Ärzte ohne Grenzen

Jahrespressekonferenz: Tropenkrankheiten: Diagnose - unbezahlbar krank

Bonn (ots) - Jährlich sterben weltweit 17 Millionen Menschen an behandelbaren Infektionskrankheiten. Längst im Griff geglaubte Seuchen wie Tuberkulose, Malaria oder Schlafkrankheit breiten sich wieder in erschreckendem Maße aus. Die medizinische Hilfsorganisation ÄRZTE OHNE GRENZEN forderte anlässlich ihrer Jahrespressekonferenz in Berlin, dass die praktisch zum Stillstand gekommene Forschung und Entwicklung von Medikamenten zur Behandlung von Tropenkrankheiten wieder angekurbelt wird, Handelsbarrieren für ärmere Länder abgebaut und einfachere Therapieformen entwickelt werden. "Gesundheit ist ein Menschenrecht", erklärte die Vorstandsvorsitzende Gundula Epp-Graack. "Für ÄRZTE OHNE GRENZEN ist es völlig inakzeptabel, dass ein Großteil der Menschheit keinen Zugang zu unentbehrlichen Medikamenten hat." Patienten mit bestimmten Infektionskrankheiten können teilweise nicht behandelt werden, weil es entweder keine wirksamen Medikamente gibt oder diese viel zu teuer sind. ÄRZTE OHNE GRENZEN hat aus diesem Grund eine Medikamenten-Kampagne gestartet, die drei Ziele verfolgt: Die Organisation setzt sich dafür ein, dass die praktisch zum Stillstand gekommene Forschung und Entwicklung von Medikamenten zur Behandlung von Tropenkrankheiten wieder angekurbelt wird. Von den 1.223 Medikamenten, die in den Jahren 1975-1997 entwickelt wurden, sind nur 13 dazu geeignet, Tropenkrankheiten zu behandeln. "Mit sogenannten Lifestyle-Medikamenten wie Viagra oder Schlankheitspillen lässt sich eben mehr Geld verdienen als mit Medikamenten gegen Tropenkrankheiten", so Epp-Graack. Außerdem müssen Handelsbarrieren abgebaut werden und alle Ländern sollen das Recht erhalten, Medikamente zum jeweils günstigsten Preis einzukaufen oder selbst herstellen zu dürfen. Darüber hinaus fordert ÄRZTE OHNE GRENZEN, dass wirksamere und einfachere Therapieformen für bestimmte Krankheiten, wie beispielsweise für Tuberkulose, entwickelt werden. In ihrem Rückblick auf das Jahr 1999 plädierte die Geschäftsführerin der deutschen Sektion, Ulrike von Pilar, für eine strikte Trennung von militärischen und humanitären Aufgaben. Sie kritisierte, dass die westlichen Regierungen während des Kosovo-Krieges das Militär vor allem aus politischen Motiven und zu Propagandazwecken mit "humanitären" Aufgaben beauftragt hätten. Dadurch sei die Unabhängigkeit der humanitären Hilfe gefährdet worden. Nur eine unabhängige, unparteiliche und neutrale humanitäre Hilfe könne Menschen in bewaffneten Konflikten schützen und beistehen. 1999 hat ÄRZTE OHNE GRENZEN 27,6 Millionen Mark eingenommen, von denen 23,5 Millionen auf Spenden und Beiträge entfallen. Die deutsche Sektion finanzierte im vergangenen Jahr 30 neue Projekte und vermittelte 94 Deutsche oder in Deutschland lebende Mitarbeiter in 101 Projekte. Der Anteil für Werbung und Verwaltung belief sich auf 12,5 Prozent. ots Originaltext: ÄRZTE OHNE GRENZEN Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Interviewanfragen: Pressestelle Bonn, Britta Hohmann; Tel: 0228- 55 950-0 Original-Content von: Ärzte ohne Grenzen, übermittelt durch news aktuell

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