im Krankenhaus zurücklassen. Als die Mitarbeiter am darauffolgenden Morgen nach Kabala zurückkehrten, um sich um die Patienten zu kümmern, fanden die Mitarbeiter nur leere Betten mit verlassenen Infusions- und Bluttransfusionsbeuteln vor: Die zum Teil schwer kranken Patienten waren in die umliegenden Wälder geflohen, um sich in Sicherheit zu bringen. Aufgrund möglicher weiterer Angriffe wurde das Team von ÄRZTE OHNE GRENZEN am 7. Juni per Hubschrauber evakuiert. Mit ihnen wurden drei Verletzte ausgeflogen. Das Team musste 68 lokale Mitarbeiter des Krankenhauses zurücklassen. Mit der Einstellung der Arbeit von ÄRZTE OHNE GRENZEN in Kabala gibt es im Norden Sierra Leones kein funktionierendes Krankenhaus mehr. Schon vorher waren sechs Krankenhäuser und 250 Gesundheitszentren geschlossen worden. Damit ist eine Million Menschen von jeglicher medizinischer Versorgung ausgeschlossen. ÄRZTE OHNE GRENZEN versteht nicht, was das Mandat der UN in Sierra Leone eigentlich sein soll: Wenn der Schutz der Zivilbevölkerung nicht eine der Hauptaufgaben der UN darstellt, muss man sich fragen, was die UN in diesem Land überhaupt tut. Sogar in der gegenwärtigen Situation - trotz erneuter Kampfhandlungen - zieht UNAMSIL ihre Truppen weiter aus Kabala zurück und bringt damit die Bevölkerung der Stadt und der Umgebung in akute Gefahr. ots Originaltext: ÄRZTE OHNE GRENZEN Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Weitere Informationen: Pressestelle, Kattrin Lempp, Tel.: 0228 - 55 95 0-0 Original-Content von: Ärzte ohne Grenzen, übermittelt durch news aktuell

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